
Internationaler Führerausweis fürs Auslandspraktikum
Internationaler Führerausweis fürs Praktikum auf Bali, Sansibar, in Nepal oder Sri Lanka: Kosten je Kanton, Gültigkeit, Rollerfrage. Jetzt früh bestellen.

MUDr. Andreas Zehetner
20. Oktober 2026

Die Polio-Impfung ist eine Impfung mit inaktivierten Polioviren (IPV), die dich vor Kinderlähmung schützt. Als Kind hast du sie in der Schweiz fast sicher bekommen. Vor dem Wahlstudienjahr zählt deshalb nur eine Frage: Brauchst du für dein Ziel eine Auffrischung? Für Sansibar mit mehr als vier Wochen Aufenthalt lautet die Antwort meistens ja, für Bali nur, wenn deine letzte Dosis über 20 Jahre zurückliegt.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Das Profil findest du auf der Autorenseite von MUDr. Amandeep Grewal. Dieser Beitrag ersetzt keine reisemedizinische Beratung.
Die Polio-Impfung schützt vor Poliomyelitis, einer Virusinfektion, die Lähmungen auslösen kann. Laut infovac.ch schützt sie zu mindestens 95 Prozent. Wieder Thema ist sie, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Polio-Lage in ihrer Erklärung vom 25.08.2026 weiterhin als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite einstuft.
Die Schweiz gilt laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit Anfang der 1990er-Jahre als poliofrei, der letzte Fall durch ein Wildvirus trat hier 1982 auf. Weltweit ist das Virus aber nicht verschwunden. Die WHO zählte 2025 genau 52 Fälle durch Wildpoliovirus Typ 1, alle in Afghanistan und Pakistan, dazu 238 Fälle durch zirkulierende impfstoffabgeleitete Polioviren (cVDPV) in 30 Ländern. 2026 kamen bis zum 30. April 4 Wildvirus-Fälle und 32 cVDPV-Fälle dazu.
Was heisst "impfstoffabgeleitet"? Viele Länder impfen weiter mit der Schluckimpfung, einem abgeschwächten Lebendimpfstoff. In schlecht geimpften Gemeinschaften können diese Impfviren lange zirkulieren und sich so verändern, dass sie wieder Lähmungen auslösen. Das BAG beschreibt genau diese Viren als Ursache von Polio-Erkrankungen neben dem Wildvirus.
Übertragen wird Polio vor allem über Stuhl, schmutzige Hände, verunreinigtes Wasser und Essen. Laut BAG verlaufen 90 Prozent der Infektionen ohne Symptome, weniger als 1 Prozent der Infizierten entwickelt die typische schlaffe Lähmung. Eine antivirale Behandlung gibt es nicht. Das macht die Impfung zur einzigen echten Vorsorge.
Auch näher an der Schweiz taucht das Virus auf: Die WHO führt Deutschland wegen eines Wildvirus-Nachweises im Abwasser vom 13.10.2025 auf ihrer aktuellen Liste. Ein Grund zur Panik ist das nicht, aber ein guter Anlass, vor dem Wahlstudienjahr dein Impfbüchlein aufzuschlagen.

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Nach Schweizer Empfehlung nur, wenn du in ein Polio-Risikogebiet reist. Dann gilt für gesunde Reisende unter 65 Jahren: Auffrischung, wenn die letzte Dosis mehr als 20 Jahre zurückliegt. Für Länder mit aktuellem Virusnachweis und Aufenthalte über vier Wochen gilt strenger: letzte Dosis höchstens 12 Monate vor der Ausreise.
Grundlage ist die aktualisierte Empfehlung des Schweizerischen Expertenkomitees für Reisemedizin (EKRM), veröffentlicht im BAG-Bulletin 20 vom 13. Mai 2024. Das EKRM hat das Intervall zwischen Auffrischungen für immunkompetente Reisende unter 65 Jahren von 10 auf 20 Jahre verlängert. Begründet wird das mit der zunehmenden Evidenz, dass der Schutz aus der Grundimmunisierung sehr lange hält. Reisende ab 65 Jahren und Reisende mit Immunschwäche behalten das Zehn-Jahres-Intervall. Eine Auffrischung ist jeweils genau eine Dosis IPV.
Rechne das kurz für dich durch. Die Schweizer Grundimmunisierung besteht laut BAG aus Impfungen mit 2, 4 und 12 Monaten und einer letzten Dosis zwischen 4 und 7 Jahren. Hast du diese letzte Dosis mit 6 Jahren bekommen und bist heute 25, liegt sie 19 Jahre zurück. Für Bali brauchst du dann noch keine neue Polio-Impfung, für eine Unterassistenz auf Sansibar über vier Wochen schon.
Drei Situationen verändern die Planung:
Welche weiteren Impfungen im Wahlstudienjahr auf deiner Liste stehen, zeigt der Überblick zu den Reiseimpfungen fürs Wahlstudienjahr im Ausland.
An keinem der vier Standorte ist die Polio-Impfung eine Einreisepflicht. Den Unterschied machen die WHO-Kategorien. Das EKRM übernimmt sie direkt in seine Tabelle: Kategorie 1 und 2 sind Länder mit aktuellem Virusnachweis, Kategorie 3 sind Länder, die nicht mehr infiziert, aber anfällig sind. Zu Kategorie 3 zählen laut EKRM ausserdem alle afrikanischen Länder südlich der Sahara.
| Standort | Status laut WHO (Erklärung vom 25.08.2026, Datenstand 30.04.2026) | Was das EKRM empfiehlt | Was das für dich heisst |
|---|---|---|---|
| Sansibar (Tansania) | cVDPV2 nachgewiesen, letzter Nachweis 16.12.2025 (Kategorie 2) | über 4 Wochen: Auffrischung, wenn die letzte Impfung bei der Ausreise länger als 12 Monate zurückliegt; unter 4 Wochen: alle 20 Jahre | Bei einer Unterassistenz über vier Wochen fast immer eine neue Dosis |
| Bali (Indonesien) | nicht mehr infiziert, letzter cVDPV2-Nachweis 10.07.2024 (Kategorie 3) | Auffrischung alle 20 Jahre, unabhängig von der Dauer | Nur nötig, wenn deine letzte Dosis über 20 Jahre alt ist |
| Sri Lanka | auf keiner Liste | keine weitere Auffrischung nach vollständiger Grundimmunisierung, ausser die aktuelle Länderseite sagt etwas anderes | Impfbüchlein vollständig? Dann in der Regel nichts zu tun |
| Nepal | auf keiner Liste | wie Sri Lanka | wie Sri Lanka |
Quellen der Tabelle: WHO, Erklärung des 45. Polio-Notfallkomitees vom 25.08.2026; BAG-Bulletin 20 vom 13. Mai 2024, Tabelle 1.
Ein wichtiger Hinweis zur Aktualität: Die Länderlisten der WHO ändern sich laut EKRM viermal pro Jahr, die aktuelle Einstufung steht auf healthytravel.ch. Zu Kategorie 3 gehören zusätzlich Länder, die die Global Polio Eradication Initiative als gefährdet für Ausbrüche einstuft. Ob Nepal oder Sri Lanka darunter fallen, prüft deine Reiseberatung am Tag des Termins. Plane deshalb mit dem Stand kurz vor dem Abflug, nicht mit dem Stand von heute.
Bali bieten wir dir übrigens ausdrücklich auch für die Unterassistenz im Wahlstudienjahr an, genauso wie Nepal, Sri Lanka und Sansibar. Einen Überblick über alle vier Orte findest du auf der Seite zu unseren Standorten.
Weil die WHO Staaten mit cVDPV2-Übertragung auffordert, Einwohner und Langzeitbesucher ab vier Wochen Aufenthalt vor der Ausreise impfen zu lassen. Die Dosis soll vier Wochen bis 12 Monate vor der internationalen Abreise liegen. Das soll verhindern, dass Reisende das Virus unbemerkt in andere Länder tragen.
Das EKRM hat diese WHO-Vorgabe in die Schweizer Empfehlung eingebaut. Für Kategorie 2 heisst das bei mehr als vier Wochen: Liegt deine letzte Impfung bei der Ausreise aus Tansania länger als 12 Monate zurück, wird eine Auffrischung empfohlen. Eine Unterassistenz dauert meist mehrere Wochen am Stück und fällt damit genau in diese Gruppe. Für Sansibar ist die Polio-Impfung deshalb fast immer Teil deiner Reiseplanung.
Entscheidend ist der Rückflug, nicht der Hinflug. Eine Dosis, die du dir im Dezember in Bern oder Basel geben lässt, erfüllt die Vorgabe, wenn sie am Rückflugtag höchstens 12 Monate alt ist und mindestens vier Wochen vor der Ausreise liegt. Lass sie in deinen internationalen Impfausweis eintragen. Die WHO empfiehlt ausdrücklich, die Impfung im internationalen Zertifikat nach Anhang 6 der Internationalen Gesundheitsvorschriften zu dokumentieren.
Gelbfieber ist auf Sansibar übrigens eine eigene Frage mit eigenen Regeln. Was dort gilt, steht im Beitrag zur Gelbfieberimpfung vor dem Praktikum auf Sansibar.
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Der Unterschied liegt in der Bewertung derselben Studien. Das EKRM schreibt im BAG-Bulletin, dass international zwei Strategien existieren: In den USA und Kanada bekommen Reisende nach der Grundimmunisierung nur eine einmalige Auffrischung im Erwachsenenalter. In der Schweiz und anderen europäischen Ländern galt bis 2024 eine Auffrischung alle 10 Jahre.
Seit Mai 2024 empfiehlt die Schweiz für gesunde Reisende unter 65 Jahren 20 Jahre. Als Begründung nennt das Bulletin unter anderem eine italienische Studie mit Medizinstudierenden: Bei mehr als 90 Prozent der Teilnehmenden waren mindestens 18 Jahre nach der letzten Dosis noch schützende Antikörper gegen alle drei Polioviren nachweisbar. Das passt ziemlich genau zu deiner Situation.
In Deutschland sieht es anders aus. Das Auswärtige Amt nennt in seinem Artikel zur Poliomyelitis-Impfung vom 09.09.2026 für bestimmte Risikogebiete weiterhin eine Auffrischung nach 10 Jahren. Diese Empfehlung gilt für Reisende aus Deutschland, nicht für dich. Liest du aber den deutschen Leitfaden unseres Schwesterportals zur Polio-Impfung vor dem Auslandspraktikum auf travel4med.de, weisst du jetzt, warum dort eine andere Zahl steht.
Auch Österreich hat seinen eigenen Impfplan und eigene Fachstellen. Wie die MedUnis dort mit Reiseimpfungen umgehen, beschreibt der Leitfaden zu Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur auf travel4med.at. Für dich als Studentin oder Student in Bern, Basel oder Zürich zählt die Schweizer Empfehlung. Und noch ein Detail: Selbst auf healthytravel.ch stehen auf manchen Seiten noch ältere Formulierungen mit 10 Jahren. infovac.ch nennt mit Stand 22.08.2026 die 20 Jahre. Im Zweifel entscheidet die Ärztin in der Reiseberatung.

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Für eine einzelne Auffrischung am Swiss TPH in Basel rechnest du mit CHF 42.20: CHF 27.20 für den Impfstoff plus CHF 15.00 Injektions- und Dokumentationsgebühr pro Termin. Kommt eine Reiseberatung für Erwachsene dazu, sind es weitere CHF 77.50. Die Grundversicherung übernimmt Reiseimpfungen in der Regel nicht.
| Posten am Swiss TPH (Stand 22. April 2026) | Preis in CHF |
|---|---|
| Kinderlähmung (Polio), pro Dosis | 27.20 |
| Starrkrampf / Diphtherie / Kinderlähmung, pro Dosis | 27.95 |
| Starrkrampf / Diphtherie / Keuchhusten / Kinderlähmung, pro Dosis | 41.30 |
| Injektions- und Dokumentationsgebühr, pro Impftermin | 15.00 |
| Reiseberatung Erwachsene | 77.50 |
Warum stehen da Kombinationen? Viele Reisende brauchen gleichzeitig eine Auffrischung gegen Starrkrampf (Tetanus) und Diphtherie. Dann kann ein Kombinationsimpfstoff mit Polio-Anteil einen Stich sparen. Ob das für deine Polio-Impfung passt, hängt von deinem Impfbüchlein ab. Das Swiss TPH impft laut Preisliste grundsätzlich nur nach einem Impfbuch-Check.
Und die Krankenkasse? Laut Swiss TPH sind Reiseimpfungen in der Regel nicht durch die obligatorische Krankenversicherung gedeckt, einige Zusatzversicherungen erstatten die Kosten ganz oder teilweise. Rechnest du wie Noemi in Basel mit jedem Franken, lohnt sich vorher ein Blick in deine Police. Bar zahlen geht am Swiss TPH nicht, nur mit Karte oder Twint. Wie du das ganze Wahlstudienjahr finanzierst, steht im Beitrag zur Finanzierung deines Auslandspraktikums.
Dann zählt jede andere Dokumentation, zum Beispiel ein Auszug von der Hausarztpraxis oder der Kinderärztin, die dich als Kind geimpft hat. Fehlt jeder Nachweis, gilt die Impfung als nicht gemacht. Ungeimpfte Erwachsene brauchen laut BAG 3 Dosen zu den Zeitpunkten 0, 2 und 8 Monate, also deutlich mehr Vorlauf.
Frag zuerst bei deinen Eltern und bei der Praxis nach, die dich als Kind betreut hat. Wer in der Schweiz Kinder impft und begleitet, erklärt unser Schwesterportal im Beitrag Kinderarzt werden in der Schweiz. Hast du dein Büchlein nur verlegt? Ein Duplikat des Impfausweises kostet laut Preisliste des Swiss TPH CHF 35.00 bei Abholung und CHF 45.00 bei Postversand.
Ja, vor der Erkrankung. Die Impfung schützt laut infovac.ch zu mindestens 95 Prozent vor Kinderlähmung. Polioviren werden aber laut BAG drei bis sechs Wochen lang über den Stuhl ausgeschieden, und die meisten Infizierten merken nichts. Händehygiene bleibt deshalb Pflicht, für dich und für deine Patientinnen und Patienten.
Konkret heisst das: Hände waschen nach jedem Toilettengang und vor dem Essen, wie es healthytravel.ch rät, Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt und Handschuhe beim Umgang mit Ausscheidungen. Wie das im Gastspital praktisch klappt, steht im Beitrag zur Handhygiene im Auslandspraktikum. Dieselben Regeln schützen dich auch vor Durchfallerregern, mehr dazu im Beitrag zum Reisedurchfall im Wahlstudienjahr.

Klingt nach viel? Für die Polio-Impfung brauchen die meisten Studierenden genau einen Stich oder gar keinen. Wie sich die Monate im Ausland in dein Studium einfügen, erklärt unser Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

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