Tollwut-Prophylaxe im Auslandspraktikum: der Schweizer Guide für Nepal, Sri Lanka, Bali und Sansibar
Die Tollwut-Prophylaxe ist der Impfentscheid, den du vor einem klinischen Praktikum in Asien oder Ostafrika am wenigsten aufschieben solltest. Die Kurzantwort: Lass dich vorher impfen. Der Schweizerische Impfplan 2026 sieht für immunkompetente Personen zwei Impfdosen an den Tagen 0 und 28 vor. Wer diese Vorimpfung hat, braucht nach einem Biss nur noch zwei Dosen und kein Immunglobulin. Wer sie nicht hat, braucht vier Dosen plus Immunglobulin, und genau dieses Immunglobulin ist in Pokhara, Galle, Bangli oder auf Sansibar häufig nicht verfügbar.
Geschrieben von MUDr. Amandeep Grewal, Ärztin oder Arzt im travel4med-Team mit Schwerpunkt Reise- und Tropenmedizin.
Key Takeaways
Zwei Dosen vor der Abreise: Die präexpositionelle Tollwut-Prophylaxe besteht bei immunkompetenten Personen aus 2 Impfdosen an den Tagen 0 und 28; bei dringendem Impfschutz ist die zweite Dosis ab Tag 7 möglich (Schweizerischer Impfplan 2026).
Der Unterschied nach dem Biss: Mit mindestens 2 Vordosen sind es 2 weitere Dosen an den Tagen 0 und 3, ohne passive Immunisierung. Ohne Vorimpfung sind es 4 Dosen an den Tagen 0, 3, 7 und 14 plus humanes Tollwut-Immunglobulin (max. 20 IE/kg Körpergewicht).
Vorimpfung ersetzt die Behandlung nicht: Der Impfplan hält ausdrücklich fest, dass die PrEP zuverlässig schützt, «aber in jedem Fall nach Exposition vervollständigt werden» muss.
Wunde zuerst: Die Behandlung beginnt mit sofortiger, gründlicher Reinigung mit Seifenwasser während 15 Minuten, danach Desinfektion mit Povidon-Jod oder einer anderen viruziden Substanz (BAG/EKIF, Impfplan 2026).
Warum das zählt: Die WHO schätzt rund 59'000 Tollwut-Todesfälle pro Jahr, 99 Prozent davon nach Hundebissen oder Kratzern, und die Krankheit verläuft nach Auftreten der Symptome zu 100 Prozent tödlich (WHO-Faktenblatt «Rabies», 05.06.2024).
Was ist die Tollwut-Prophylaxe genau?
Die Tollwut-Prophylaxe ist der medizinische Schutz vor einer Tollwutinfektion, und sie hat zwei Gesichter. Vor einer möglichen Exposition heisst sie präexpositionelle Prophylaxe, kurz PrEP. Nach einem Biss, einem Kratzer oder einem Schleimhautkontakt heisst sie postexpositionelle Prophylaxe, kurz PEP. Beides sind Impfungen, aber sie folgen unterschiedlichen Schemata.
Warum das für dich akut ist: Laut Bundesamt für Gesundheit sind in tropischen und subtropischen Ländern vor allem Hunde das wichtigste Reservoirtier, in Europa dagegen Füchse und Fledermäuse. Die Schweiz gilt seit 1999 offiziell als frei von terrestrischer Tollwut.
Anders gesagt: Du kommst aus einem Land ohne Strassenhunde und arbeitest plötzlich in einem, in dem Hunde und Affen zum Spitalvorplatz gehören. Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch dauert laut BAG im Allgemeinen 20 bis 60 Tage, und eine Behandlung ist nur vor den ersten Symptomen möglich.
Bereit für dein Auslandsabenteuer?
Sichere dir jetzt deinen Platz für dein Praktikum im Ausland.
Wie gross ist das Tollwutrisiko in Nepal, Sri Lanka, Bali und auf Sansibar?
Gross genug, dass die Tollwut-Prophylaxe zur Standardvorbereitung gehört. Die WHO bezeichnet Tollwut als ernsthaftes Gesundheitsproblem in über 150 Ländern und Gebieten, hauptsächlich in Asien und Afrika, und schätzt weltweit rund 59'000 Todesfälle jährlich, davon 40 Prozent bei Kindern unter 15 Jahren.
Kernzahlen der Weltgesundheitsorganisation zur Tollwut. Hundebisse und Kratzer verursachen 99 Prozent der menschlichen Fälle, nach Auftreten der Symptome verläuft die Erkrankung zu 100 Prozent tödlich, und 40 Prozent der Todesfälle betreffen Kinder unter 15 Jahren. Quelle: WHO-Faktenblatt «Rabies», 5. Juni 2024.
Wichtig für die Einordnung: Das sind globale Schätzungen der WHO, keine Länderwerte für unsere vier Standorte. Für die Risikolage in deinem Zielland ist die reisemedizinische Beratung zuständig, auf die auch der Schweizerische Impfplan verweist. Die Grössenordnung reicht aber, um den Punkt zu machen: Die Tollwut-Prophylaxe gehört auf deiner Vorbereitungsliste ganz nach oben.
Ein zweiter Punkt aus dem WHO-Faktenblatt betrifft die Verfügbarkeit: Wirksame Impfstoffe und Immunglobuline existieren, sind aber für die Betroffenen oft nicht erreichbar oder nicht bezahlbar. Genau diese Lücke trifft dich, wenn du in einem Distriktspital arbeitest und nach einem Biss selbst Patientin oder Patient bist.
Was sagt der Schweizerische Impfplan 2026 zur Tollwut-Prophylaxe?
Er trennt zwischen beruflicher Indikation und Reisemedizin, und dieser Unterschied wird oft übersehen. Für die Schweiz, ein Gebiet ohne terrestrische Tollwut, empfiehlt der Impfplan 2026 die PrEP namentlich Tierärztinnen und Tierärzten, Studierenden der Veterinärmedizin, Tierpflegenden, Fledermaus-Forschenden und Laborpersonal mit Tollwut-Diagnostik.
Medizinstudierende auf dem Weg ins Auslandspraktikum stehen in dieser beruflichen Liste nicht. Für sie greift die reisemedizinische Schiene: Der Impfplan verweist dafür ausdrücklich auf die Empfehlungen auf healthytravel.ch. Das BAG nennt als reisemedizinische Indikation Langzeitaufenthalte in betroffenen Gebieten und, unabhängig von der Reisedauer, Reisen mit hohem individuellem Risiko, etwa Velo- und Motorradfahren, Wanderungen in abgelegene Gebiete und schlechten Zugang zu medizinischer Versorgung.
Lies diese Kriterien noch einmal als Praktikantin oder Praktikant in Pokhara: Monate statt Wochen, Roller als Alltagsverkehrsmittel, Trekking am freien Wochenende. Deshalb ist die Tollwut-Prophylaxe in unserer Beratung ein Dauerthema.
Situation
Schema laut Schweizerischem Impfplan 2026
PrEP, immunkompetent (altersunabhängig)
2 Dosen i.m. an den Tagen 0 und 28; bei dringendem Impfschutz 2. Dosis ab Tag 7 möglich
PrEP, immunsupprimiert (altersunabhängig)
3 Dosen i.m. an den Tagen 0, 7 und 21 bis 28
Auffrischung bei fortgesetztem Risiko
nach 12 Monaten empfohlen
Auffrischung in der Reisemedizin
einmalige 3. Dosis frühestens 12 Monate nach der PrEP vor erneutem Expositionsrisiko
Serologie nach PrEP
in der Reisemedizin nicht empfohlen
PEP mit mindestens 2 Vordosen
je 1 Dosis i.m. an den Tagen 0 und 3, keine passive Immunisierung, Serologie an Tag 14
PEP ohne oder mit unvollständiger Vorimpfung
4 Dosen i.m. an den Tagen 0, 3, 7 und 14 plus humanes Tollwut-Immunglobulin, Serologie an Tag 21
Zur Verfügbarkeit: Laut BAG stehen aktuell wieder Impfstoffdosen zur Verfügung, sodass die Beschränkungen für den «freien Markt» aufgehoben werden konnten. Dosen aus dem Pflichtlagerbestand bleiben bis auf weiteres limitiert auf die PEP und auf die PrEP beruflich exponierter Personen, gestützt auf die WBF-Verordnung 531.211.39 vom 26.02.2024. Frag also nach, aus welchem Bestand deine Dosis stammt.
Warum lohnt sich die Vorimpfung vor der Abreise?
Weil sie die Behandlung nach einem Biss radikal vereinfacht. Mit mindestens zwei dokumentierten Vordosen brauchst du zwei weitere Impfdosen an den Tagen 0 und 3 und ausdrücklich keine passive Immunisierung. Ohne Vorimpfung sind es vier Dosen und zusätzlich humanes Tollwut-Immunglobulin, das in einer einmaligen Dosis von maximal 20 IE pro Kilogramm Körpergewicht in und um die Wunde injiziert werden muss.
Die Postexpositionsprophylaxe hängt vom Impfstatus ab. Mit mindestens zwei Vordosen genügen zwei Impfdosen ohne passive Immunisierung, ohne Vorimpfung sind vier Dosen plus humanes Tollwut-Immunglobulin nötig. Quelle: BAG und EKIF, Schweizerischer Impfplan 2026, Stand Februar 2026.
Der praktische Haken ist die Verfügbarkeit. Immunglobulin ist ein Blutprodukt: teuer, kühlpflichtig und in vielen Distriktspitälern nicht vorrätig. Wer es braucht, muss es unter Zeitdruck organisieren, oft in einer grösseren Stadt. Wer die Tollwut-Prophylaxe vor der Abreise gemacht hat, braucht es gar nicht.
Ein Missverständnis muss trotzdem weg: Die Vorimpfung macht dich nicht immun gegen die Notwendigkeit einer Behandlung. Der Impfplan formuliert das klar, die PrEP schützt zuverlässig, muss aber nach jeder Exposition vervollständigt werden.
Was tust du nach einem Biss oder Kratzer?
Sofort handeln, in dieser Reihenfolge. Die Behandlung beginnt nicht mit der Impfung, sondern mit der Wunde. So gehst du vor:
Wunde 15 Minuten mit Seifenwasser auswaschen. Der Impfplan 2026 nennt genau das als ersten Schritt der PEP: sofortige, gründliche Reinigung mit Seifenwasser während 15 Minuten. Nicht zwei Minuten, nicht «kurz abspülen».
Desinfizieren. Anschliessend mit Povidon-Jod oder einer anderen viruziden Substanz desinfizieren.
Innerhalb von Stunden ärztlich vorstellen. Die PEP setzt immer eine ärztliche Abklärung voraus. Kläre am ersten Praktikumstag, wer im Gastspital diese Abklärung macht und wo Impfstoff und Immunglobulin bezogen werden.
Impfstatus vorzeigen. Nimm deinen Impfausweis oder ein Foto davon mit. Ob du zwei oder vier Dosen bekommst, hängt genau daran.
Versicherung informieren. Melde den Fall am selben Tag und lass dir jede Rechnung quittieren. Was abgedeckt ist, steht im Guide zur Auslandskrankenversicherung.
Termine für die Folgedosen fixieren. Tag 3 und, ohne Vorimpfung, zusätzlich Tag 7 und Tag 14. Trag sie sofort in den Kalender ein.
Serologie nicht vergessen. Der Impfplan sieht eine Kontrolle an Tag 14 (vorgeimpft) beziehungsweise Tag 21 (ungeimpft) vor, Zielwert mindestens 0,5 IE/ml.
Eine PEP ist laut Impfplan indiziert bei perkutaner Exposition, also bei Bissen, Kratzern und Lecken über verletzte Hautstellen, sowie bei mukosaler oder inhalativer Exposition durch Landsäugetiere in oder aus enzootischen Gebieten. Bei Fledermäusen gilt jede Bissverletzung, auch eine geringfügige.
WHO-Kategorie
Was passiert ist
Was gemacht wird
Kategorie I
Berühren oder Füttern von Tieren, Lecken auf intakter Haut
Haut waschen, keine PEP
Kategorie II
Knabbern an unbedeckter Haut, kleine Kratzer oder Schürfungen ohne Blutung
Wunde waschen und sofort impfen
Kategorie III
Einzelne oder mehrere transdermale Bisse oder Kratzer, Schleimhautkontakt mit Speichel, jede direkte Fledermaus-Exposition
Wunde waschen, sofort impfen und Immunglobulin beziehungsweise monoklonale Antikörper geben
Bei Kategorie II und III empfiehlt die WHO ausdrücklich eine Impfung. Diese Einteilung ist international und hilft dir, im Gastspital dieselbe Sprache zu sprechen wie das Team vor Ort.
Sichere dir dein Infomaterial
Fordere kostenlos und unverbindlich alle wichtigen Infos an.
Tollwut-Prophylaxe planen: dein Zeitplan vor dem Praktikum
Rückwärts vom Abflugdatum, und früher als du denkst. Das Standardschema braucht 28 Tage zwischen erster und zweiter Dosis. Das Kurzschema mit Tag 0 und Tag 7 ist der Notnagel, nicht der Plan.
Konkret: rund acht bis zehn Wochen vor Abflug in die reisemedizinische Sprechstunde oder zur Hausärztin. Dann bleibt Platz für die anderen Reiseimpfungen, die Malariaprophylaxe, eine allfällige Tuberkulose-Abklärung und den Mückenschutz gegen Dengue.
Zwei Dinge gehören organisatorisch dazu. Erstens: Kläre die Kosten vorab, denn die reisemedizinische Tollwut-Prophylaxe ist in der Schweiz in der Regel keine Pflichtleistung der Grundversicherung. Frag nach einem Kostenvoranschlag in CHF, bevor du die erste Dosis buchst. Zweitens: Lies das Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung im Ausland in derselben Woche, weil beide Notfälle dieselbe Frage stellen, nämlich wen du in den ersten zwei Stunden erreichst.
Du planst dein Praktikum in Nepal, auf Sri Lanka, auf Bali oder auf Sansibar? travel4med organisiert Famulaturen, Unterassistenzen, Pflegepraktika, Hospitationen und PA-Praxisphasen an vier Standorten. Buch dir ein kostenloses Beratungsgespräch und klär deine Fragen zur Vorbereitung und zur Tollwut-Prophylaxe direkt mit uns.
Wo kannst du mit travel4med arbeiten?
An vier Standorten, in fünf Praktikumsformen: Pflegepraktikum, Famulatur, Praktisches Jahr beziehungsweise Unterassistenz, Hospitation und Praxisphase für Physician Assistants. Praktika beginnen immer montags. Wichtig: Bali ist bei uns ausdrücklich auch für Wahlstudienjahr und Unterassistenz buchbar.
«Ich fasse einfach keine Tiere an»: Die meisten Expositionen passieren beiläufig, beim Joggen, auf dem Roller, im Spitalhof. «Ich bin ja im Spital, da kriege ich sofort alles»: Impfstoff ist häufig da, Immunglobulin oft nicht. «Ich impfe im Zielland, das ist billiger»: Der Zeitplan mit Tag 0 und Tag 28 läuft dann mitten im Praktikum. «Ein Kratzer zählt nicht»: Die WHO ordnet kleine Kratzer ohne Blutung der Kategorie II zu, und die verlangt Wundreinigung und sofortige Impfung.
Und ein Satz zur Ehrlichkeit: Dieser Beitrag ersetzt keine reisemedizinische Beratung. Die individuelle Indikation für deine Tollwut-Prophylaxe stellt die Ärztin oder der Arzt, der dich sieht.
Redaktionell geprüft von Nils-Andre Stritt, travel4med, der Medizin- und Pflegestudierende bei der Organisation ihrer klinischen Auslandseinsätze begleitet. Dieser Beitrag ist eine Orientierungshilfe und ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Noch Fragen offen?
Nimm kostenlos an unserem nächsten Live-Webinar teil.
Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF): «Schweizerischer Impfplan 2026», Richtlinien und Empfehlungen, Stand Februar 2026, Kapitel 3.1.l «Tollwut», Seite 30, abgerufen am 27.08.2026: Schweizerischer Impfplan 2026 (PDF)