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Leptospirose im Auslandspraktikum: Risiko, Symptome, Schutz

Nils-Andre Stritt
Nils-Andre StrittMedizinstudent, Co-Founder travel4med
  • 6. November 2026
  • 12 Minuten
Leptospirose im Auslandspraktikum: Risiko, Symptome, Schutz

Leptospirose im Auslandspraktikum: Risiko, Symptome, Schutz

Leptospirose ist eine bakterielle Infektion, die Tiere über ihren Urin weitergeben, vor allem Ratten. Du steckst dich an, wenn verunreinigtes Wasser oder Schlamm über kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute in den Körper gelangt. Für dein Praktikum in Sri Lanka, auf Bali, in Nepal oder auf Sansibar heisst das: Hochwasser, Reisfelder und Süsswasser meiden, Wunden abdecken und bei Fieber nach der Rückkehr sofort an die Leptospirose denken.

Key Takeaways

  • Ansteckung über Tierurin: Die Bakterien gelangen über kleine Wunden oder Schleimhäute von Auge, Nase und Mund in den Körper, meist nach Kontakt mit verunreinigtem Wasser oder Schlamm.
  • Sri Lanka ist ein Hotspot: Eine Übersichtsarbeit schätzt dort rund 10'400 Spitalfälle und rund 730 Todesfälle pro Jahr (2008 bis 2015).
  • Alle vier Standorte betroffen: Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt Leptospirose für Sri Lanka, Indonesien, Nepal und Tansania.
  • Keine Impfung: Für Reisende gibt es laut Expertenkomitee für Reisemedizin keinen Impfstoff. Schutz heisst Wasser meiden, Stiefel tragen, Wunden abdecken.
  • Früh behandeln: Über 90 Prozent der Infektionen verlaufen mild. Schwere Verläufe wie die Weil-Krankheit lassen sich mit Antibiotika abfangen, wenn die Diagnose früh kommt.

Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Das Profil findest du auf der Autorenseite von MUDr. Amandeep Grewal. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung.

Was ist Leptospirose, und wie steckst du dich an?

Leptospirose ist eine Zoonose, also eine Krankheit, die zwischen Tieren und Menschen übertragen wird. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nennt als Erreger Leptospira interrogans. Menschen stecken sich laut BLV meist über kleine Hautverletzungen an, nach Kontakt mit Wasser, Erde oder Lebensmitteln, die mit Tierurin verunreinigt sind.

Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) ergänzt in seinem Ratgeber (Stand 29.08.2024): Die Bakterien dringen auch über die Schleimhäute von Auge, Nase und Mund ein. Typisch sind Wasser und Schlamm, in die Ratten, Mäuse, Hunde oder Nutztiere ihren Urin abgegeben haben. Das Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM) schreibt auf healthytravel.ch, dass vor allem Rattenurin die Bakterien verbreitet, zum Beispiel beim Waten durch Bäche, Pfützen oder Schlamm.

Wie gross ist das Problem? Eine Übersichtsarbeit in PLoS Neglected Tropical Diseases schätzt weltweit rund 1,03 Millionen Erkrankungen und 58'900 Todesfälle pro Jahr. Rund 73 Prozent davon treten in Ländern zwischen den Wendekreisen auf. Und ein Detail betrifft dich direkt: Männer zwischen 20 und 49 Jahren tragen laut der Studie rund 48 Prozent aller Fälle.

Von Mensch zu Mensch wird Leptospirose laut RKI nur sehr selten übertragen. Das ist für dein Praktikum wichtig, dazu weiter unten mehr.

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Wie häufig ist Leptospirose in Sri Lanka?

Sehr häufig, und vermutlich häufiger, als die Statistik zeigt. Eine systematische Übersichtsarbeit von Warnasekara und anderen in BMC Infectious Diseases (2019) schätzt für Sri Lanka von 2008 bis 2015 rund 52 Spitalfälle pro 100'000 Einwohner und Jahr. Das sind rund 10'400 Fälle jährlich, dazu rund 730 Todesfälle. Die gepoolte Sterblichkeit der Spitalfälle lag bei 7 Prozent.

Die offiziellen Meldezahlen liegen darunter. Laut derselben Studie fehlten im Meldesystem 47 Prozent der Spitalfälle aus den Spitalstatistiken von 2004 bis 2015. Die Autorinnen und Autoren sprechen deshalb von einer starken Unterschätzung der wahren Krankheitslast. Den grössten Ausbruch zeigt das Jahr 2008: 7'421 gemeldete Fälle und 207 Todesfälle.

Gemeldete Leptospirose-Fälle in Sri Lanka 2004 bis 2015 Zwoelf Balken, einer pro Jahr. 2004: 2243 Fälle. 2005: 1147. 2006: 1550. 2007: 2198. 2008: 7421, der Hoechstwert. 2009: 4968. 2010: 4554. 2011: 6689. 2012: 3690. 2013: 4308. 2014: 3235. 2015: 4435. Quelle: Warnasekara und andere, BMC Infectious Diseases 2019, Tabelle 1 mit Meldedaten der Epidemiology Unit Sri Lanka. Leptospirose in Sri Lanka: gemeldete Fälle pro Jahr Meldedaten 2004 bis 2015, laut Studie fehlt fast jeder zweite Spitalfall 2243 1147 1550 2198 7421 4968 4554 6689 3690 4308 3235 4435 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Quelle: Warnasekara J., Koralegedara I., Agampodi S., "Estimating the burden of leptospirosis in Sri Lanka; a systematic review", BMC Infectious Diseases, 2019, Tabelle 1. Eigene Darstellung.

Die CDC schreibt auf ihrer Länderseite zu Sri Lanka knapp: Leptospirose kommt dort vor. Sie rät, nicht in ungechlortem Süsswasser wie Seen, Teichen oder Flüssen zu baden und Hochwasser zu meiden. Die Studie nennt ausserdem Ausbrüche bei Menschen im Ökotourismus. Ein Wildwasser-Ausflug am Wochenende ist also kein Nebenthema.

Gilt das Risiko auch für Bali, Nepal und Sansibar?

Ja, in unterschiedlichem Mass. Die CDC führt Leptospirose auf den Länderseiten aller vier Länder auf, in denen travel4med Plätze vermittelt. Für Indonesien steht dort aktuell ein eigener Hinweis: Das Land meldet vermehrt Fälle, und nach Überschwemmungen oder starkem Regen steigt das Risiko.

StandortWas die Quellen zur Leptospirose sagen
Sri LankaCDC: kommt in Sri Lanka vor, Süsswasser und Hochwasser meiden; Studie 2019: rund 52 Spitalfälle pro 100'000 Einwohner und Jahr
Bali (Indonesien)CDC: Indonesien meldet vermehrt Fälle, höheres Risiko nach Überschwemmungen oder starkem Regen
NepalCDC: unter den Krankheiten ohne Impfung gelistet, verunreinigtes Wasser und Erde meiden
Sansibar (Tansania)CDC: für Tansania gelistet; EKRM: 2022 wurden 20 Fälle mit 3 Todesfällen in der Region Lindi im Süden des Festlands als Leptospirose bestätigt

Bali bieten wir dir übrigens ausdrücklich auch für die Unterassistenz im Wahlstudienjahr an. Alle Orte findest du auf der Seite zu unseren Standorten, die Details zu Sri Lanka und Bali auf den eigenen Seiten. Wann in Sri Lanka und auf Bali die Regenzeit fällt, zeigt der Beitrag zur besten Reisezeit fürs Wahlstudienjahr im Ausland. Genau diese Monate verdienen bei der Leptospirose deine Aufmerksamkeit.

Welche Symptome hat Leptospirose?

Meist harmlose, grippeähnliche. Laut RKI verlaufen über 90 Prozent der Infektionen mild oder ganz ohne Beschwerden. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 7 bis 14 Tage, mit einer Spannweite von 2 bis 30 Tagen. Fieber kann also auch erst auftreten, wenn du schon wieder in Bern, Basel oder Zürich bist.

Typisch ist laut RKI ein Verlauf in zwei Phasen:

  • Erste Phase: plötzliches Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, also ein Bild wie bei einer Grippe. Das EKRM beschreibt die Spannweite von grippeähnlichen Beschwerden bis zu hohem Fieber und Blutvergiftung.
  • Zweite Phase nach etwa einer Woche: Jetzt reagiert das Immunsystem. Die meisten Komplikationen treten laut RKI ab der zweiten Woche auf.
  • Schwere Form, die Weil-Krankheit: Das BLV nennt Gelbsucht, Bindehautentzündung, Nierenversagen, Blutungen und Herzmuskelentzündung. Möglich ist laut BLV auch eine Hirnhautentzündung.

Was macht den schweren Verlauf gefährlich? Das RKI nennt eine verminderte Urinmenge bei Nierenbeteiligung ein wichtiges negatives Zeichen für die Prognose. Lungenblutungen können tödlich enden. Wie die Niere unter so einer Infektion leidet, verstehst du besser, wenn du das Nephron lernst, wie es slaymed erklärt. Und welche Fachleute sich später um solche Patientinnen kümmern, beschreibt unser Schwesterportal im Beitrag Was ist ein Nephrologe?.

Älterer Bauer im Sarong steht mit einem Stock in einem grünen Reisfeld in Sri Lanka unter blauem Himmel, Symbolbild für Feldarbeit als Risiko für Leptospirose

Gibt es eine Leptospirose-Impfung für Menschen?

Nein, nicht für dich. Das EKRM schreibt auf healthytravel.ch klar: Für Reisende ist kein Impfstoff verfügbar. Auch in Deutschland ist laut RKI kein Impfstoff für Menschen zugelassen. Die Leptospirose-Impfung, die du vielleicht kennst, ist eine Impfung für Hunde.

Bleibt die Frage nach Tabletten. Laut RKI wurde Doxycyclin mit 200 mg einmal pro Woche bei Soldaten erfolgreich zur Vorbeugung eingesetzt. Ein Schema für Reisende beschreibt das RKI nicht, und für eine Einnahme erst nach dem Kontakt gibt es laut RKI keine Belege. Ob eine Vorbeugung für dich in Frage kommt, etwa vor einer Trekking- oder Raftingtour, klärst du in der reisemedizinischen Beratung vor dem Auslandspraktikum. Nimm nichts auf eigene Faust.

Die Impfungen, die es für deine Reise wirklich gibt, prüfst du am besten zusammen mit dem Impfausweis. Wogegen du dich in den Tropen sonst noch schützt, zeigt der Beitrag zu Dengue und Mückenschutz im Auslandspraktikum.

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Kannst du dich im Gastspital bei Patienten anstecken?

Praktisch nicht. Laut RKI wird Leptospirose nur sehr selten von Mensch zu Mensch übertragen, das Risiko einer Ansteckung im Spital stuft das RKI als sehr gering ein. Mit der normalen Händehygiene und Handschuhen beim Kontakt mit Urin oder Blut bist du auf der sicheren Seite.

Für dich ist die Leptospirose im Gastspital deshalb vor allem ein Lernfall. Bei geschätzt rund 10'400 Spitalfällen pro Jahr in Sri Lanka kann es gut sein, dass du dort Krankheitsbilder siehst, die in der Schweiz selten sind: Fieber mit Gelbsucht oder ein akutes Nierenversagen. Wie die Spitäler im Land aufgebaut sind, beschreibt unsere deutsche Schwesterseite im Beitrag über Spitäler und Gesundheitsversorgung in Sri Lanka. Wie sich so ein Einsatz anfühlt, erzählt Batu im Erfahrungsbericht aus seinem Pflegepraktikum auf Sri Lanka.

Wer Infektionskrankheiten spannend findet, wirft einen Blick in den Beitrag Was macht ein Infektologe? und in unseren Leitfaden zum Tropenmedizin-Praktikum im Ausland. Wie du solche Monate ins Studium einbaust, steht im Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

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So schützt du dich vor Leptospirose in sechs Schritten

  1. Vor der Abreise beraten lassen. Sprich Leptospirose in der Reisemedizin-Sprechstunde an, vor allem wenn du Trekking, Rafting oder Ausflüge in der Regenzeit planst.
  2. Hochwasser meiden. Die CDC rät in allen vier Ländern, verunreinigtes Wasser, Schlamm und Hochwasser zu meiden. Nach starkem Regen steigt das Risiko laut CDC deutlich.
  3. Kein Bad im Süsswasser. Seen, Teiche und Flüsse sind tabu, das Meer und gechlorte Pools nicht. Das schützt dich nebenbei auch vor der Bilharziose auf Sansibar.
  4. Stiefel und Schutzkleidung tragen. Musst du durch Wasser waten, rät das EKRM zu Stiefeln oder schützender Kleidung. Barfuss durch Pfützen gehen ist keine gute Idee.
  5. Wunden wasserdicht abdecken. Das BLV empfiehlt Wassersportlerinnen und Wassersportlern, kleine Wunden wasserdicht zu verschliessen. Pack dafür wasserfeste Pflaster in deine Reiseapotheke fürs Auslandspraktikum.
  6. Kontakte notieren. Hattest du doch Kontakt mit Hochwasser oder Schlamm, schreib Datum und Ort ins Handy. Bei Fieber in den folgenden 30 Tagen hilft das der Ärztin bei der Einordnung.

Ein Beispiel: Noemi aus Basel macht ihre Unterassistenz in Sri Lanka und gerät auf dem Heimweg vom Spital in einen Starkregen. Die Strasse steht knöcheltief unter Wasser, sie hat eine Schürfwunde am Fuss. Sie klebt ein wasserfestes Pflaster auf die Wunde und notiert das Datum. Mehr braucht es in dem Moment nicht.

Was tun bei Fieber nach der Rückkehr in die Schweiz?

Sofort ärztlich abklären lassen und den Aufenthalt erwähnen. Weil die Inkubationszeit laut RKI bis zu 30 Tage dauern kann, gehört Leptospirose bei Fieber nach Sri Lanka, Bali, Nepal oder Sansibar auf die Liste. Sag deiner Hausärztin, wo du warst und ob du Kontakt mit Hochwasser, Schlamm oder Süsswasser hattest.

Fieber nach den Tropen kann viele Ursachen haben: auf Sansibar zum Beispiel Malaria, in Sri Lanka zum Beispiel Dengue. Darum ist die Reiseanamnese so wichtig. Was du schon vor Ort tust, wenn du krank wirst, steht im Beitrag Krank im Auslandspraktikum. Und damit eine Behandlung im Ausland bezahlt ist, prüf vorher deine Auslandskrankenversicherung fürs Praktikum.

Diagnose und Behandlung im Überblick

Die Leptospirose ist gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Laut EKRM braucht es Antibiotika. Das RKI fasst den Stand so zusammen: Es gibt keine einheitlichen Leitlinien, der Konsens spricht aber für einen frühen Beginn der Antibiotika-Therapie.

SchrittWas das RKI beschreibt
Nachweis in Woche 1PCR oder Kultur aus dem Blut, direkter Erregernachweis gilt als empfindlichste Methode
Nachweis ab Woche 2PCR aus dem Urin; Antikörpertest MAT als Referenzmethode, ELISA kann schon früher positiv sein
Milder VerlaufDoxycyclin 2 x 100 mg pro Tag für 7 Tage
Schwerer VerlaufPenicillin G oder Ceftriaxon intravenös für 7 Tage

Ein negativer ELISA in den ersten Tagen schliesst eine Leptospirose laut RKI nicht aus. Darum zählt der klinische Verdacht, und darum ist deine Reiseanamnese so wertvoll. Wie leicht Fälle untergehen, zeigt die Studie aus Sri Lanka: Fast jeder zweite Spitalfall fehlte in den Meldezahlen.

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Häufige Fragen zur Leptospirose

Quellen

  • Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): "Leptospirose", abgerufen am 06.11.2026. blv.admin.ch
  • Robert Koch-Institut (RKI, Deutschland): "RKI-Ratgeber Leptospirose", Stand 29.08.2024, abgerufen am 06.11.2026. rki.de
  • Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM) auf healthytravel.ch: Länderseite Tansania mit der Meldung "Tanzania: Leptospirosis" vom 12.08.2022, abgerufen am 06.11.2026. healthytravel.ch
  • Costa F. und andere: "Global Morbidity and Mortality of Leptospirosis: A Systematic Review", PLoS Neglected Tropical Diseases, 2015. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Warnasekara J., Koralegedara I., Agampodi S.: "Estimating the burden of leptospirosis in Sri Lanka; a systematic review", BMC Infectious Diseases, 06.02.2019. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Reisegesundheit Sri Lanka, abgerufen am 06.11.2026. wwwnc.cdc.gov
  • CDC: Reisegesundheit Indonesien, abgerufen am 06.11.2026. wwwnc.cdc.gov
  • CDC: Reisegesundheit Nepal, abgerufen am 06.11.2026. wwwnc.cdc.gov
  • CDC: Reisegesundheit Tansania, abgerufen am 06.11.2026. wwwnc.cdc.gov