
Chirurgie-Praktikum im Ausland: Guide für die Schweiz
Chirurgie-Praktikum im Ausland: So planst du als Schweizer Medizinstudent:in deine chirurgischen Monate auf Bali, Sansibar, Sri Lanka oder in Nepal richtig.

MUDr. Andreas Zehetner
25. August 2026

Ein Notfallmedizin-Praktikum im Ausland ist der schnellste Weg, in wenigen Wochen sehr viele akute Fälle selbst zu sehen. Und es ist an Schweizer Fakultäten anders einsortiert, als die meisten Studierenden vermuten: Die Universität Zürich führt Notfallmedizin im Anhang ihrer Wahlstudienjahr-Richtlinien unter «Bereich A», also bei den konservativen Fächern, nicht bei den operativen. Die Kurzantwort lautet deshalb: Ein Notfallmedizin-Praktikum kann auf deine zwei Pflichtmonate im Bereich A zählen, die Zuordnung nimmt aber die Ausbildungsstätte vor, und über die Anrechnung entscheidet immer deine eigene Fakultät. Wie du das sauber planst, liest du hier.
Geschrieben von Nils-Andre Stritt, der bei travel4med Medizin- und Pflegestudierende bei der Organisation ihrer klinischen Auslandseinsätze begleitet.
Ein Notfallmedizin-Praktikum im Ausland ist ein klinischer Einsatz auf der Notfallstation eines Spitals ausserhalb der Schweiz. Du nimmst Patientinnen und Patienten auf, machst Anamnese und Erstuntersuchung, hilfst bei Wundversorgung, Schienung und Reanimation mit und lernst zu triagieren. Je nach Studienstand läuft das als Famulatur, als Unterassistenzmonat oder als reine Hospitation.
Der Unterschied zur Bettenstation ist das Tempo und die Unsortiertheit. Auf der Notfallstation weisst du beim ersten Blick nicht, ob vor dir eine Bagatelle oder ein Notfall liegt, und genau diese Sortierarbeit ist die Fertigkeit, die du aus einem Notfallmedizin-Praktikum mitnimmst. In einem Distriktspital ist die apparative Diagnostik dünner, du entscheidest also früher klinisch.
Kurz zum Vokabular: Die Unterassistenz ist die praktische Tätigkeit im Wahlstudienjahr, und die Notfallstation ist das, was in Deutschland Notaufnahme heisst. Wie das Modul aufgebaut ist, erklärt unser Guide zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland; die Abgrenzung liefert der Vergleich Famulatur oder Wahlstudienjahr.
Ein Punkt ist in Deutschland anders geregelt: In der Schweiz ist die klinische Notfallmedizin nach heutigem Stand kein eigener Facharzttitel, sondern eine Zusatzqualifikation auf einem Facharzttitel, geführt beim SIWF. Für dein Studium ändert das nichts, für deine Weiterbildung und den Facharzttitel nach dem Staatsexamen schon.

Sichere dir jetzt deinen Platz für dein Praktikum im Ausland.
An der Universität Zürich als Bereich A. Der Anhang der UZH-Richtlinien zum Wahlstudienjahr listet «Notfallmedizin» ausdrücklich in der konservativen Spalte, neben Allgemeiner Innerer Medizin, Intensivmedizin, Kardiologie und Neurologie. Die operative Spalte «Bereich B» enthält dagegen nur chirurgische Fächer. Das ist für die Planung entscheidend.
| Frage zur Anrechnung | Regelung der UZH (Kohorte Wahlstudienjahr FS und HS 2028) |
|---|---|
| Wo steht Notfallmedizin? | in der Liste «Bereich A» im Anhang der Richtlinien |
| Wo steht Kindernotfallmedizin? | als Teilgebiet von «Kinder- und Jugendmedizin», ebenfalls Bereich A |
| Wie viele Monate Bereich A sind Pflicht? | mindestens 2 Monate |
| Wer ordnet eine Stelle einem Bereich zu? | die Ausbildungsstätte, nicht du |
| Sind Stellen ausserhalb von A und B erlaubt? | ja, sofern die Pflichtbereiche erfüllt werden |
| Wie viele Monate im Ausland? | bis zu 3, davon höchstens 1 ausserhalb von Universitäts- oder Lehrspitälern |
Die vierte Zeile wird am häufigsten übersehen. Du kannst dir einen Einsatz nicht selbst als «Bereich A» deklarieren: Das Spital, an dem du arbeitest, entscheidet, welchem Fachbereich deine Tätigkeit zugeordnet wird. Kläre also vor der Buchung deines Notfallmedizin-Praktikums, unter welchem Fachbereich dich das Gastspital führt, und lass dir das schriftlich geben.
Jetzt der ehrliche Teil. Die Partnerspitäler von travel4med auf Bali, Sansibar, Sri Lanka und in Nepal sind Regional- und Distriktspitäler, keine Universitäts- oder Lehrspitäler. Nach der UZH-Regelung käme ein solcher Monat höchstens als der eine erlaubte Nicht-Lehrspital-Monat infrage. Ob dein Studiendekanat das akzeptiert, klärst du vorher schriftlich ab.
Und weil es oft falsch zitiert wird: Das SIWF-Register listet Schweizer Weiterbildungsstätten für die Zeit nach dem Staatsexamen. Die UZH nutzt es nur, um Schweizer Spitäler anzuerkennen. Für Auslandsmonate ist das SIWF nicht zuständig, und der Satz «nur SIWF-anerkannte Kliniken zählen» stimmt dort nicht. Es gibt ausserdem keine «Schweizer Regel»: Bern, Basel, Zürich, Freiburg, Lausanne und Genf regeln das Wahlstudienjahr unterschiedlich. Wie sich das mit der Prüfungsplanung verzahnt, steht im Beitrag zur Eidgenössischen Prüfung und dem Wahljahr im Ausland. Das operative Gegenstück ist unser Guide zum Chirurgie-Praktikum im Ausland, das die UZH als Bereich B führt.
Sehr ungleichmässig über die Lebensspanne, und das prägt, was du zu Hause zu sehen bekommst. Für 2024 weist das Schweizerische Gesundheitsobservatorium eine standardisierte Rate von 335,8 Notfallkonsultationen pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner bei den 0- bis 18-Jährigen aus, gegenüber 174,3 bei den 50- bis 64-Jährigen. Die Kurve ist U-förmig.
Wer in der Schweiz einen Monat auf der Notfallstation verbringt, sieht also überproportional viele Kinder und sehr viele hochbetagte Menschen. Genau hier ergänzt ein Notfallmedizin-Praktikum im Ausland dein Curriculum, statt es zu wiederholen.
Das Fallspektrum. Die Weltgesundheitsorganisation hält in ihrer Resolution WHA72.16 vom 28. Mai 2019 fest, dass Verletzungen allein jährlich fast 5 Millionen Todesfälle verursachen und dass Strassenverkehrsverletzungen die häufigste Todesursache bei den 5- bis 29-Jährigen sind. In einem Distriktspital ist genau das dein Alltag, nicht eine Fussnote.
Die WHO nennt im selben Faktenblatt 20 bis 50 Millionen Menschen, die jährlich nicht tödliche Verletzungen erleiden, viele mit bleibender Behinderung. Auf der Notfallstation in Nepal oder auf Sansibar begegnest du dieser Statistik als Mensch mit Namen, meist auf dem Motorrad verunfallt, oft ohne Helm.
Der zweite Unterschied ist die Ausstattung: weniger Bildgebung, mehr klinische Untersuchung. Der dritte ist die Rolle der Angehörigen, die Pflege und Überwachung oft mittragen. Das ist kein Mangel, den du in einem vierwöchigen Notfallmedizin-Praktikum korrigierst, sondern ein anderes System.

An vier Standorten, in allen fünf Praktikumsformen: Pflegepraktikum, Famulatur, Praktisches Jahr beziehungsweise Unterassistenz, Hospitation und Praxisphase für Physician Assistants. Ein Notfallmedizin-Praktikum ist an allen vier Standorten möglich, und alle Praktika beginnen immer montags.
| Standort | Land | Was dich im Notfallbereich erwartet |
|---|---|---|
| Bali | Indonesien | Regionalspital mit hoher Zahl an Motorradunfällen und akuten internistischen Fällen |
| Sansibar | Tansania | Regionalspital mit breiter Notfall- und Wundversorgungslast |
| Galle | Sri Lanka | Notfallaufnahme mit Verletzungen, Infektionen und Bissverletzungen |
| Pokhara | Nepal | Trauma und Bergunfälle in einer touristisch geprägten Bergregion |
Wichtig für Schweizer Studierende: Bali ist bei uns ausdrücklich auch für Wahlstudienjahr und Unterassistenz buchbar. Alle Einsatzorte stehen unter Standorte, die Formate unter Famulatur im Ausland, PJ im Ausland und Pflegepraktikum im Ausland. Fachlich noch unentschieden? Dann vergleiche mit dem Geburtshilfe-Praktikum im Ausland und der Hausarztmedizin-Famulatur im Ausland.

Fordere kostenlos und unverbindlich alle wichtigen Infos an.
Rückwärts vom gewünschten Startmonat, und mit deiner Fakultät als erstem Ansprechpartner. So gehst du vor:
Du willst deine Notfallmonate jetzt planen? travel4med organisiert Famulaturen, Unterassistenzen, Pflegepraktika, Hospitationen und PA-Praxisphasen auf Bali, Sansibar, Sri Lanka und in Nepal. Buch dir ein kostenloses Beratungsgespräch und klär deine Fragen zum Notfallmedizin-Praktikum direkt mit uns.
Vor allem Tempo und Struktur. Du übst, in fünf Minuten eine Arbeitsdiagnose zu formulieren, statt in fünfzig. Du lernst, eine Wunde zu beurteilen, ohne vorher ein CT gesehen zu haben. Und du gewöhnst dir an, laut zu priorisieren, weil im Notfallbetrieb niemand Gedanken liest.
Konkret nimmst du aus einem Notfallmedizin-Praktikum normalerweise mit: Triage nach Dringlichkeit statt nach Reihenfolge, strukturierte Erstuntersuchung am Traumapatienten, Wundversorgung und Nahttechnik mit echter Wiederholungszahl, Umgang mit Angehörigen in Ausnahmesituationen und die Fähigkeit, eine Übergabe in dreissig Sekunden zu machen. Diese Punkte klingen banal, bis du sie im ersten Nachtdienst als Assistenzärztin oder Assistenzarzt brauchst.
Dazu kommt eine realistische Vorstellung davon, wie ungleich Notfallversorgung verteilt ist. Die WHO begründet ihre Resolution WHA72.16 genau damit, dass Millionen Todesfälle und Langzeitbehinderungen jährlich vermeidbar wären, wenn Notfallversorgung existiert und die Patientinnen und Patienten sie rechtzeitig erreichen. Wie sich das anfühlt, beschreiben unsere Erfahrungsberichte.

Auf der Notfallstation ist das Verletzungsrisiko höher als auf einer ruhigen Bettenstation, weil unter Zeitdruck gearbeitet wird und der Infektionsstatus der Patientinnen und Patienten beim Eintreffen meist unbekannt ist. Dieser Punkt gehört deshalb an den Anfang deiner Vorbereitung auf ein Notfallmedizin-Praktikum, nicht an das Ende.
Praktisch heisst das vier Dinge. Erstens: Kläre deinen Hepatitis-B-Titer und die übrigen Reiseimpfungen früh, weil manche Impfserien Monate brauchen. Zweitens: Lies das Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung im Ausland vor der Abreise und speichere die Notfallnummern offline. Drittens: Prüfe schriftlich, ob deine Versicherung Berufshaftpflicht für studentische Tätigkeit im Ausland einschliesst. Viertens: Kläre die Malariaprophylaxe für deinen Standort.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Überprüft wurden die medizinischen und infektiologischen Angaben zum Notfallmedizin-Praktikum an den vier travel4med-Standorten. Dieser Beitrag ist eine Orientierungshilfe und ersetzt keine verbindliche Auskunft deiner Fakultät.

ANDERE BLOGS

Chirurgie-Praktikum im Ausland: So planst du als Schweizer Medizinstudent:in deine chirurgischen Monate auf Bali, Sansibar, Sri Lanka oder in Nepal richtig.

MUDr. Andreas Zehetner
25. August 2026

Arbeitszeugnis nach dem Auslandspraktikum: Was Art. 330a OR regelt, was im Gastspital wirklich gilt und wie du dein Zeugnis noch vor der Heimreise sicherst.

Celina Köhsl
24. August 2026

Eidgenössische Prüfung Humanmedizin und Wahljahr im Ausland clever timen: Termine 2026, Fristen, Kosten und Anrechnung. Jetzt kostenlos beraten lassen.

MUDr. Andreas Zehetner
24. August 2026