Handhygiene im Auslandspraktikum: die 5 WHO-Momente
Gute Handhygiene ist die wirksamste Einzelmassnahme, die du in einem Gastspital überhaupt umsetzen kannst, und sie kostet dich pro Anwendung 20 bis 30 Sekunden. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest: Von 100 Patientinnen und Patienten in Akutspitälern holen sich sieben in Ländern mit hohem Einkommen und 15 in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen mindestens eine healthcare-assoziierte Infektion, und 70 Prozent dieser Infektionen wären mit guter Handhygiene und anderen günstigen Massnahmen vermeidbar. Am 15. Oktober 2026 ist Global Handwashing Day. Ein guter Termin, um deine Routine vor der Abreise nach Galle, Pokhara, Bali oder Sansibar sauber aufzusetzen.
Key Takeaways
Handhygiene folgt fünf Momenten, nicht dem Bauchgefühl. Die WHO nennt sie «My 5 Moments»: vor dem Patientenkontakt, vor einer aseptischen Tätigkeit, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach dem Patientenkontakt und nach Kontakt mit der Patientenumgebung.
20 bis 30 Sekunden einreiben, 40 bis 60 Sekunden waschen. Diese Zeiten stehen auf den WHO-Postern. Desinfizieren ist der Standard, gewaschen wird bei sichtbarer Verschmutzung.
70 Prozent der Spitalinfektionen sind vermeidbar, schreibt die WHO in ihrem ersten globalen Bericht zur Infektionsprävention von 2022.
Die Schweiz misst jährlich nach. In der nationalen Punktprävalenz-Erhebung 2025 hatten 648 von 12'265 Patientinnen und Patienten in 97 Spitälern mindestens eine solche Infektion, also 5,3 Prozent.
Im Gastspital ist der Spender nicht selbstverständlich. Weltweit erfüllten laut WHO und UNICEF nur 51 Prozent der Gesundheitseinrichtungen die Kriterien für eine Basis-Hygieneversorgung. Nimm deine eigene Flasche mit.
Was ist Handhygiene und warum entscheidet sie im Spital?
Handhygiene ist die gezielte Reinigung oder Desinfektion der Hände zu definierten Zeitpunkten, um Krankheitserreger nicht von einem Menschen zum nächsten zu tragen. Das klingt banal. Es ist trotzdem der Punkt, an dem im Stationsalltag am häufigsten gepfuscht wird, weil zwischen zwei Betten nur wenige Sekunden liegen und niemand zuschaut.
Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Im ersten globalen Bericht zur Infektionsprävention und -kontrolle vom 6. Mai 2022 schreibt die WHO: «Out of every 100 patients in acute-care hospitals, seven patients in high-income countries and 15 patients in low- and middle-income countries will acquire at least one health care-associated infection (HAI) during their hospital stay.» Im Schnitt stirbt eine von zehn betroffenen Personen an dieser Infektion. Und: Wo Handhygiene und andere günstige Verfahren konsequent angewendet werden, liessen sich 70 Prozent dieser Infektionen verhindern.
Für dich als Unterassistentin oder Praktikant heisst das zweierlei. Du schützt Patientinnen und Patienten, die oft schwächer sind als jene, die du aus dem Universitätsspital in Bern, Basel oder Zürich kennst. Und du schützt dich selbst, weil du am Ende des Tages mit denselben Händen isst.
Quellen: WHO, Global report on infection prevention and control, 6. Mai 2022 (Werte für Staaten mit hohem beziehungsweise niedrigem und mittlerem Einkommen) und Bundesamt für Gesundheit mit Swissnoso, nationale Punktprävalenz-Erhebung 2025 in 97 Schweizer Spitälern. Die Schweizer Zahl ist eine Punktprävalenz an einem Stichtag, die WHO-Zahlen beschreiben den Spitalaufenthalt, ein direkter Vergleich ist deshalb nur grob möglich.
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Welche 5 Momente der Handhygiene schreibt die WHO vor?
Fünf, und sie sind seit 2009 unverändert. Das Konzept heisst «My 5 Moments for Hand Hygiene» und stammt aus den WHO-Leitlinien zur Handhygiene im Gesundheitswesen. Swissnoso, das nationale Zentrum für Infektionsprävention, nutzt genau dieses Modell als Grundlage für die Schweizer Messungen. Du triffst also im Gastspital auf dieselbe Systematik wie in Bern oder Basel, auch wenn dort niemand ein Plakat aufgehängt hat.
Moment
Wann genau
Warum
1. Vor Patientenkontakt
Wenn du dich der Patientin oder dem Patienten näherst, bevor du berührst
Schützt die Person vor Keimen auf deinen Händen
2. Vor aseptischer Tätigkeit
Unmittelbar bevor du eine saubere oder aseptische Tätigkeit beginnst
Schützt vor dem Eindringen von Keimen, auch der eigenen
3. Nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten
Sofort nach einem Expositionsrisiko, auch nach dem Ausziehen der Handschuhe
Schützt dich und das Umfeld vor Keimen der Patientin
4. Nach Patientenkontakt
Nach der Berührung, wenn du den Bettplatz verlässt
Schützt dich und das Umfeld
5. Nach Kontakt mit der Umgebung
Nach dem Berühren von Möbeln oder Geräten am Bett, auch ohne Patientenkontakt
Schützt dich und das Umfeld
Punkt drei ist der, den Studierende am häufigsten übersehen. Handschuhe ersetzen die Handhygiene nicht. Die WHO schreibt ausdrücklich «and after glove removal», also nach dem Ausziehen. Beim Abstreifen kommt fast immer etwas an die Haut, und Latex hat Mikroperforationen, die du nicht siehst.
Wie lange musst du die Hände einreiben?
20 bis 30 Sekunden mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel, 40 bis 60 Sekunden mit Wasser und Seife. Beide Zeiten stehen auf den beiden WHO-Postern «How to handrub» und «How to handwash». Auf dem ersten steht als Überschrift «Rub hands for hand hygiene! Wash hands when visibly soiled», auf dem zweiten die Umkehrung. Die Reihenfolge ist also klar: Desinfizieren ist die Regel, Waschen die Ausnahme für sichtbaren Schmutz.
Verfahren
Dauer laut WHO
Wann
Alkoholische Händedesinfektion
20 bis 30 Sekunden
Standard bei allen fünf Momenten
Waschen mit Wasser und Seife
40 bis 60 Sekunden
Bei sichtbarer Verschmutzung
In der Praxis scheitert es selten am Wissen, sondern an der Uhr. Zähl beim ersten Mal wirklich mit. Die meisten hören nach zehn Sekunden auf, weil sich die Hände trocken anfühlen. Erst wenn das Mittel verdunstet ist, ist der Vorgang fertig, und genau dafür brauchst du die richtige Menge: eine gefüllte Handfläche, nicht ein Tröpfchen.
Wie steht es um die Handhygiene in Schweizer Spitälern?
Besser als im europäischen Mittel, aber nicht gut genug. Das Bundesamt für Gesundheit und Swissnoso messen die Lage jedes Jahr an einem Stichtag. In der nationalen Punktprävalenz-Erhebung 2025 wurde «bei 648 von 12'265 Patientinnen und Patienten mindestens eine healthcare-assoziierte Infektion festgestellt, was einer Gesamtprävalenz von 5,3 % entspricht», erhoben in 97 Spitälern. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 5,7 Prozent, gemessen an 12'414 Patientinnen und Patienten in 103 Spitälern.
Swissnoso rechnet die Jahresperspektive dazu: Jährlich erkranken zwischen 7 und 8 Prozent der hospitalisierten Personen an einer healthcare-assoziierten Infektion, was etwa 70'000 Krankheitsfällen und 2'000 Todesfällen pro Jahr in der Schweiz entspricht. Je nach Lokalisation liessen sich bis zu 50 Prozent davon durch gezielte Prävention verhindern.
Wie weit Handhygiene tragen kann, zeigt eine Schweizer Kampagne: 2005/06 führte Swissnoso eine nationale Händehygiene-Kampagne durch, «welche die Adhärenz von 54% auf 68% verbesserte». Zwei von drei Gelegenheiten statt einer von zwei. Das ist der realistische Rahmen, in dem du dich bewegst, auch zu Hause.
Was ist bei der Handhygiene in Galle, Pokhara, Bali und auf Sansibar anders?
Nicht die Regel, sondern die Infrastruktur. Die fünf Momente gelten überall gleich. Was sich unterscheidet, ist die Frage, ob an diesem Bett überhaupt ein funktionierender Spender hängt. WHO und UNICEF berichteten am 30. August 2022, dass weltweit nur 51 Prozent der Gesundheitseinrichtungen die Kriterien für eine Basis-Hygieneversorgung erfüllten, dass 688 Millionen Menschen in Einrichtungen ganz ohne Hygieneversorgung behandelt werden und dass jede elfte Einrichtung weder Hygiene- noch Sanitärversorgung hat.
Quelle: WHO und UNICEF, Medienmitteilung «Half of health care facilities globally lack basic hygiene services» vom 30. August 2022, auf Basis des gemeinsamen Monitoringprogramms. Die Werte sind globale beziehungsweise Gruppendurchschnitte und sagen nichts über ein bestimmtes Gastspital aus.
Praktisch heisst das: Geh davon aus, dass du deine eigene Handhygiene mitbringst. Eine kleine Flasche alkoholisches Desinfektionsmittel in der Kitteltasche löst das Problem für deinen Arbeitstag. Was sonst noch in die Tasche gehört, steht in der Packliste fürs Auslandspraktikum. Und weil Handhygiene nur eine Schicht des Schutzes ist, gehören die Impfungen dazu: die Reiseimpfungen fürs Wahlstudienjahr und der Ablauf bei einer Nadelstichverletzung im Ausland sind die beiden Ratgeber, die du vor der Abreise gelesen haben solltest.
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Was passiert am Global Handwashing Day, 15. Oktober 2026?
Am 15. Oktober läuft weltweit ein Aktionstag zum Händewaschen. Die Global Handwashing Partnership beschreibt ihn so: «October 15 is Global Handwashing Day, a global advocacy day dedicated to increasing awareness and understanding about the importance of handwashing with soap as an effective and affordable way to prevent diseases and save lives.» Das mehrjährige Motto lautet «Be a Handwashing Hero!».
Der Tag zielt auf Schulen, Gemeinden und Haushalte, nicht auf den Operationssaal. Für den klinischen Bereich hat die WHO einen eigenen Termin, den World Hand Hygiene Day am 5. Mai. Für dich ist der Oktobertermin trotzdem nützlich: Er fällt genau in die Wochen, in denen die Januar-Kohorte ihre Vorbereitung aufsetzt. Nutz ihn als Stichtag, um deine eigene Routine einmal bewusst durchzugehen, bevor sie im Stationsalltag automatisch läuft.
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Handhygiene vorbereiten: sieben Schritte vor dem Abflug
Sieben Schritte, alle vor der Abreise zu erledigen:
Die fünf Momente auswendig lernen. Nicht als Liste, sondern als Bewegungsablauf am Bett. Geh sie in der nächsten Schicht in der Schweiz bewusst durch und zähl mit, wie oft du einen verpasst.
Die Zeit üben. 20 bis 30 Sekunden einreiben, bis die Hände trocken sind. Stell dir einmal einen Timer, damit du das Gefühl für die Dauer bekommst.
Hautpflege organisieren. Trockene, rissige Haut ist ein Infektionsrisiko und der häufigste Grund, warum Leute die Desinfektion auslassen. Nimm eine Handcreme mit, die du in der Hitze verträgst.
Schmuck und Nägel klären. Ringe, Armbanduhr, Gelnägel: alles weg, bevor du fliegst. Unter einem Ring bleibt der Film aus Desinfektionsmittel unvollständig.
Eigene Flasche einpacken. Eine Taschenflasche alkoholisches Händedesinfektionsmittel gehört in den Kittel, eine Nachfüllflasche ins Gepäck. Prüf die Mengenregel deiner Fluggesellschaft fürs Handgepäck.
Beim Gastspital nachfragen. Frag vor der Abreise schriftlich nach, ob Spender am Bett hängen, wer sie nachfüllt und welche Schutzausrüstung du gestellt bekommst. travel4med stellt den Kontakt her.
Den Notfallweg festlegen. Kläre vorher, an wen du dich bei einer Exposition wendest, und leg dir die Nummern offline ab. Wie das im Krankheitsfall läuft, steht im Ratgeber krank im Auslandspraktikum.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Die Autorenseite mit Profil findest du unter MUDr. Amandeep Grewal.
Bundesamt für Gesundheit, «Punktprävalenz-Erhebungen in Spitälern» (648 von 12'265 Patientinnen und Patienten in 97 Spitälern, 5,3 Prozent im Jahr 2025; 5,7 Prozent bei 12'414 Personen in 103 Spitälern im Jahr 2024), abgerufen am 24.09.2026: https://www.bag.admin.ch/de/punktpraevalenz-erhebung-in-spitaelern
Swissnoso, Modul «CCM-CleanHands» (nationale Kampagne 2005/06, Adhärenz von 54 auf 68 Prozent, Grundlage «My 5 moments» der WHO), abgerufen am 24.09.2026: https://www.swissnoso.ch/module/ccm-cleanhands