Die Windpocken-Impfung ist eine Lebendimpfung gegen das Varizella-Zoster-Virus, die Erwachsene in der Schweiz in zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen erhalten. Für dein Wahlstudienjahr gilt eine einfache Regel: Hattest du als Kind sicher Windpocken oder sind zwei Dosen dokumentiert, brauchst du nichts. Fehlt beides, empfiehlt dir das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Nachholimpfung vor der Abreise.
Key Takeaways
Unter 40 nachholen: Der Schweizerische Impfplan 2026 empfiehlt die Nachholimpfung allen unter 40 Jahren, die keine Windpocken hatten und noch keine 2 Dosen haben.
Zwei Dosen, vier Wochen: Ungeimpfte brauchen 2 Dosen im Abstand von mindestens 4 Wochen. Wer schon 1 Dosis hat, braucht genau 1 weitere.
Deine Erinnerung zählt: Anders als bei Masern gilt eine durchgemachte Windpocken-Erkrankung laut Impfplan als zuverlässige Angabe. Fürs Spital knüpft der Impfplan die Impfung bei unsicherer Anamnese an einen negativen VZV-IgG-Befund.
Erwachsene trifft es härter: Laut BAG sterben bei den über 16-Jährigen etwa 20 von 100'000 Erkrankten, 10 bis 20 Mal häufiger als bei Kindern.
Kosten: Am Swiss TPH kostet eine Dosis CHF 60.60 plus CHF 15.00 pro Termin. Bis 39 Jahre übernimmt laut BAG die Grundversicherung die empfohlene Impfung.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Das Profil findest du auf der Autorenseite von MUDr. Amandeep Grewal. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung.
Warum ist die Windpocken-Impfung vor dem Wahlstudienjahr ein Thema?
Weil du im Gastspital mit Menschen arbeitest, für die Windpocken gefährlich sind, und weil die Krankheit bei Erwachsenen schwerer verläuft. Das BAG nennt Neugeborene, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem als besonders gefährdet. Genau diese Gruppen triffst du auf der Geburtshilfe, der Pädiatrie oder der Onkologie.
Windpocken sind hochansteckend. Laut BAG werden die Viren über Tröpfchen in der Luft "sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragen". Ansteckend ist man schon zwei Tage, bevor der Ausschlag erscheint, und bis die letzten Bläschen verkrustet sind. Erste Symptome wie leichtes Fieber und Müdigkeit kommen zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung. Du kannst das Virus also weitergeben, bevor du selbst etwas merkst.
Für dich selbst ist das Risiko auch nicht klein. Von den Menschen, die erst mit 16 Jahren oder später an Windpocken erkranken, müssen in der Schweiz laut BAG jedes Jahr etwa 50 wegen Komplikationen ins Spital. Bei den über 16-Jährigen sterben etwa 20 von 100'000 Erkrankten, und das ist 10 bis 20 Mal häufiger als bei Kindern. Gleichzeitig weist laut BAG praktisch die ganze erwachsene Bevölkerung (98 %) Antikörper auf. Die meisten von euch sind also längst geschützt. Die Frage ist nur: Gehörst du zu den wenigen anderen?
Später kann das Virus übrigens als Gürtelrose zurückkommen. Laut BAG erkrankt rund ein Drittel aller Menschen, die Windpocken hatten, später einmal daran. Auch die Bläschenflüssigkeit einer Gürtelrose ist ansteckend, was du auf jeder Station im Hinterkopf behalten solltest.
Was empfiehlt das BAG für Medizin- und Pflegestudierende?
Das BAG empfiehlt die Windpocken-Impfung allen unter 40 Jahren, die keine Windpocken hatten und noch keine zwei Dosen haben. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen, kurz BiG, führt der Schweizerische Impfplan 2026 zusätzlich eine eigene Regel. Im Abschnitt zur Kostenübernahme zählt der Impfplan Studierende, die im Rahmen eines Praktikums in einer Gesundheitseinrichtung angestellt sind, ausdrücklich dazu. Für Elena in der Unterassistenz gilt also derselbe Massstab wie fürs Stammpersonal.
Die BiG-Regel steht im Schweizerischen Impfplan 2026 im Kapitel zu den Beschäftigten im Gesundheitswesen. Geimpft werden sollen alle BiG unter 40 Jahren, und unabhängig vom Alter alle, die mit Risikopersonen wie Säuglingen oder Immunsupprimierten arbeiten, wenn sie keine sichere Windpocken-Anamnese und einen negativen VZV-IgG-Befund haben. Wer erst eine Dosis hat, vervollständigt die Impfung.
Bisher erhaltene Dosen
Was du laut Impfplan 2026 brauchst
Abstand
0 Dosen
2 Dosen
1 bis 2 Monate zwischen den Dosen
1 Dosis
1 weitere Dosis
kein Neustart der Serie
2 Dosen
keine weitere Dosis
nicht nötig
Quelle der Tabelle: BAG, Schweizerischer Impfplan 2026, Tabelle 9 "Impfschema für ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Beschäftigte im Gesundheitswesen". Für alle anderen Erwachsenen nennt der Impfplan einen Mindestabstand von 4 Wochen.
Ab 40 Jahren ändert sich die Lage. Dann empfiehlt der Impfplan die Windpocken-Impfung nur noch für nicht immune, also IgG-negative Personen mit erhöhtem Risiko. Ausdrücklich genannt ist Medizinal- und Pflegepersonal, besonders in Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie, Onkologie, Intensivmedizin und in der Betreuung immunsupprimierter Patientinnen und Patienten. Das kann zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte betreffen, die später eine Hospitation im Ausland planen.
Welche anderen Einträge fürs Spital zählen, steht im Beitrag zum Impfausweis vor dem Auslandspraktikum. Für Reisende allgemein fasst das Schweizerische Expertenkomitee für Reisemedizin auf healthytravel.ch den Kern in einem Satz zusammen: "Reisende sollten gegen Windpocken immun sein."
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Brauchst du die Windpocken-Impfung, wenn du als Kind Windpocken hattest?
Nein. Eine durchgemachte Windpocken-Erkrankung schützt in der Regel lebenslang, und der Impfplan behandelt deine Angabe dazu als verlässlich. Das ist ein echter Unterschied zu Masern, Mumps und Röteln: Dort zählen laut Impfplan Angaben aus der Erinnerung ausdrücklich nicht, bei Windpocken dagegen schon. Weisst du es sicher, ist die Frage erledigt.
Schwierig wird es, wenn du es nicht sicher weisst. Frag zuerst deine Eltern oder schau in alte Unterlagen deiner Kinderärztin. Bleibt es unklar, hast du zwei Wege:
Impfen ohne Test: Laut Impfplan wird im Allgemeinen keine VZV-Serologie empfohlen, weder vor noch nach der Impfung. Für die meisten Erwachsenen ist das der einfachste Weg.
Erst testen, dann entscheiden: Für die BiG-Empfehlung verknüpft der Impfplan die Impfung bei unsicherer Anamnese mit einem negativen VZV-IgG-Befund. Ist der Wert positiv, sparst du dir die Impfung.
Die Reisemedizin der Universität Zürich formuliert es auf ihrer Seite zum Impfbuch-Check pragmatisch: Wer unsicher ist, ob er die Erkrankung durchgemacht hat, kann eine Blutuntersuchung in Betracht ziehen. Weil fast alle Erwachsenen in der Schweiz Antikörper haben, sei die Impfung nur noch selten nötig. Kläre am besten früh mit deinem Personaldienst oder deiner Hausärztin, welcher Weg für deinen Einsatz gefordert ist.
Wie viele Dosen braucht die Windpocken-Impfung bei Erwachsenen?
Zwei Dosen, wenn du noch nie geimpft wurdest, und eine Dosis, wenn du schon einmal geimpft wurdest. Der Mindestabstand zwischen den beiden Dosen beträgt laut Impfplan 2026 vier Wochen. Nach zwei dokumentierten Dosen bist du fertig, eine Auffrischung oder einen Titer danach empfiehlt der Impfplan nicht.
Fehlt dir gleichzeitig eine MMR-Dosis, wird es noch einfacher. Dann soll die Nachholimpfung laut Impfplan möglichst mit einem kombinierten Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) erfolgen. Du bekommst also eine Spritze statt zwei. Ob dir eine MMR-Dosis fehlt, prüfst du mit dem Beitrag zur Masern-Impfung fürs Wahlstudienjahr.
So gehst du konkret vor:
Impfbüchlein holen: Such nach Einträgen wie "Varizellen", "VZV" oder einem MMRV-Kombipräparat.
Anamnese klären: Frag deine Eltern, ob du als Kind Windpocken hattest. Notier dir die Antwort.
Anforderung deines Einsatzes klären: Frag beim Personaldienst deiner Fakultät oder beim Gastspital nach, ob ein Titer oder nur der Impfnachweis verlangt wird.
Ersten Termin buchen: Bei deiner Hausärztin oder in einem reisemedizinischen Zentrum, am besten zwei bis drei Monate vor der Abreise.
Zweite Dosis frühestens vier Wochen später: Bei Bedarf kombiniert als MMRV, wenn dir auch MMR fehlt.
Beides eintragen lassen: Jede Dosis mit Datum, Impfstoff und Stempel ins Impfbüchlein.
Kann ich die Windpocken-Impfung zusammen mit MMR oder Gelbfieber bekommen?
Ja, aber mit Plan. Windpocken, MMR und Gelbfieber sind alle virale Lebendimpfstoffe. Laut Impfplan 2026 dürfen zwei solche Impfstoffe gleichzeitig gegeben werden oder mit einem Mindestabstand von vier Wochen. Dazwischen, also etwa nach zwei Wochen, ist es nicht vorgesehen. Für Masern und Gelbfieber empfiehlt der Impfplan wenn immer möglich vier Wochen Abstand.
Für Sansibar ist das wichtig, weil dort die Gelbfieberfrage dazukommt. Ein Beispiel: Du brauchst zwei Dosen MMRV und eine Gelbfieberimpfung. Dann kannst du Gelbfieber nicht einfach zwei Wochen nach der ersten MMRV-Dosis dazwischenschieben. Rechne lieber mit drei Terminen im Abstand von je mindestens vier Wochen, also gut acht Wochen plus Vorlauf. Ob du für Sansibar überhaupt Gelbfieber brauchst, klärt der Beitrag zur Gelbfieberimpfung vor dem Praktikum auf Sansibar.
Inaktivierte Impfstoffe wie Hepatitis A, Hepatitis B, Tollwut oder Tetanus sind von dieser Regel nicht betroffen. Laut Impfplan ist zwischen inaktivierten Impfstoffen und Lebendimpfstoffen kein Abstand nötig. Welche Reiseimpfungen für Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar überhaupt infrage kommen, zeigt der Überblick zu den Reiseimpfungen fürs Wahlstudienjahr.
Zwei Punkte gelten für Lebendimpfstoffe immer. Sie sind laut Impfplan in der Schwangerschaft kontraindiziert, und nach der Windpocken-Impfung soll eine Schwangerschaft bis einen Monat nach der 2. Dosis verhütet werden. Bei einer Immunschwäche oder einer immunsuppressiven Therapie sprichst du die Impfung immer zuerst mit deiner Ärztin ab.
Windpocken-Impfung und Pädiatrie: Säuglinge im Blick
Weil Säuglinge zu den Gruppen gehören, die du schützen musst, und weil sich die Lage in der Schweiz gerade ändert. Seit 2023 empfiehlt der Impfplan die Windpocken-Impfung als Basisimpfung für alle Säuglinge mit 9 und 12 Monaten, vorzugsweise als MMRV. Jüngere Babys sind noch nicht geimpft und auf ein geschütztes Umfeld angewiesen.
Der Impfplan nennt als Ziel, dass geimpfte Säuglinge nicht nur vor Windpocken geschützt werden, sondern langfristig auch vor einer späteren Gürtelrose. Erfahrungen aus mindestens 45 Ländern mit genereller Säuglingsimpfung zeigen laut Impfplan, dass die Gürtelrose dadurch nicht häufiger wird. Für dich als Studierende heisst das: Auf einer Neugeborenenstation oder in einer Kinderklinik im Ausland bist du Teil dieses Schutzes, ob das Gastspital nach deinem Impfstatus fragt oder nicht.
Am Swiss TPH in Basel kostet eine Dosis Windpocken-Impfstoff laut Preisliste vom 22. April 2026 CHF 60.60, ein MMRV-Kombi-Impfstoff CHF 85.00. Dazu kommt pro Impftermin eine Injektions- und Dokumentationsgebühr von CHF 15.00. Die Reisemedizin der Universität Zürich nennt CHF 66 bis 96 pro Dosis, zusätzlich zu Beratungs- und Injektionskosten.
Posten am Swiss TPH (Stand 22. April 2026)
Preis in CHF
Windpocken (Varizellen), pro Dosis
60.60
Masern / Mumps / Röteln / Windpocken, pro Dosis
85.00
Injektions- und Dokumentationsgebühr, pro Termin
15.00
Impfbuch-Check mit Impfungen aus dem Schweizerischen Impfplan
Quelle: Swiss TPH, Zentrum für Tropen- und Reisemedizin, Impfpreise, Stand 22. April 2026. Eigene Darstellung, Massstab 4 Pixel je Franken.
Und wer zahlt? Seit 2023 übernimmt laut BAG die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) die Kosten der empfohlenen Windpocken-Impfung bis 39 Jahre, also bis zum 40. Geburtstag. Für arbeitsmedizinisch angezeigte Impfungen hält der Impfplan zudem fest, dass der Arbeitgeber die Kosten trägt. Studierende, die im Praktikum keinen Lohn bekommen oder deren Lohn unter der AHV-Versicherungsgrenze liegt, haben darauf aber keinen Anspruch. Aus ethischen Gründen hält der Impfplan eine Kostenübernahme durch Spital, Universität oder Schule trotzdem für angezeigt. Frag also bei deiner Fakultät nach, bevor du selbst zahlst.
Wann solltest du die Windpocken-Impfung vor der Abreise planen?
Spätestens zwei bis drei Monate vor dem Abflug. Zwei Dosen brauchen mindestens vier Wochen Abstand, und oft kommen ein Titer, eine MMR-Lücke oder die Gelbfieberimpfung dazu. Jeder weitere Lebendimpfstoff verlängert die Kette um mindestens vier Wochen. Wer erst kurz vor dem Abflug anfängt, reist mit halbem Schutz.
Wer sich für Infektionskrankheiten als späteres Fach interessiert, findet auf unserem Schwesterportal einen Einblick, was ein Infektiologe macht. Und für Mitstudierende aus dem Ausland gibt es auf travel4med.com einen englischen Überblick zu den Vaccinations for a Medical Elective Abroad.
Bundesamt für Gesundheit (BAG): "Schweizerischer Impfplan 2026", Februar 2026, Kapitel Varizellen, Beschäftigte im Gesundheitswesen und Tabelle 9, abgerufen am 03.11.2026. bag.admin.ch
Bundesamt für Gesundheit (BAG): "Windpocken und Gürtelrose", abgerufen am 03.11.2026. bag.admin.ch
Bundesamt für Gesundheit (BAG): "Schweizerischer Impfplan", Übersichtsseite, abgerufen am 03.11.2026. bag.admin.ch
Swiss TPH, Zentrum für Tropen- und Reisemedizin: "Impfpreise", Stand 22. April 2026, abgerufen am 03.11.2026. swisstph.ch
Universität Zürich, Reisemedizin: "Impfbuch-Check: Windpocken", abgerufen am 03.11.2026. reisemedizin.uzh.ch
Schweizerisches Expertenkomitee für Reisemedizin: "Impfungen", healthytravel.ch, abgerufen am 03.11.2026. healthytravel.ch