Work and Travel im Zwischenjahr 2026: der Medizin-Guide
Work and Travel ist ein längerer Auslandsaufenthalt, bei dem du deine Reise mit bezahlten Gelegenheitsjobs finanzierst, meist mit einem Working-Holiday-Visum für 12 Monate. Nach der Matura klingt das nach dem perfekten Zwischenjahr, gerade wenn es mit dem Medizin-Studienplatz noch nicht geklappt hat. Bevor du buchst, lohnt sich aber ein ehrlicher Blick: Als Schweizerin oder Schweizer stehen dir weniger Working-Holiday-Programme offen, als viele Anbieter suggerieren, das Jahr kostet trotz Lohn schnell einige tausend Franken, und für dein späteres Studium zählt es nicht. Dieser Guide zeigt dir, welche Optionen du wirklich hast, und wann ein medizinisches Praktikum im Ausland dein Zwischenjahr sinnvoller füllt.
Von MUDr. Andreas Zehetner, der als Teil des travel4med-Teams Studierende und Ärztinnen und Ärzte bei ihren klinischen Aufenthalten im Ausland begleitet.
Key Takeaways
Work and Travel heisst: reisen und den Aufenthalt mit Gelegenheitsjobs finanzieren, üblicherweise mit einem Working-Holiday-Visum zwischen 18 und 30 Jahren.
Für Schweizer Staatsangehörige ist die Auswahl klein: Australien bietet ein Work-and-Holiday-Visum, Kanada nur Programme mit Job- oder Praktikumszusage, Neuseeland aktuell gar kein Abkommen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: 2026 haben sich 6'179 Personen für 2'200 Humanmedizin-Studienplätze angemeldet; wer Ende Juli keine Zuteilung erhielt, plant jetzt sein Zwischenjahr.
Fürs Medizinstudium wird Work and Travel nicht angerechnet; ein Pflegepraktikum kann je nach Fakultät dagegen schon vor Studienbeginn Pflichtteile abdecken, massgeblich ist deine Fakultät.
Rechne ehrlich: Flug, Visum, Versicherung und Startkapital fallen an, bevor der erste Lohn kommt; ein strukturiertes Klinikpraktikum kostet ähnlich viel, bringt aber fachlichen Vorsprung.
Beides geht: erst ein anrechenbares Praktikum an Standorten wie Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar, danach reisen und jobben, wenn Zeit und Budget übrig sind.
Was ist Work and Travel?
Work and Travel bezeichnet einen Auslandsaufenthalt von meist 6 bis 12 Monaten, bei dem du mit befristeten Jobs deine Reisekasse füllst: Erntehilfe, Gastronomie, Hostelarbeit, Verkauf. Rechtliche Grundlage ist in der Regel ein Working-Holiday-Visum, das junge Erwachsene für begrenzte Zeit arbeiten und reisen lässt. Typisch ist die Altersspanne von 18 bis 30 Jahren, teils bis 35.
Wichtig für deine Planung: Work and Travel ist ein Reise- und Jobformat, kein Ausbildungsformat. Es gibt keine Lernziele, keine fachliche Betreuung und keine Anerkennung durch eine Universität. Das ist völlig in Ordnung, wenn du genau das suchst: Distanz zum Schulstress, Englisch im Alltag, eigenes Geld, Selbstständigkeit. Es wird nur dann zum Problem, wenn du dir davon einen Vorsprung Richtung Medizinstudium erhoffst, den es so nicht liefert.
Bereit für dein Auslandsabenteuer?
Sichere dir jetzt deinen Platz für dein Praktikum im Ausland.
Warum planen gerade jetzt so viele ein Zwischenjahr?
Weil Ende Juli die Studienplatz-Zuteilungen verschickt wurden. Für das Studienjahr 2026/27 haben sich laut swissuniversities 6'179 Personen für Humanmedizin inklusive Chiropraktik angemeldet, bei einer Aufnahmekapazität von 2'200 Plätzen im ersten Jahr. Das entspricht einer Auslastung von 281 Prozent: 3'979 Anmeldungen waren überzählig. Wer im Juli den Eignungstest für das Medizinstudium (EMS, der Schweizer Zulassungstest, oft ungenau «Numerus clausus» genannt) geschrieben und keinen Platz erhalten hat, steht jetzt vor der Frage: Was mache ich bis zum nächsten Anlauf?
Anmeldezahlen zum Medizinstudium 2026, Humanmedizin inkl. Chiropraktik. Quelle: swissuniversities, Anmeldezahlen vom 16.02.2026.
Ein Zwischenjahr nach der Matura ist also für Tausende Realität, nicht Ausnahme. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du eines machst, sondern wie du es füllst: nur reisen und jobben, oder so, dass es dich fachlich und persönlich Richtung Studium weiterbringt. Übrigens betrifft das nicht nur Abgewiesene: Auch wer einen Platz hat, überbrückt bis zum Semesterstart Mitte September oft mehrere Wochen, und einige Fakultäten verlangen ohnehin ein Pflegepraktikum.
Welche Work-and-Travel-Ziele stehen dir als Schweizerin oder Schweizer offen?
Deutlich weniger als deinen deutschen oder österreichischen Kolleginnen und Kollegen. Working-Holiday-Abkommen sind bilaterale Verträge, und die Schweiz hat nur wenige davon abgeschlossen. Die drei Klassiker im Überblick:
Land
Programm für Schweizer Staatsangehörige
Alter
Dauer
Australien
Work-and-Holiday-Visum (Subclass 462), offen für Schweizerinnen und Schweizer
18 bis 30
bis 12 Monate
Kanada
International Experience Canada, aber nur die Kategorien Young Professionals und International Co-op, beide mit Job- bzw. Praktikumszusage; kein offenes Working-Holiday-Visum
je nach Kategorie, bis 35
befristet, je nach Bewilligung
Neuseeland
Kein Working-Holiday-Abkommen mit der Schweiz (Stand August 2026)
entfällt
entfällt
Das klassische «Ich fliege hin und suche mir vor Ort irgendeinen Job»-Modell funktioniert für dich also vor allem in Australien: Das dortige Work-and-Holiday-Visum richtet sich laut dem australischen Innenministerium an 18- bis 30-Jährige und erlaubt bis zu 12 Monate Aufenthalt mit Arbeitsmöglichkeit. Für Kanada listet die kanadische Regierung für die Schweiz nur die Kategorien Young Professionals und International Co-op, beide setzen eine Stelle oder ein Praktikum voraus, die zur beruflichen Entwicklung zählen. Neuseeland führt die Schweiz gar nicht auf der Liste seiner Working-Holiday-Partnerländer. Prüfe die Bedingungen immer direkt bei der jeweiligen Einwanderungsbehörde, denn Kontingente und Regeln ändern sich laufend.
Innerhalb Europas brauchst du dank Personenfreizügigkeit kein spezielles Visum, um zu jobben. Dann konkurriert dein Zwischenjahr aber direkt mit der Frage, ob dich Kellnern in Lissabon wirklich weiterbringt als ein Praktikum im Spital.
Work and Travel oder medizinisches Praktikum: Was bringt dich weiter?
Das hängt von deinem Ziel ab. Willst du vor allem raus, reisen und Geld verdienen, ist Work and Travel ehrlich und legitim. Willst du dem Medizin- oder Pflegestudium näherkommen, ist ein strukturiertes Praktikum im Gesundheitswesen fast immer die stärkere Wahl:
Merkmal
Work and Travel
Medizinisches Praktikum im Ausland
Ziel
Reisen, Jobben, Selbstständigkeit
Klinischer Einblick unter Betreuung
Tätigkeit
Erntehilfe, Gastro, Hostel, Verkauf
Mitlaufen und Unterstützen in Spital oder Praxis
Bezug zur Medizin
Keiner
Direkt: Stationsalltag, Pflege, Patientenkontakt
Anrechnung
Keine
Je nach Format und Fakultät möglich, z. B. Pflegepraktikum
Einkommen
Gelegenheitslöhne vor Ort
Keines, dafür planbare Kosten
Wert für Bewerbung und Motivation
Soft Skills, Sprache
Soft Skills, Sprache plus belegte Praxiserfahrung im Zielberuf
Zwei Punkte verdienen einen zweiten Blick. Erstens die Anrechnung: Mehrere Schweizer Fakultäten verlangen im oder vor dem Medizinstudium ein Pflegepraktikum; welche Einrichtungen und Zeitfenster akzeptiert werden, regelt jede Fakultät selbst. Ein sauber dokumentiertes Pflegepraktikum im Ausland kann diese Anforderung je nach Reglement bereits im Zwischenjahr abdecken; kläre das vorab schriftlich mit dem Studiendekanat. Work and Travel deckt sie sicher nicht ab. Was später im Studium zwischen Famulatur und Wahlstudienjahr liegt, erklärt unser Vergleich Famulatur oder Wahlstudienjahr im Ausland.
Zweitens die Erfahrung selbst: In einem betreuten Praktikum siehst du, wie ein Gesundheitssystem mit knappen Mitteln funktioniert, und findest heraus, ob der Beruf wirklich zu dir passt, bevor du sechs Jahre Studium investierst. Genau dafür sind unsere Einsätze in Sri Lanka, Nepal, auf Bali und auf Sansibar gebaut: beobachten und unterstützen unter Aufsicht, ohne dass du Verantwortung trägst, die dir nicht zusteht. Falls du stattdessen mit einem unbezahlten Hilfseinsatz liebäugelst, lies vorher unseren ehrlichen Guide zur Freiwilligenarbeit im Ausland; dort geht es um gemeinnützige Einsätze, hier um bezahltes Jobben, die Anrechnungsfrage beantworten beide gleich: massgeblich ist deine Fakultät.
Wie planst du dein Zwischenjahr Schritt für Schritt?
Der Kalender gibt den Takt vor: Zwischen der Studienplatz-Zuteilung Ende Juli und dem nächsten Eignungstest liegt knapp ein Jahr. So nutzt du es:
Entscheid treffen: Nochmals antreten oder umorientieren? Wenn du den EMS wiederholen willst, gilt: Anmeldung zum Medizinstudium bis zum 15. Februar 2027 bei swissuniversities, der Test findet am Freitag der Kalenderwoche 27 statt, die Teilnahmegebühr beträgt CHF 300.
Ziel des Jahres definieren: Praxiserfahrung Richtung Medizin, Sprache, Geld verdienen, oder eine Mischung? Schreib es auf; daran misst du jedes Angebot.
Anrechnung klären: Frag beim Studiendekanat deiner Wunschfakultät schriftlich nach, ob und wie ein Pflegepraktikum aus dem Zwischenjahr akzeptiert wird.
Bausteine legen: Plane zuerst den Baustein mit festen Fristen (Praktikum, Testvorbereitung), dann die flexible Reisezeit. Ein 4- bis 8-wöchiges Klinikpraktikum lässt neben Vorbereitungsphase und Reisen viel Luft.
Visum und Formalitäten prüfen: Für Australien das Work-and-Holiday-Visum direkt beim Innenministerium beantragen; für Praktikumsziele wie Sri Lanka oder Nepal kümmert sich bei uns die Organisation um die passenden Unterlagen.
Budget aufstellen: Flug, Visum, Versicherung, Unterkunft und ein Startkapital für die ersten Wochen fallen an, bevor der erste Lohn kommt. Wie du das Jahr finanzierst, zeigt unser Beitrag zur Finanzierung des Auslandspraktikums.
Eckdaten für die Planung des Zwischenjahrs. Quelle: swissuniversities, Zulassungsverfahren mit Numerus clausus.Reisen gehört ins Zwischenjahr. Die Frage ist nur, ob es der einzige Baustein bleibt.
Du willst dein Zwischenjahr mit Substanz füllen? Wir organisieren betreute Pflegepraktika und Klinikeinsätze in Sri Lanka, Nepal, auf Bali und auf Sansibar, inklusive Unterkunft und Betreuung vor Ort. Lass dich kostenlos beraten und lies die Erfahrungsberichte anderer Studierender.
Sichere dir dein Infomaterial
Fordere kostenlos und unverbindlich alle wichtigen Infos an.
Work and Travel ist eine gute Schule fürs Leben: Du lernst, dich durchzuschlagen, sprichst täglich Englisch und kommst mit vollem Rucksack an Erfahrungen zurück. Nur Richtung Medizinstudium trägt es dich nicht. Für Schweizer Staatsangehörige ist zudem die Visa-Auswahl klein: Australien ja, Kanada nur mit Zusage, Neuseeland aktuell gar nicht. Wenn dein Ziel das Medizin- oder Pflegestudium ist, füllst du dein Zwischenjahr am besten mit einem Baustein, der zählt: einem betreuten Praktikum im Gesundheitswesen, das dir je nach Fakultät sogar das Pflegepraktikum abdeckt und dir zeigt, ob der Beruf zu dir passt. Danach bleibt immer noch Zeit zum Reisen und Jobben. Wie ein anrechenbarer Klinikaufenthalt später im Studium aussieht, liest du im Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland; einen Eindruck von unseren Standorten bekommst du in wenigen Minuten.