
Tuberkulose im Auslandspraktikum: Test vor dem Abflug
Tuberkulose im Auslandspraktikum: Warum der wichtigste Test vor dem Abflug liegt, was der Schweizer Leitfaden verlangt und wie du dich im Spital schützt.

Nils-Andre Stritt
21. August 2026

Ein Arbeitszeugnis ist die schriftliche Beurteilung deines Einsatzes durch die Stelle, bei der du gearbeitet hast: Art und Dauer der Tätigkeit plus Leistung und Verhalten. In der Schweiz hast du darauf einen gesetzlichen Anspruch. Im Gastspital in Nepal, auf Sansibar, auf Bali oder in Sri Lanka hast du ihn nicht. Deshalb gilt fürs Auslandspraktikum eine einfache Regel: Das Arbeitszeugnis besprichst du vor der Abreise und holst es ab, solange du noch vor Ort bist.
Geschrieben von MUDr. Andreas Zehetner, der für travel4med Schweizer Medizin- und Pflegestudierende bei Famulatur, Unterassistenz und Hospitation im Ausland begleitet.
Ein Arbeitszeugnis ist das Dokument, mit dem eine Arbeitgeberin bestätigt, was du getan hast und wie gut du es getan hast. Für dich als Studentin oder Student ist es der Beleg, der später in jedes Bewerbungsdossier gehört: für die bezahlte Unterassistenz im Kantonsspital, für die erste Assistenzarztstelle, für ein Stipendium.
Der wichtige Punkt vorweg: Das Zeugnis ist ein arbeitsrechtliches Papier, kein Studiennachweis. Es beantwortet die Frage einer künftigen Chefärztin, nicht die Frage deines Dekanats. Für die Anrechnung deiner Monate brauchst du etwas anderes, nämlich Testat und Bericht. Wie das funktioniert, steht im Ratgeber zum Praktikumsbericht fürs Auslandspraktikum.
Beides parallel zu organisieren kostet dich am letzten Praktikumstag zehn Minuten. Es hinterher aus der Schweiz einzufordern, kostet dich oft Monate und endet häufig mit gar keinem Dokument.

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Nein. Der Anspruch aus Art. 330a des Schweizerischen Obligationenrechts richtet sich gegen eine Arbeitgeberin, die schweizerischem Arbeitsvertragsrecht untersteht. Ein Spital in Sri Lanka oder auf Sansibar untersteht diesem Recht nicht. Dazu kommt: Eine unbezahlte Famulatur ist oft gar kein Arbeitsverhältnis im rechtlichen Sinn.
Praktisch heisst das: Du hast keinen einklagbaren Anspruch, aber sehr wohl eine gute Verhandlungsposition, solange du noch dort bist. Lehrspitäler stellen Bestätigungen für internationale Studierende regelmässig aus, sie machen es aber selten von sich aus. Frag also aktiv und früh.
Das Schweizer Recht bleibt trotzdem dein Referenzrahmen. Es sagt dir, was ein gutes Zeugnis enthalten muss, und dieselbe Struktur kannst du dem Gastspital als Vorlage in die Hand geben. Laut SECO beträgt die Verjährungsfrist für den Anspruch übrigens zehn Jahre ab Ende des Arbeitsverhältnisses. Für deine Schweizer Unterassistenz-Stellen ist das eine beruhigende Reserve, fürs Ausland leider keine.
Verlange zuerst das Vollzeugnis, akzeptiere aber die Arbeitsbestätigung als Rückfallebene. Das Vollzeugnis nach Art. 330a Abs. 1 OR gibt Auskunft über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistung und Verhalten. Die Arbeitsbestätigung nach Abs. 2 nennt nur Art und Dauer, dafür ist sie schnell geschrieben.
Für dein Dossier ist die Unterscheidung entscheidend. Eine reine Arbeitsbestätigung beweist, dass du dort warst. Ein Vollzeugnis beweist, dass du dort etwas geleistet hast. Und weil in Sri Lanka oder Nepal niemand deine Fakultätsvorgaben kennt, ist die zweite Variante nur mit einer klaren Bitte zu bekommen.
| Dokument | Grundlage | Inhalt | Wofür du es brauchst |
|---|---|---|---|
| Vollzeugnis | Art. 330a Abs. 1 OR | Art und Dauer, Leistung und Verhalten | Bewerbung für Unterassistenz und Assistenzarztstelle |
| Arbeitsbestätigung (Teilzeugnis) | Art. 330a Abs. 2 OR | Nur Art und Dauer | Lückenlose Vita, Rückfallebene im Ausland |
| Zwischenzeugnis | Art. 330a Abs. 1 OR | Wie Vollzeugnis, aber während des Einsatzes | Laufende Bewerbung noch vor Praktikumsende |
| Testat oder Bestätigung der Gastklinik | Vorgaben deiner Fakultät | Daten, Klinik, Betreuung, Stempel | Anrechnung im Wahlstudienjahr |
Laut SECO gehören in ein Vollzeugnis fünf Kernangaben: die Identität von Arbeitnehmerin und Arbeitgeberin, Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses, eine detaillierte Auflistung der wichtigen Funktionen und prägenden Tätigkeiten samt Zeitdauer, eine aussagekräftige Bewertung von Leistung und Verhalten sowie die rechtsgültige Unterschrift mit Ausstellungsdatum.
Dazu kommen Formvorgaben, die im Ausland gern untergehen: Maschinenschrift beziehungsweise sauberer Computerdruck auf gutem Papier, sprachliche Korrektheit und ein ordentlicher Gesamteindruck ohne Streichungen. Ein handschriftlicher Zettel ohne Briefkopf erfüllt das nicht, und genau so etwas bekommst du erfahrungsgemäss, wenn du erst am Abflugtag fragst.
Inhaltlich verlangt das SECO ausserdem wahrheitsgetreue Aussagen, Vollständigkeit und eine wohlwollende Formulierung, die die Wahrheitspflicht nicht verletzt. Beschränke den Inhalt auf das, was für die Beurteilung von Leistung und Verhalten nötig ist. Was ein Zeugnis definitiv nicht enthalten darf, sind Angaben zu einzelnen Patientinnen und Patienten. Das Berufsgeheimnis gilt auch in einem Empfehlungsschreiben.

Weil kaum jemand eines hat. Die durchschnittliche Mobilitätsquote der Schweizer Hochschulen liegt bei 15,7 Prozent, während Bund, Kantone und der Europäische Hochschulraum 20 Prozent anstreben. Nur vier der 36 untersuchten Hochschulen erreichen die Zielmarke, die Spannweite reicht von 1 bis 50 Prozent.
Die Nachfrage steigt allerdings: Die von Movetia geförderten Mobilitäten legten 2025 um 8 Prozent zu und überschritten erstmals die Marke von 40'000 Teilnehmenden. Dein Vorsprung ist also nicht in Stein gemeisselt. Umso wichtiger, dass du ihn belegen kannst und nicht nur behaupten musst.
Und noch etwas Praktisches: Ein Zeugnis auf Englisch ist für Schweizer Personaldienste in der Regel völlig in Ordnung. Verlange keine beglaubigte Übersetzung, solange dein Dekanat oder die ausschreibende Klinik das nicht ausdrücklich fordert. Wie du die Erfahrung dann im Dossier positionierst, zeigen die Vorlagen zur Bewerbung fürs Auslandspraktikum.

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Das Testat ist ein Nachweis für deine Universität, das Arbeitszeugnis ein Nachweis für den Arbeitsmarkt. Das Testat beantwortet: Waren es genug Wochen in der richtigen Disziplin, unter ärztlicher Aufsicht, an einer akzeptierten Klinik? Das Zeugnis beantwortet: Wie hat diese Person gearbeitet?
Deshalb reicht keines der beiden Dokumente allein. Ohne Testat zählt dein Einsatz im Wahlstudienjahr nicht, ohne Zeugnis fehlt dir später das Argument im Bewerbungsgespräch. Ob dein Einsatz überhaupt als Unterassistenz oder eher als Famulatur läuft, klärt der Vergleich Famulatur oder Wahlstudienjahr.
Ein Tipp aus der Praxis: Lass beides von derselben Person unterschreiben, wenn es geht. Eine betreuende Oberärztin, die dich wirklich gesehen hat, schreibt ein brauchbares Zeugnis. Ein Verwaltungsbüro, das dich nie erlebt hat, schreibt zwei Sätze ohne Substanz.
Der Ablauf ist immer derselbe, egal ob du vier Wochen oder vier Monate bleibst. Wichtig ist nur, dass Schritt eins vor dem Abflug passiert und nicht danach.
| Zeitpunkt | Was du tust | Warum |
|---|---|---|
| Vor der Abreise | Zeugnis und Testat schriftlich zusagen lassen | Kein Anspruch nach Art. 330a OR im Ausland |
| Erste Woche | Unterschriftsberechtigte Person klären | Verhindert Zuständigkeitslücken am Ende |
| Laufend | Tätigkeiten mit Datum protokollieren | Grundlage für die detaillierte Auflistung (SECO) |
| Zehn Tage vor Ende | Eigenen Entwurf einreichen | Spart der Klinik Arbeit und dir Inhalt |
| Letzter Tag | Dokument mit Stempel abholen | Nachforderungen aus der Schweiz scheitern oft |
| Nach der Rückkehr | Scannen, ablegen, ins Dossier einbauen | Bewerbungsfenster für Unterassistenz kommen schnell |
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Zweideutige Formulierungen sind unzulässig. Das SECO nennt ausdrücklich die Verwendung sogenannter Zeugniscodes, bei denen vordergründig neutrale oder positive Sätze für Eingeweihte eine negative Botschaft enthalten. Ein Zeugnis muss laut SECO wahrheitsgetreu und wohlwollend formuliert sein, ohne dass dabei die Wahrheitspflicht verletzt wird.
Praktisch relevant ist das vor allem, wenn dein Gastspital eine Vorlage aus dem Internet kopiert. Achte auf Sätze, die viel Fleiss und keine Fachlichkeit beschreiben, oder auf ein Lob, das sich nur auf Pünktlichkeit bezieht. Bitte in solchen Fällen freundlich um eine Ergänzung, solange du noch vor Ort bist.
Negative Tatsachen dürfen erwähnt werden, wenn sie für die Gesamtbeurteilung erheblich sind, also keine isolierten Kleinigkeiten. Umgekehrt darf die Beurteilung des Verhaltens nicht einfach weggelassen werden. Ein Zeugnis, in dem nur Daten und Abteilungen stehen, ist eben kein Vollzeugnis, sondern eine Arbeitsbestätigung.
Dann sicherst du dir die kleinste belastbare Variante. Bitte um eine kurze Arbeitsbestätigung mit Briefkopf, Zeitraum, Abteilung und Unterschrift. Das ist auch für ein überlastetes Sekretariat in zehn Minuten erledigt und reicht für eine lückenlose Vita sowie meist auch fürs Testat.
Zweite Option: Ein persönliches Referenzschreiben deiner betreuenden Ärztin, unterschrieben, mit Kontaktangabe. Formal ist das kein Zeugnis, im Bewerbungsgespräch für eine Unterassistenz zählt es oft mehr. Drittens: eine von der Betreuungsperson gegengezeichnete Stundenliste, die du selbst geführt hast.
Was nicht funktioniert, ist Warten. Erfahrungsgemäss reagieren Kliniken in Nepal, Sri Lanka, Indonesien und Tansania auf E-Mails aus der Schweiz nach der Abreise deutlich seltener, personelle Wechsel inklusive. Wenn dein Praktikum über travel4med läuft, melde eine offene Bestätigung darum lieber sofort, nicht Wochen später. Wie sich das in die weitere Laufbahn einfügt, zeigt der Ratgeber zur Weiterbildung im Ausland und zum Facharzttitel, und zur Terminplanung hilft der Beitrag zur eidgenössischen Prüfung und zum Wahljahr im Ausland.

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