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Reisedurchfall im Wahlstudienjahr: vorbeugen und handeln

Nils-Andre Stritt
Nils-Andre StrittMedizinstudent, Co-Founder travel4med
  • 13. Oktober 2026
  • 12 Minuten
Reisedurchfall im Wahlstudienjahr: vorbeugen und handeln

Reisedurchfall im Wahlstudienjahr: vorbeugen und handeln

Reisedurchfall ist die häufigste Erkrankung auf Reisen, und Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar liegen alle in Regionen mit erhöhtem Risiko. Laut dem Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich trifft er rund 10 bis 40 Prozent der Reisenden in Länder mit ungenügender Trinkwasseraufbereitung. Meist ist er nach wenigen Tagen vorbei. Entscheidend ist, dass du richtig trinkst und Warnzeichen erkennst.

Key Takeaways

  • Reisedurchfall ist häufig: Das Zentrum für Reisemedizin der UZH nennt rund 10 bis 40 Prozent der Reisenden in Länder mit ungenügender Trinkwasseraufbereitung, das CDC Yellow Book 2026 30 bis 70 Prozent innert zwei Wochen.
  • Meist sind Bakterien schuld: Laut CDC stecken in 75 bis 90 Prozent der Fälle Bakterien dahinter, seltener Viren oder Parasiten.
  • Trinken ist die eigentliche Therapie: Flüssigkeit und Salz ersetzen, was du verlierst. Elektrolytlösungen gehören in jede Reiseapotheke.
  • Loperamid nur bei wässrigem Durchfall ohne Fieber: Bei Fieber oder Blut im Stuhl ist es tabu, dann musst du zum Arzt.
  • Im Gastspital gilt: Melde dich bei akutem Durchfall ab, statt krank am Patientenbett zu stehen.

Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Das Profil findest du auf der Autorenseite von MUDr. Amandeep Grewal. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung.

Was ist Reisedurchfall genau?

Reisedurchfall ist eine Durchfallerkrankung, die du dir unterwegs über verunreinigtes Essen, Wasser oder Hände einfängst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von Durchfall, wenn du drei oder mehr weiche oder flüssige Stühle pro Tag hast oder deutlich häufiger als sonst auf die Toilette musst.

Das Zentrum für Reisemedizin (ZRM) der Universität Zürich bezeichnet den Reisedurchfall als häufigste Erkrankung unter Reisenden. Die gute Nachricht steht gleich daneben: Er verläuft meist harmlos und braucht selten eine Behandlung. Bakterielle Formen hören laut ZRM oft nach drei bis sieben Tagen von selbst auf, virale nach zwei bis drei Tagen. Parasiten sind die Ausnahme. Ohne Therapie können sie Wochen bis Monate bleiben.

Für dich als Unterassistentin, Unterassistent oder Pflegestudentin heisst das: Ein Reisedurchfall ist kein Drama, aber er kostet dich ein paar Tage. Und weil du im Gastspital mit Patientinnen und Patienten arbeitest, betrifft er nicht nur dich.

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Wie häufig ist Reisedurchfall an deinem Standort?

Häufiger, als die meisten denken. Das ZRM zählt Asien (ausser Japan und Südkorea), den Nahen Osten, Afrika, Mexiko sowie Mittel- und Südamerika zu den besonders betroffenen Regionen. Alle vier travel4med-Standorte fallen darunter: Galle in Sri Lanka, Pokhara in Nepal, Bali in Indonesien und Sansibar in Tansania.

Zwei Zahlen helfen beim Einordnen:

QuelleWer ist gemeint?Häufigkeit
Zentrum für Reisemedizin, UZHReisende in Länder mit ungenügender Trinkwasseraufbereitungrund 10 bis 40 Prozent
CDC Yellow Book 2026Reisende in einem Zeitraum von zwei Wochen, je nach Ziel und Saison30 bis 70 Prozent

Die Spannweite ist gross, weil Reiseziel, Saison und Verhalten stark mitspielen. Das CDC Yellow Book nennt ein Beispiel, das dich direkt betrifft: In Südasien sind die Erkrankungsraten in den heissen Monaten vor dem Monsun deutlich höher. Für Nepal kommt ein Spezialfall dazu. Der Parasit Cyclospora tritt laut CDC vor allem in wenigen Ländern auf, darunter Nepal, und zwar stark saisonabhängig. Mehr zum Standort findest du auf unserer Seite zu Nepal.

Bei einem Wahlstudienjahr mit mehreren Monaten im Ausland ist die Frage also weniger "ob", sondern eher "wie gut vorbereitet".

Was löst Reisedurchfall aus?

In den meisten Fällen Bakterien. Das CDC Yellow Book 2026 schätzt, dass Bakterien 75 bis 90 Prozent der Fälle verursachen, Viren mindestens 10 bis 25 Prozent und Parasiten wie Giardien oder Cyclospora rund 10 Prozent. Die Zahlen überlappen, weil manche Infektionen gemischt sind und viele Fälle nie untersucht werden.

Erreger von Reisedurchfall nach Anteil Spannweiten laut CDC Yellow Book 2026: Bakterien 75 bis 90 Prozent der Fälle, Viren mindestens 10 bis 25 Prozent, Parasiten rund 10 Prozent. Wer steckt hinter dem Reisedurchfall? Hell: unterer Wert. Dunkel: Spannweite bis zum oberen Wert. Anteil der Fälle in Prozent. Bakterien 75 bis 90 Viren 10 bis 25 Parasiten rund 10 0 50 100
Quelle: Connor BA, Leung DT: Travelers' Diarrhea. CDC Yellow Book 2026, veröffentlicht am 24.03.2026. Eigene Darstellung der dort genannten Spannweiten.

Angesteckt wirst du fast immer über den Mund: Wasser, Eiswürfel, rohes Gemüse, ungeschälte Früchte, Speisen, die lauwarm herumstanden, oder Hände, die du vor dem Essen nicht gewaschen hast. Die Beschwerden beginnen laut ZRM wenige Stunden bis einige Tage nach dem Kontakt, bei Parasiten auch erst nach Wochen.

Ein weiterer Grund, den Reisedurchfall ernst zu nehmen: Er gehört zu den Faktoren, die mit dem Mitbringen resistenter Darmbakterien zusammenhängen. Was das für dich als künftige Fachperson im Spital bedeutet, erklärt unser Beitrag zu multiresistenten Keimen im Auslandspraktikum.

Reisedurchfall vorbeugen: sieben Regeln für Alltag und Spital

Die Grundregel des ZRM ist kurz: "Cook it, boil it, peel it or leave it." Also kochen, abkochen, schälen oder stehen lassen. Daraus ergeben sich diese Regeln, ergänzt um die Hinweise von healthytravel.ch, der Reisemedizin-Plattform, auf die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verweist:

  1. Nur versiegeltes Flaschenwasser trinken. Das ZRM empfiehlt original verschlossenes Mineralwasser, auch zum Zähneputzen. Laut healthytravel.ch ist Leitungswasser in vielen Ländern nicht trinkbar.
  2. Eiswürfel weglassen. Das ZRM rät ausdrücklich davon ab, denn Eis wird oft aus Leitungswasser gemacht.
  3. Heiss und frisch gekocht essen. Gegartes oder Frittiertes, heiss serviert, ist laut ZRM die sichere Wahl. Buffets, an denen Speisen lange stehen, sind es nicht.
  4. Salat, ungeschälte Früchte und rohe Eier meiden. Das ZRM nennt auch Softeis. Früchte, die du selbst schälst, sind dagegen in Ordnung.
  5. Hände waschen vor jedem Essen. Mit Seife, und wenn keine da ist, mit alkoholischem Desinfektionsmittel. healthytravel.ch empfiehlt eine Lösung mit mindestens 70 Prozent Ethanol.
  6. Wasser im Notfall selbst aufbereiten. healthytravel.ch rät, Wasser mindestens eine Minute lang zu kochen. Desinfektionstabletten sollten auch gegen Giardien und Cryptosporidien wirken.
  7. Im Spital wie zu Hause arbeiten. Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt schützt dich und die Patienten. Wie das im Gastspital praktisch klappt, steht im Beitrag zur Handhygiene im Auslandspraktikum.
Hand hält eine verschlossene Plastikflasche mit Trinkwasser, Schutz vor Reisedurchfall durch versiegeltes Flaschenwasser

Ehrlich gesagt: Hundertprozentig schützt nichts davon. Das ZRM hält fest, dass du die Hygiene in Hotels und Restaurants nicht kontrollieren kannst. Die Regeln senken das Risiko, sie schliessen den Reisedurchfall aber nicht aus. Und Probiotika? Laut CDC Yellow Book sind die Ergebnisse uneinheitlich, die Daten reichen für eine Empfehlung nicht.

Gegen den Reisedurchfall selbst schützt dich keine Standardimpfung, gegen einzelne Krankheiten, die ebenfalls über Essen und Wasser übertragen werden, etwa Hepatitis A, aber schon. Welche Impfungen für deinen Standort sinnvoll sind, klärst du in der Reiseberatung; einen Überblick gibt unser Beitrag zu den Reiseimpfungen im Wahlstudienjahr. Wie die Hepatitis-A-Impfung vor einem Auslandspraktikum aus deutscher Sicht eingeordnet wird, zeigt unser Schwesterportal im Beitrag zur Hepatitis-A-Impfung im Auslandspraktikum. Die dort genannten Behörden und Kostenregeln gelten für Deutschland.

Was tun bei Reisedurchfall? Dein Plan in sechs Schritten

Trinken, ausruhen, beobachten. So sieht der Plan aus, wenn es dich erwischt:

  1. Sofort mehr trinken. Das ZRM empfiehlt genug Flüssigkeit und Salz, zum Beispiel über Bananen, Bouillon oder salzige Speisen. Sehr süsse Getränke können den Durchfall laut CDC verschlimmern.
  2. Bei starkem Flüssigkeitsverlust Elektrolytlösung nehmen. Die WHO beschreibt die orale Rehydratationslösung als Mischung aus sauberem Wasser, Salz und Zucker. Laut CDC ersetzt sie grosse Verluste am besten.
  3. Loperamid nur gezielt einsetzen. healthytravel.ch nennt ein durchfallhemmendes Mittel wie Imodium für wässrigen Durchfall ohne Fieber. Das ZRM rät zu sparsamem Gebrauch. Halte dich an die Packungsbeilage; das CDC Yellow Book nennt als Obergrenze 16 mg in 24 Stunden.
  4. Antibiotika nie auf eigene Faust. Laut ZRM nur nach ärztlicher Beratung und genau wie verordnet. Das CDC weist darauf hin, dass in Süd- und Südostasien Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika verbreitet sind. Ob du ein Notfallmedikament mitnimmst, entscheidest du mit der Ärztin oder dem Arzt in der Reiseberatung.
  5. Dich im Gastspital abmelden. Sag deiner Betreuungsperson Bescheid und informiere unser Team vor Ort. Mehr dazu im Abschnitt zum Spital weiter unten.
  6. Warnzeichen im Blick behalten. Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl, starke Bauchschmerzen: Dann ist Schluss mit Selbstbehandlung.

Woran merkst du, dass dir Flüssigkeit fehlt? Die WHO nennt unter anderem Unruhe, eingesunkene Augen und starken Durst. Wer lethargisch wird, kaum noch trinken kann oder bei wem eine angehobene Hautfalte nur sehr langsam zurückgeht, ist schwer ausgetrocknet und braucht sofort Hilfe.

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Wann musst du mit Reisedurchfall zum Arzt?

Sobald Fieber oder Blut dazukommen. Das ZRM schreibt: Blutiger oder schleimiger Durchfall mit Bauchschmerzen und/oder Fieber gehört in ärztliche Behandlung, ebenso anhaltendes Fieber oder Blut im Stuhl. healthytravel.ch fasst es noch knapper: Bei Durchfall mit hohem Fieber und blutigem Stuhl zum Arzt.

Das CDC Yellow Book teilt den Reisedurchfall nach Schweregrad ein. Das hilft dir bei der Entscheidung:

Schweregrad (CDC)So fühlt es sich anWas du tust
LeichtErträglich, stört deine Pläne nichtTrinken, Salz, Hygiene, beobachten
MittelBelastend, du kannst nicht normal arbeitenTrinken, Elektrolytlösung, Dienst absagen, bei Fieber oder Blut Arzt
SchwerDu bist ausser Gefecht; blutiger Durchfall zählt immer dazuÄrztliche Abklärung noch am selben Tag

Fieber ist in den Tropen ein besonderes Signal, weil auch andere Infektionen mit Durchfall beginnen können. Lass Fieber deshalb immer abklären, auch wenn du glaubst, es sei "nur" der Magen. Was du zum Malariarisiko an deinem Standort wissen musst, steht im Beitrag zur Malariaprophylaxe im Auslandspraktikum. Und wer verstehen will, welche Fachleute sich in der Schweiz um Darminfektionen kümmern, findet bei dein-medizinstudium.ch einen guten Einstieg: Was ist ein Gastroenterologe?

Wer die Behandlung im Ausland bezahlt und wen du zuerst anrufst, erklären wir ausführlich im Beitrag Krank im Auslandspraktikum.

Reisedurchfall im Gastspital: Dienst oder Bett?

Bett. Das ist unsere klare Empfehlung, keine Vorschrift deiner Fakultät. Mit akutem Durchfall am Patientenbett zu stehen, gefährdet Patientinnen und Patienten, die oft schon geschwächt sind, und du selbst bist mit Krämpfen und Toilettengängen kaum konzentriert.

So gehst du vor: Melde dich am Morgen bei deiner Betreuungsperson ab, sag ehrlich, warum, und kläre, ab wann du zurückkommst. Plane in deinem Wahlstudienjahr deshalb ein paar Reservetage ein. Wie die Fehltage und die Anrechnung der Monate geregelt sind, bestimmt deine Fakultät, nicht das Gastspital; mehr dazu in unserem Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

Für Pflegestudierende im Praktikum in Krankenpflege gilt dasselbe. Wer Essen verteilt, Medikamente richtet oder bei der Körperpflege hilft, bleibt mit Reisedurchfall zu Hause, bis die Beschwerden abgeklungen sind.

Übrigens: Mit Erregern aus Essen und Wasser hat auch der Typhus zu tun, gegen den es eine Impfung gibt. Wie das deutsche Schwesterportal das Thema für Studierende aufbereitet, liest du im Beitrag zum Typhus im Auslandspraktikum. Die dortigen Behördenhinweise gelten für Deutschland.

Was gehört gegen Reisedurchfall in die Reiseapotheke?

Weniger, als du denkst, aber das Richtige. Die Liste von healthytravel.ch nennt für den Darm:

  • ein durchfallhemmendes Mittel für wässrigen Durchfall ohne Fieber, zum Beispiel Imodium,
  • Elektrolytpräparate wie Oralpädon oder Elotrans; laut healthytravel.ch sind sie vor allem für Säuglinge und ältere Menschen wichtig, für Erwachsene reicht meist mehr Flüssigkeit und Salz,
  • Tabletten zur Wasserdesinfektion, zum Beispiel Micropur forte oder Aquatabs,
  • ein Händedesinfektionsmittel mit mindestens 70 Prozent Ethanol,
  • ein fiebersenkendes Mittel wie Paracetamol.

Wir raten trotzdem, ein paar Beutel Elektrolytlösung einzupacken. Wenn es dich in Pokhara oder Galle nachts erwischt, willst du nicht erst eine Apotheke suchen. Was sonst noch in die Tasche gehört und welche Schweizer Regeln für Medikamente auf Reisen gelten, findest du im Beitrag zur Reiseapotheke im Auslandspraktikum und in der Packliste fürs Auslandspraktikum.

Dein Praktikum im Ausland, gut vorbereitet. travel4med organisiert deinen Platz im Gastspital in Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar, mit Unterkunft und Ansprechpersonen vor Ort, die wissen, was bei Reisedurchfall zu tun ist. Ob Unterassistenz im Ausland oder Praktikum in Krankenpflege: Schau dir unsere Standorte an und vereinbare jetzt deine kostenlose Beratung.

Häufige Fragen zum Reisedurchfall

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Quellen

  • Zentrum für Reisemedizin (ZRM), Universität Zürich: "Reisedurchfall", abgerufen am 13.10.2026. reisemedizin.uzh.ch
  • healthytravel.ch: "Vor der Reise", Abschnitte Reiseapotheke und Wasser, abgerufen am 13.10.2026. healthytravel.ch
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): "Impfungen und Malariaschutz bei Auslandreisen" (Verweis auf healthytravel.ch), abgerufen am 13.10.2026. bag.admin.ch
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact sheet "Diarrhoeal disease", 07.03.2024, abgerufen am 13.10.2026. who.int
  • Connor BA, Leung DT: Travelers' Diarrhea. In: CDC Yellow Book 2026, Health Information for International Travel, Centers for Disease Control and Prevention (USA), veröffentlicht am 24.03.2026, abgerufen am 13.10.2026 (cdc.gov, Kapitel Preparing International Travelers; aus der Sandbox per Link-Check nicht verifizierbar, daher ohne Link).