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Tuberkulose im Auslandspraktikum: Test vor dem Abflug

Nils-Andre Stritt
Nils-Andre StrittMedizinstudent, Co-Founder travel4med
  • 21. August 2026
  • 12 Minuten
Tuberkulose im Auslandspraktikum: Test vor dem Abflug

Tuberkulose im Auslandspraktikum: der Test, der vor dem Abflug gehört

Der wichtigste Test auf Tuberkulose ist nicht der nach deiner Rückkehr, sondern der vor dem Abflug. Der nationale Leitfaden von BAG und Lungenliga Schweiz nennt einen Bluttest als Eintrittstest, bevor du eine Tätigkeit mit erhöhtem Expositionsrisiko antrittst. Genau das ist eine Famulatur, eine Unterassistenz oder ein Pflegepraktikum in einem Spital mit vielen Fällen. Fehlt dieser Ausgangswert, lässt sich ein positives Resultat nach der Heimreise kaum noch einordnen. Hier steht, wie du das sauber planst.

Key Takeaways

  • Der Eintrittstest ist der entscheidende Termin: Der Schweizer Leitfaden empfiehlt einen Test bei Personen mit erhöhtem Risiko einer beruflichen Exposition als Eingangstest vor Antritt der Tätigkeit (BAG und Lungenliga Schweiz, Leitfaden V1.2024).
  • Routinekontrollen danach sind nicht vorgesehen: Der Leitfaden empfiehlt bei Beschäftigten im Gesundheitswesen ausdrücklich keine routinemässigen Kontrolltests, sondern Tests nach einem konkreten Kontakt, und nur bei negativem Antrittstest.
  • Bei kurzen Praktika ist die Schule zuständig: Die Suva hält fest, dass Testungen bei Lernenden mit nur kurzem Praktikum von den Ausbildungsstellen veranlasst werden sollen, weil das Gastspital das nicht sicherstellen kann.
  • Zwei Monate Wartezeit: Eine Ansteckung ist laut BAG erst nach rund zwei Monaten nachweisbar. Ein Test direkt nach der Landung sagt dir also wenig.
  • Das Risiko ist real, aber gut beherrschbar: Nur fünf bis zehn Prozent der frisch angesteckten Personen erkranken später überhaupt, am ehesten in den ersten zwei Jahren (BAG).

Warum ist Tuberkulose im Auslandspraktikum überhaupt ein Thema?

Weil du im Gastspital genau dort stehst, wo die Krankheit diagnostiziert wird. Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die über die Raumluft übertragen wird, wenn eine erkrankte Person hustet. Laut BAG braucht es für eine Ansteckung meist einen Aufenthalt über Stunden im gleichen Raum. Eine Ambulanz, eine Notfallstation oder ein Mehrbettzimmer erfüllen das leicht.

Dazu kommt: In der Schweiz siehst du im ganzen Studium vielleicht eine Handvoll Fälle. In einem Spital in Nepal, auf Sansibar oder in Sri Lanka kann eine offene Lungentuberkulose zum Wochenalltag gehören, und das Isolationszimmer, das du aus Zürich oder Bern kennst, ist dort nicht selbstverständlich. Wer sich vorher nie mit dem Thema befasst hat, merkt oft erst im Nachhinein, dass er wochenlang ohne Atemschutz in einem Risikoraum stand.

Das ist kein Grund, ein Praktikum abzusagen. Es ist ein Grund, drei Dinge vorher zu regeln: einen dokumentierten Ausgangstest, Schutz vor Ort und einen Plan für die Zeit danach.

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Was ist eine tuberkulöse Infektion und was ist eine Erkrankung?

Eine tuberkulöse Infektion ist der Nachweis, dass dein Immunsystem Kontakt mit dem Bakterium hatte, und keine Erkrankung. Du hast keine Symptome, du bist nicht ansteckend, und laut BAG erkranken nur fünf bis zehn Prozent der frisch Angesteckten später überhaupt, am ehesten innerhalb von zwei Jahren. Die Erkrankung selbst betrifft in rund 80 Prozent der Fälle die Lunge.

Deshalb ist ein positiver Test allein kein Drama. Entscheidend ist nicht der einzelne Wert, sondern ob er neu ist. Und das kannst du nur beantworten, wenn du einen früheren Wert zum Vergleich hast.

Wie gross ist das Tuberkulose-Risiko in der Schweiz und in den Gastländern?

Die Schweiz ist ein Niedriginzidenzland: 2022 wurden 365 Fälle gemeldet, was einer Inzidenz von 4,16 Fällen pro 100'000 Einwohner entspricht (Leitfaden V1.2024). 73 Prozent der Betroffenen waren nicht schweizerischer Herkunft. Die Zahlen steigen aber wieder, wie das BAG-Bulletin vom 30. Juni 2025 zeigt.

Gemeldete Tuberkulosefaelle in der Schweiz 2021 bis 2023 Drei Balken zeigen die gemeldeten Faelle: 353 im Jahr 2021, 365 im Jahr 2022 und 432 im Jahr 2023. Der Anstieg von 2021 auf 2023 betraegt 79 Faelle. Gemeldete Tuberkulosefaelle in der Schweiz 353 2021 365 2022 432 2023 Anzahl gemeldeter Faelle pro Kalenderjahr
Gemeldete Tuberkulosefälle in der Schweiz. Werte für 2021 und 2023 aus dem BAG-Bulletin 27 vom 30.06.2025, Wert für 2022 aus «Tuberkulose in der Schweiz. Leitfaden für Fachpersonen des Gesundheitswesens», V1.2024.

Weltweit sieht es anders aus. Die WHO zählt für 2024 rund 10,7 Millionen Erkrankungen und 1,23 Millionen Todesfälle und geht davon aus, dass etwa ein Viertel der Weltbevölkerung schon einmal infiziert war. Der Schweizer Leitfaden nennt dazu klare Grössenordnungen: In den meisten hoch entwickelten Ländern liegt die Inzidenz unter 10, in einigen Ländern des südlichen Afrikas und Asiens dagegen über 500 und bis zu 665. Indonesien, zu dem Bali gehört, ist eines von acht Ländern, in denen zwei Drittel aller Neuerkrankungen gemeldet werden.

Tuberkulose-Inzidenz pro 100000 Einwohner im Vergleich Fuenf Balken auf logarithmischer Skala: USA 3,1 und Schweiz 4,16 Faelle pro 100000 Einwohner und Jahr, die BCG-Impfschwelle von 50, die im Leitfaden genannte Screening-Schwelle von 100 und der genannte Hoechstwert einzelner Laender von bis zu 665. Faelle pro 100000 Einwohner und Jahr (log. Skala) 3,1 USA 4,16 Schweiz 2022 50 BCG-Schwelle 100 Screening-Schwelle bis 665 einzelne Laender Logarithmische Skala, sonst waeren die beiden linken Balken nicht sichtbar
Alle fünf Werte stammen aus «Tuberkulose in der Schweiz. Leitfaden für Fachpersonen des Gesundheitswesens» von BAG und Lungenliga Schweiz, V1.2024. Die Balkenhöhen sind logarithmisch skaliert, die Zahlen daneben sind die Originalwerte.

Was sagt der Schweizer Leitfaden zum Tuberkulose-Test vor dem Einsatz?

Der Leitfaden nennt drei Situationen, in denen ein Test auf eine Infektion angezeigt ist. Eine davon betrifft dich direkt: Personen mit erhöhtem Risiko einer beruflichen Exposition, also Beschäftigte im Gesundheits- oder Sozialwesen und Laborpersonal, nach einer Risikobewertung als Eingangstest vor Antritt einer Beschäftigung in einer solchen Umgebung.

SituationWen es betrifftWas der Leitfaden dazu sagt
UmgebungsuntersuchungPersonen mit kürzlichem Kontakt zu einer ansteckenden LungentuberkuloseTest angezeigt; ein relevantes Risiko wird ab insgesamt über acht Stunden im gleichen Raum mit einer ausstrichpositiven Person angenommen
ImmunschwächeHIV-Infektion, vor immunsuppressiver Therapie, vor OrgantransplantationTest als Ausgangsuntersuchung angezeigt
Berufliche ExpositionGesundheits- und Sozialwesen, LaborpersonalTest nach Risikobewertung als Eingangstest vor Antritt der Tätigkeit
Reihenuntersuchung ohne Anlassalle übrigen Situationenumstritten und nicht generell empfohlen, weil der Vorhersagewert eines positiven Resultats bei ungezieltem Screening schlecht ist

Der zweite Teil ist genauso wichtig und wird oft überlesen: Routinemässige Kontrolltests werden bei Beschäftigten im Gesundheitswesen nicht empfohlen. Getestet wird nach einem Kontakt mit einem potenziell infektiösen Fall, und zwar nur bei Personen mit negativem Antrittstest. Übersetzt heisst das: Der Antrittstest ist die Eintrittskarte für alles, was danach kommt. Ohne ihn hast du nach dem Praktikum keinen Vergleichswert, und ein positives Resultat bleibt unklar.

Wer muss den Test bei einem kurzen Praktikum veranlassen?

Deine Ausbildungsstelle, nicht das Gastspital. Die Suva-Publikation zur Tuberkulose am Arbeitsplatz sagt es sehr direkt: Bei Lernenden, die nur ein kurzes Praktikum absolvieren, sollten die Testungen von den Ausbildungsstellen veranlasst werden, weil die Einrichtungen des Gesundheitsdienstes das im Rahmen von kurzen Praktika nicht sicherstellen können.

Praktisch heisst das: Frag im Dekanat, im Studiengangssekretariat oder bei der Personalärztin deines Heimspitals, wer den Eintrittstest bezahlt und dokumentiert. Erwarte das nicht von einer Klinik in Pokhara oder Stone Town. Lass dir Datum, Testmethode und Befund schriftlich geben. Dasselbe Prinzip gilt für den Umgang mit Biostoffen im Gesundheitswesen generell.

Wenn du deine Unterlagen ohnehin zusammenstellst: In der Packliste fürs Auslandspraktikum steht, was sonst noch in den Dokumentenordner gehört, und der Guide zur Auslandskrankenversicherung fürs Praktikum klärt, welche Police überhaupt greift.

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So planst du deine Tuberkulose-Tests rund ums Praktikum

Der Ablauf ist kein Hexenwerk, er braucht nur Vorlauf. Sieben Schritte, die du in dieser Reihenfolge abarbeitest:

  1. Sechs bis acht Wochen vorher: Termin holen. Sprich mit dem Dekanat oder der Personalärztin über den Eintrittstest und kläre gleich die Kostenfrage mit.
  2. Ausgangstest machen und dokumentieren. Lass dir Datum, Methode und Resultat schriftlich geben. Ein bereits früher dokumentierter positiver Bluttest muss nicht wiederholt werden.
  3. Risiko am Zielort erfragen. Frag dein Gastspital, ob es eine Tuberkulose-Station, eine Ambulanz für Atemwegserkrankungen oder ein mikrobiologisches Labor gibt, und ob Isolationszimmer existieren.
  4. Atemschutz einpacken. Der Leitfaden empfiehlt beim Betreten des Isolationsraums eine Maske der Schutzklasse FFP2 nach EN 149 oder höher. Nimm eigene mit, das ist billiger als jede Diskussion vor Ort.
  5. Vor Ort mitdenken statt mitlaufen. Notiere, in welchen Situationen du länger mit hustenden Patientinnen und Patienten im gleichen Raum warst.
  6. Nach der Rückkehr acht Wochen warten. Eine Ansteckung ist laut BAG erst nach rund zwei Monaten nachweisbar. Erst dann ist ein Kontrolltest sinnvoll, und nur bei negativem Antrittstest.
  7. Bei Symptomen sofort zur Ärztin. Langanhaltender Husten, Fieber, Nachtschweiss oder Gewichtsverlust gehören abgeklärt, ohne auf die acht Wochen zu warten.
ZeitpunktWas zu tun istWarum
6 bis 8 Wochen vor AbflugEintrittstest bei der Ausbildungsstelle veranlassenLeitfaden: Eingangstest vor Antritt einer Tätigkeit mit erhöhtem Expositionsrisiko
Während des EinsatzesFFP2 in Risikosituationen, Expositionen notierenLeitfaden: FFP2 nach EN 149 oder höher beim Betreten des Isolationsraums
Direkt nach der Rückkehrnoch kein Test, nur SymptomkontrolleBAG: Ansteckung erst nach rund zwei Monaten nachweisbar
Ab etwa 8 Wochen danachKontrolltest, wenn eine relevante Exposition vorlagLeitfaden: Test nach Kontakt, nur bei negativem Antrittstest
Bis zwei Jahre danachwachsam bleiben bei Husten und FieberBAG: Erkrankung am ehesten in den ersten zwei Jahren

Fachperson im weissen Kittel zeigt auf ein Roentgenbild des Brustkorbs und erklaert den Befund

Wie schützt du dich im Spital konkret vor einer Ansteckung?

Mit Luft, Abstand und Maske, in dieser Reihenfolge. Der Leitfaden empfiehlt beim Betreten eines Isolationszimmers eine N95-Maske oder eine partikelfiltrierende Halbmaske der Schutzklasse FFP2 nach EN 149 oder höher, und die Maske muss vor dem Betreten des Raums aufgesetzt sein. Eine gewöhnliche Operationsmaske schützt dich selbst nicht.

Genauso wichtig ist alles, was vor der Maske kommt: gut gelüftete Räume, Abstand bei Hustenanfällen, und der Verzicht darauf, bei einer Bronchoskopie oder Sputumgewinnung «einfach mal zuzuschauen», wenn kein passender Atemschutz da ist. Das ist kein Mangel an Engagement, sondern Arbeitsschutz. Welche Rolle du überhaupt übernimmst, klärt der Beitrag zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

Die Reisemedizin drumherum deckst du mit den Reiseimpfungen fürs Wahlstudienjahr und der Malariaprophylaxe ab, für den Zwischenfall mit Blut gibt es den Plan bei einer Nadelstichverletzung im Ausland.

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Woran erkennst du eine Tuberkulose nach der Rückkehr?

An einem Husten, der nicht aufhört. Die WHO nennt als typische Zeichen langanhaltenden Husten, teils mit Blut, Brustschmerz, Schwäche, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiss. Das BAG beschreibt Fieber über 38 Grad mit Husten und Gewichtsabnahme als klassische Kombination. Wichtig: Symptome können Monate lang mild bleiben.

Deshalb gilt eine einfache Regel: Wenn du nach einem Praktikum in einem Land mit hoher Inzidenz länger als drei Wochen hustest, sag deiner Ärztin von Anfang an, wo du warst und was du dort gemacht hast. Diese eine Information verkürzt den Weg zur richtigen Diagnostik erheblich. Das gilt übrigens genauso für Fieber nach einem Tropenaufenthalt, wie es der Beitrag zur Malariaprophylaxe beschreibt.

Die gute Nachricht: Behandelbar ist die Erkrankung gut. Die WHO nennt eine Antibiotikatherapie über vier bis sechs Monate, und laut BAG verhindert die korrekte Behandlung über mindestens sechs Monate Rückfälle und die Entstehung von Resistenzen.

BCG-Impfung, Kosten und Grundversicherung

Eine Impfung ist für dich keine Option. Der Schweizerische Impfplan empfiehlt die BCG-Impfung nur für Neugeborene und Säuglinge unter zwölf Monaten, die dauerhaft in einem Land mit einer Inzidenz über 50 pro 100'000 leben werden. Das BAG hält zudem fest, dass der Impfstoff in der Schweiz nicht verfügbar ist. Aufenthalte von beschränkter Dauer sind laut Impfplan ausdrücklich keine Impfindikation, und ein Praktikum von einigen Wochen oder Monaten fällt genau darunter.

Bei den Kosten wird es konkret. Der Leitfaden hält für das Screening im Asylbereich fest, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt. Ob das für deinen Eintrittstest gleich läuft, hängt davon ab, wer ihn anordnet. Kläre das vorher schriftlich. Zur Versicherungslage während des Aufenthalts hilft der Beitrag zu Wohnsitz, Krankenkasse und AHV.

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Was bedeutet ein positiver Test für deine weitere Laufbahn?

Erst einmal wenig, ausser einer Abklärung. Ein positiver Bluttest zeigt eine Infektion, keine Erkrankung. Der nächste Schritt ist ein Thorax-Röntgenbild und die Beurteilung, ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist. Der Leitfaden weist darauf hin, dass ein einmal dokumentierter positiver Bluttest später nicht wiederholt werden muss.

Praktisch wichtig wird das beim Stellenantritt als Assistenzärztin oder Assistenzarzt, weil dort ein Antrittstest üblich ist. Wer den Verlauf sauber dokumentiert hat, spart sich die Diskussion, woher die Infektion stammt. Für die Anerkennung deiner Praktika spielt der Befund keine Rolle, wie der Überblick zur Weiterbildung im Ausland und zum Facharzttitel zeigt.

Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, der Schweizer Medizin- und Pflegestudierende vor Praktika in Sri Lanka, Nepal, auf Bali und Sansibar reisemedizinisch vorbereitet. Dieser Text ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Quellen