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Bilharziose in Sansibar: Was gilt im Auslandspraktikum?

MUDr. Amandeep Grewal
MUDr. Amandeep GrewalArzt, Co-Founder von travel4med
  • 25. Oktober 2026
  • 12 Minuten
Bilharziose in Sansibar: Was gilt im Auslandspraktikum?

Bilharziose in Sansibar: Was gilt im Auslandspraktikum?

Bilharziose ist eine Wurmerkrankung, bei der sich Larven von Saugwürmern (Schistosomen) beim Kontakt mit Süsswasser durch die Haut bohren. Für dein Praktikum in Sansibar gilt eine einfache Regel: Das Meer und korrekt gechlorte Pools sind laut Schweizer Expertenkomitee für Reisemedizin sicher, Teiche, Seen und langsame Flüsse nicht. Hattest du doch Hautkontakt mit Süsswasser, lässt du frühestens zwei Monate danach einen Bluttest machen.

Key Takeaways

  • Ansteckung nur im Süsswasser: Die Larven leben in Teichen, Seen und langsam fliessenden Flüssen. Meerwasser und korrekt behandelte Pools sind laut Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM) sicher.
  • Sansibar ist ein Bilharziose-Gebiet: In der vom Swiss TPH mitgeleiteten ZEST-Studie sank der Anteil infizierter Schulkinder auf Unguja und Pemba von 6,1 auf 1,7 Prozent. Übertragen wird die Krankheit aber weiterhin.
  • Oft ohne Beschwerden: Viele Infektionen verlaufen still. Möglich sind Juckreiz nach dem Baden, Fieber nach 4 bis 8 Wochen und Monate später Blut im Urin.
  • Test nach zwei Monaten: Nach Süsswasserkontakt empfiehlt das EKRM einen Bluttest frühestens zwei Monate später, auch ohne Symptome.
  • Gut behandelbar: Laut WHO ist Praziquantel das empfohlene Medikament gegen alle Formen der Bilharziose. Es gilt als wirksam, sicher und günstig.

Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Das Profil findest du auf der Autorenseite von MUDr. Amandeep Grewal. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung.

Was ist Bilharziose, und wie steckst du dich an?

Bilharziose, international Schistosomiasis genannt, ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine akute und chronische Krankheit, die von parasitären Würmern ausgelöst wird. Die WHO unterscheidet zwei Hauptformen: die Darm-Bilharziose und die urogenitale Bilharziose, also den Befall von Blase und Geschlechtsorganen. Verantwortlich sind fünf Hauptarten von Pärchenegeln.

Der Weg in deinen Körper ist immer derselbe. Süsswasserschnecken geben Larven ins Wasser ab. Diese Larven durchdringen die Haut, sobald du badest, schwimmst oder durchs Wasser watest. So beschreibt es das Faktenblatt des Expertenkomitees für Reisemedizin (EKRM) auf healthytravel.ch, Stand 27.11.2025. Im Körper wandern die Würmer weiter und siedeln sich in den Venen rund um Darm oder Harnwege an.

Krank machen dich dabei vor allem die Eier. Laut EKRM wandern sie durch die Wände von Darm und Blase und lösen dort Entzündungen und Vernarbungen aus. Über Monate und Jahre kann das die Funktion der Organe stören. Gelangen die Eier mit Urin oder Stuhl wieder ins Süsswasser, schlüpfen neue Larven, befallen Schnecken, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Wie gross ist das Problem weltweit? Die WHO schreibt in ihrem Faktenblatt vom 23.02.2026, dass 2024 mindestens 253,7 Millionen Menschen eine vorbeugende Behandlung gegen Bilharziose brauchten. Mindestens 93,9 Prozent von ihnen leben in Afrika. Übertragungen sind laut WHO aus 79 Ländern gemeldet. Und weil mehr Menschen abgelegene Gegenden bereisen, stecken sich laut WHO auch zunehmend Touristinnen und Touristen an.

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Wie verbreitet ist Bilharziose in Sansibar?

Deutlich seltener als früher, aber nicht verschwunden. Das zeigt die ZEST-Studie (Zanzibar Elimination of Schistosomiasis Transmission), die das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) in Basel mitgeleitet hat. Von 2011/12 bis 2017 untersuchte das Team auf Unguja und Pemba jedes Jahr Urinproben von rund 9'000 Schulkindern zwischen 9 und 12 Jahren und rund 4'500 Erwachsenen.

Das Ergebnis, veröffentlicht 2019 in PLoS Neglected Tropical Diseases: Bei den 9- bis 12-Jährigen sank der Anteil Infizierter von 6,1 auf 1,7 Prozent, bei Erwachsenen von 3,9 auf 1,5 Prozent. Die Autorinnen und Autoren schreiben, die urogenitale Bilharziose sei an den meisten Orten auf Pemba und Unguja als öffentliches Gesundheitsproblem eliminiert. Die Übertragung sei aber nicht unterbrochen.

Bilharziose in Sansibar: Anteil Infizierter 2011/12 und 2017 Drei Gruppen mit je zwei Balken. Schulkinder von 9 bis 12 Jahren: 6,1 Prozent im Jahr 2011/12, 1,7 Prozent im Jahr 2017. Erwachsene von 20 bis 55 Jahren: 3,9 Prozent und 1,5 Prozent. Erstklaessler: 8,8 Prozent und 2,6 Prozent. Untersucht wurden Urinproben auf Eier von Schistosoma haematobium auf Unguja und Pemba. Quelle: Knopp und andere, PLoS Neglected Tropical Diseases 2019. Bilharziose in Sansibar: Anteil Infizierter in Prozent ZEST-Studie, Urinproben auf Unguja und Pemba, grau 2011/12, blau 2017 Kinder 9 bis 12 6,1 1,7 Erwachsene 20 bis 55 3,9 1,5 Erstklaessler 8,8 2,6
Quelle: Knopp und andere, "A 5-Year intervention study on elimination of urogenital schistosomiasis in Zanzibar", PLoS Neglected Tropical Diseases, 2019. Eigene Darstellung.

Ganz verschwunden ist das Risiko also nicht. Im Jahr 2017 hatten laut ZEST noch 13 von 45 untersuchten Schulen auf Pemba und 4 von 45 auf Unguja mehr als 1 Prozent schwere Infektionen bei Erstklässlern. Das Nachfolgeprojekt SchistoBreak, ebenfalls unter Leitung des Swiss TPH und vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert, arbeitete in 20 Gemeinden im Norden von Pemba. In der Ausgangsuntersuchung von November 2020 bis Februar 2021 fand das Team die Überträgerschnecke Bulinus globosus an 19,8 Prozent der Stellen, an denen Menschen mit Wasser in Kontakt kommen. Infiziert waren 1,2 Prozent der Schulkinder und 0,8 Prozent der übrigen Bevölkerung.

Und deine anderen Standorte? Das zeigt die Tabelle.

StandortWas die Quellen zur Bilharziose sagen
Sansibar (Unguja und Pemba)Übertragung laut ZEST-Studie 2019 nicht unterbrochen, Anteil Infizierter aber stark gesunken
Bali (Indonesien)Laut WHO ist die Krankheit in Indonesien nur in 28 Dörfern in Zentral-Sulawesi endemisch, also nicht auf Bali
Nepal und Sri LankaLaut WHO arbeitet in der WHO-Region Südostasien, zu der beide Länder gehören, nur noch Indonesien an der Elimination

Bali bieten wir dir übrigens ausdrücklich auch für die Unterassistenz im Wahlstudienjahr an. Alle Orte findest du auf der Seite zu unseren Standorten, die Details zur Insel auf der Seite Sansibar. Wie dein Alltag dort aussieht, beschreibt der Beitrag zu Famulatur und Pflegepraktikum auf Sansibar, und wie das Gesundheitssystem der Insel aufgebaut ist, erklärt unsere Schwesterseite im Beitrag zur medizinischen Versorgung auf Sansibar.

Welche Symptome zeigt Bilharziose?

Oft gar keine. Das EKRM schreibt, dass viele Infektionen ohne Anzeichen verlaufen. Genau das macht die Bilharziose für Reisende tückisch: Du fühlst dich gesund und trägst die Würmer trotzdem in dir. Wenn Beschwerden auftreten, hängen sie laut EKRM vom Stadium ab:

  • Kurz nach dem Baden: Juckender Hautausschlag, kurz nachdem die Larven in die Haut eingedrungen sind. Im Englischen heisst das "swimmer's itch".
  • Nach 4 bis 8 Wochen: Manchmal eine Immunreaktion mit Fieber und Krankheitsgefühl, das sogenannte Katayama-Fieber.
  • Nach Monaten oder Jahren: Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlösen, teils blutiger Durchfall und Bauchschmerzen.

Die WHO nennt Blut im Urin (Hämaturie) das klassische Zeichen der urogenitalen Bilharziose. Bei Frauen kann die Krankheit laut WHO Veränderungen an den Geschlechtsorganen auslösen, die sogenannte weibliche genitale Schistosomiasis. Urogenitale Bilharziose gilt laut WHO ausserdem als Risikofaktor für eine HIV-Infektion, vor allem bei Frauen. Bei Kindern kann sie Blutarmut, Wachstumsverzögerung und eine schlechtere Lernfähigkeit verursachen.

Ohne Behandlung können laut EKRM Harnwege und Darm dauerhaft geschädigt werden. Die gute Nachricht: Die Bilharziose lässt sich gut behandeln, wenn sie erkannt wird. Fieber nach der Rückkehr kann allerdings viele Ursachen haben, in Sansibar etwa auch Malaria. Was dann gilt, steht im Beitrag zur Malariaprophylaxe im Auslandspraktikum. Bei Durchfall hilft dir der Leitfaden zum Reisedurchfall im Wahlstudienjahr weiter.

Darfst du in Sansibar baden?

Im Meer ja, in Teichen und Flüssen nein. Das EKRM schreibt dazu wörtlich, korrekt behandelte Schwimmbäder und Meerwasser seien sicher. Meiden sollst du dagegen Baden, Waschen und Waten in Teichen und langsam fliessenden Flüssen in Gebieten mit Bilharziose. Das gilt auch für kurze Momente, die sich harmlos anfühlen: barfuss durch einen überfluteten Weg, Füsse kühlen im Bach, Kleider im Fluss auswaschen.

Weisser Sandstrand mit zwei Palmen und grünen Büschen vor türkisblauem Meer, Symbolbild dafür, dass Baden im Meer in Sansibar kein Bilharziose-Risiko ist

Die Strände von Sansibar kannst du also ohne Sorge vor Bilharziose geniessen. Vorsicht gilt bei Ausflügen ins Landesinnere zu Teichen und Flüssen. Auch das tansanische Festland liegt in Afrika südlich der Sahara, das das EKRM als Risikogebiet nennt. Gegen andere Gefahren auf Reisen, zum Beispiel Mücken, hilft der Beitrag zu Dengue und Mückenschutz im Auslandspraktikum.

Und wenn es doch passiert ist? Eine Behandlung direkt nach dem Kontakt empfiehlt das EKRM nicht, denn dafür gibt es laut Faktenblatt nicht genügend Belege. Stattdessen merkst du dir das Datum und planst den Test nach der Rückkehr ein. Mehr dazu weiter unten.

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Bilharziose im Gastspital: was du dort lernst

Für dich als angehende Ärztin oder Pflegefachfrau ist die Bilharziose nicht nur ein Reiserisiko, sondern auch ein Lernfeld. In Sansibar gehört sie zur Tropenmedizin, die das Team im Spital kennt. Das Lumumba Hospital, in dem du bei travel4med arbeitest, liegt auf Unguja, wo auch das Programm des Gesundheitsministeriums gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten seinen Sitz hat.

Die Diagnose läuft laut WHO über den Nachweis von Eiern im Stuhl oder im Urin. In der ZEST-Studie wurde jede Urinprobe mit einer Urinfiltration unter dem Mikroskop auf Eier von Schistosoma haematobium untersucht. Diese Methode kannst du im Labor eines Gastspitals vielleicht selbst sehen.

Behandelt wird laut WHO mit Praziquantel. Die WHO empfiehlt das Medikament gegen alle Formen der Bilharziose und nennt es wirksam, sicher und günstig. In Sansibar wurde es auch vorbeugend an ganze Bevölkerungsgruppen verteilt: In der ZEST-Studie bekamen die Gemeinden zweimal pro Jahr eine solche Massenbehandlung, und laut SchistoBreak-Studie nahmen bei der Verteilung im August 2020 nach eigenen Angaben 83,2 Prozent der Schulkinder auf Pemba teil. Weltweit wurden laut WHO 2024 mehr als 100,5 Millionen Menschen behandelt.

Wenn dich die Krankheitsbilder interessieren, lohnt sich ein Blick in den Beitrag zum Tropenmedizin-Praktikum im Ausland. Bilharziose zeigt dir dort, wie eng Infektiologie und Urologie zusammenhängen: Was Fachärztinnen und Fachärzte für Infektiologie machen, erklärt unser Schwesterportal im Beitrag Was macht ein Infektologe?, und wer sich für Blase und Harnwege interessiert, liest Was macht ein Urologe?. Wie du solche Monate ins Studium einbaust, steht im Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

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So schützt du dich vor Bilharziose in fünf Schritten

  1. Vor der Abreise beraten lassen. Sprich Bilharziose in der Reisemedizin-Sprechstunde an, zusammen mit Malaria, Gelbfieber und Impfungen. Wie du dich darauf vorbereitest, steht im Beitrag zur reisemedizinischen Beratung vor dem Auslandspraktikum.
  2. Süsswasser konsequent meiden. Kein Baden, Waschen oder Waten in Teichen, Seen und langsamen Flüssen. Das Meer und korrekt gechlorte Pools sind laut EKRM sicher.
  3. Kontakte notieren. Hattest du doch Hautkontakt mit Süsswasser, schreib Datum und Ort ins Handy. Das hilft später der Ärztin bei der Einordnung.
  4. Test nach zwei Monaten planen. Das EKRM empfiehlt nach Süsswasserkontakt einen Bluttest bei einer Fachperson für Tropen- und Reisemedizin oder bei deiner Hausärztin, frühestens zwei Monate nach dem Kontakt, auch ohne Beschwerden.
  5. Bei Fieber sofort zum Arzt. Treten Symptome oder Fieber auf, rät das EKRM, sofort ärztliche Hilfe zu holen. Erzähl dabei von deinem Aufenthalt in Sansibar. Was du im Krankheitsfall vor Ort tust, erklärt der Beitrag Krank im Auslandspraktikum.

Zwei Monate klingen lang. Der Bluttest sucht laut EKRM nach Antikörpern gegen die Würmer, und das Komitee empfiehlt ihn ausdrücklich erst ab zwei Monaten nach dem Kontakt. Elena aus Bern, die im Februar aus Sansibar zurückkommt und dort einmal in einem Fluss gewatet ist, plant den Termin also für April ein.

Welche Impfungen du für Sansibar sonst noch brauchst, zeigt der Beitrag zur Gelbfieberimpfung fürs Auslandspraktikum in Sansibar und, als Vergleich aus Österreich, die Übersicht zu den Sansibar-Impfungen für Famulatur und KPJ auf travel4med.at. Für dich gilt der Schweizerische Impfplan. Und damit eine spätere Behandlung bezahlt ist, prüf vorher deine Auslandskrankenversicherung fürs Praktikum.

Häufige Fragen zur Bilharziose

Quellen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): "Schistosomiasis", Faktenblatt vom 23.02.2026, abgerufen am 25.10.2026. who.int
  • Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM, ECTM) auf healthytravel.ch: "Factsheet Schistosomiasis", Stand 27.11.2025, abgerufen am 25.10.2026. healthytravel.ch (PDF)
  • Knopp S. und andere (Swiss TPH, Universität Basel, Gesundheitsministerium Sansibar): "A 5-Year intervention study on elimination of urogenital schistosomiasis in Zanzibar: Parasitological results of annual cross-sectional surveys", PLoS Neglected Tropical Diseases, 06.05.2019. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Trippler L. und andere (Swiss TPH, Universität Basel): "Fine-scale-mapping of Schistosoma haematobium infections at the school and community levels and intermediate host snail abundance in the north of Pemba Island", Parasites and Vectors, 16.08.2022. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Swiss TPH: "SchistoBreak: The Last Mile: Novel Tools and Strategies for Breaking Schistosomiasis Transmission", Projektseite, abgerufen am 25.10.2026. swisstph.ch
  • WHO Indonesien: "Overcoming challenges to eliminate schistosomiasis in Central Sulawesi", 25.07.2023, abgerufen am 25.10.2026. who.int