
Reisethrombose vor dem Auslandspraktikum: Risiko und Schutz
Reisethrombose auf dem Langstreckenflug ins Wahlstudienjahr: Prüfe dein Risiko, erfahre, was Kompressionsstrümpfe bringen und welche Warnzeichen zählen.

Nils-Andre Stritt
6. Oktober 2026

Blutentnahme lernen ist im Schweizer Medizinstudium kein Extra, sondern Pflicht: Der nationale Lernzielkatalog PROFILES verlangt, dass du venöse Punktionen am Studienende unter Distanzaufsicht beherrschst. Die kurze Antwort für dein Wahlstudienjahr lautet deshalb: Lern den Ablauf am Modell, sitz die Röhrchen-Reihenfolge fest und mach deine ersten echten Entnahmen nur mit Betreuung. Wie das konkret geht, zeigt dieser Plan.
Blutentnahme lernen bedeutet, die venöse Punktion so sicher zu beherrschen, dass die Probe brauchbar ist, die Patientin oder der Patient möglichst wenig merkt und du dich nicht selbst stichst. Das sind drei verschiedene Ziele, und beim Blutentnahme lernen zählen alle drei. Eine perfekte Punktion nützt wenig, wenn das Citratröhrchen halb leer ist und das Labor die Gerinnung nicht messen kann.
Die meisten Studierenden in Bern, Basel, Zürich oder Genf stechen zuerst im Skills Lab ihrer Fakultät in einen Übungsarm. Das Institut für Medizinische Lehre der Universität Bern beschreibt zum Beispiel sein Skills-Zentrum BiSS mit Modellen und Simulatoren, unter anderem für die venöse Punktion. Danach kommt beim Blutentnahme lernen der Schritt an echte Patientinnen und Patienten, und der passiert für viele erst im Wahlstudienjahr, also in den Monaten als Unterassistentin oder Unterassistent.
Genau dort liegt die Lücke. Wer mit zwei, drei Übungsstichen am Modell in die Unterassistenz startet, steht am ersten Morgen mit sechs Röhrchen und einer Staubinde vor dem Bett und denkt: Welche Farbe kommt zuerst? Darum lohnt es sich, das Blutentnahme lernen bewusst zu planen, statt es dem Zufall zu überlassen.

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PROFILES ist der gemeinsame Lernzielrahmen der Schweizer Medizinfakultäten (Principal Relevant Objectives and Framework for Integrated Learning and Education in Switzerland). Er beschreibt neun Entrustable Professional Activities, kurz EPAs, also Tätigkeiten, die dir am ersten Tag als Assistenzärztin oder Assistenzarzt unter Distanzaufsicht anvertraut werden.
EPA 5 heisst "Perform general procedures". Darunter listet PROFILES 23 konkrete Prozeduren (5a bis 5w), die du laut Text am Ende des Curriculums mit echten Patientinnen und Patienten beherrschen sollst, einige wenige davon nur in der Simulation. Für das Blutentnahme lernen sind diese drei die wichtigsten, weil sie alle auf der sicheren Venenpunktion aufbauen:
| EPA | Prozedur laut PROFILES | Was das für die Blutentnahme heisst |
|---|---|---|
| 5b | Intravenous injection and cannulation, subcutaneous and intramuscular injection | Gleiche Venenpunktion, gleiche Anatomie, gleiche Hygiene |
| 5c | Insertion of a peripheral intravenous line | Wer die Vene sicher trifft, legt auch den Venflon leichter |
| 5i | Arterial puncture for blood gas analysis | Die anspruchsvollere Schwester der venösen Entnahme |
Wichtig zur Einordnung, bevor du dein Blutentnahme lernen nach PROFILES ausrichtest: Das Wort "venöse Blutentnahme" steht in der EPA-Liste nicht wörtlich. Die Fertigkeit steckt aber in jeder dieser Prozeduren, und im Spitalalltag ist sie meist die erste, die man dir anvertraut. Die praktische Clinical-Skills-Prüfung der eidgenössischen Prüfung baut auf denselben Grundlagen auf; mehr dazu liest du in unserem Beitrag zur eidgenössischen Prüfung und dem Wahljahr im Ausland.
In der Regel ja, aber nur mit Anleitung und Aufsicht, und nur so weit, wie deine Fakultät und das Spital es vorsehen. Eine einheitliche "Schweizer Regel" dafür gibt es nicht. Bern, Basel, Zürich und Genf regeln die Unterassistenz in eigenen Richtlinien, und jedes Spital legt fest, welche Tätigkeiten Unterassistierende übernehmen.
Für den Einsatz im Ausland gilt dasselbe Prinzip noch deutlicher: Das Gastspital entscheidet. In Sri Lanka, Nepal, Bali oder auf Sansibar arbeitest du als Studentin oder Student unter der Verantwortung der dortigen Ärztinnen und Ärzte. Frag deshalb am ersten Tag direkt nach, ob und unter wessen Aufsicht du Blutentnahmen machen darfst. Wie ein Wahlstudienjahr im Ausland insgesamt aufgebaut ist und was für die Anrechnung zählt, erklärt unser Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Die Autorenseite mit Profil findest du unter MUDr. Amandeep Grewal.
Der folgende Ablauf stützt sich auf den Präanalytik-Leitfaden des Universitätsspitals Basel (Version 1.7, Stand 1. Januar 2026). Jedes Spital hat eine eigene Hausregel, im Kern sind die Schritte aber überall gleich. Für das Blutentnahme lernen ist diese Abfolge dein Gerüst.
Klingt nach viel? Blutentnahme lernen heisst Wiederholen. Nach zwanzig Entnahmen läuft das fast automatisch. Bis dahin hilft eine kleine Karte mit diesen acht Schritten in der Kitteltasche.

Die Reihenfolge verhindert, dass Zusätze aus einem Röhrchen ins nächste verschleppt werden und Werte verfälschen. Der Basler Leitfaden empfiehlt diese sieben Stufen; nicht benötigte Röhrchen lässt du einfach weg, die Reihenfolge bleibt.
| Stufe | Röhrchen | Farbe im USB (Sarstedt) | Typische Analysen |
|---|---|---|---|
| 1 | Blutkultur | Flaschen | Erregernachweis |
| 2 | Serum | rot und beige | Klinische Chemie |
| 3 | Citrat | hellblau | Gerinnung |
| 4 | Lithium-Heparin | grün | Plasma-Chemie |
| 5 | weitere Lithium-Heparin-Röhrchen | orange (selten) | Blutgas, Schwermetalle |
| 6 | EDTA | lila | Blutbild |
| 7 | Andere, zum Beispiel Natrium-Fluorid | hellgrau | Glukose |
Eine Ausnahme merkst du dir am besten sofort: Das Citratröhrchen darf nie das erste sein, weil sonst die Gerinnungswerte verfälscht werden können. Brauchst du nur Gerinnung, verwirfst du laut Leitfaden zuerst etwas Blut und füllst dann das Citratröhrchen. Ein Wort zu den Farben: Sie gelten für das Sarstedt-System, das am Universitätsspital Basel läuft. Im Gastspital kann ein anderer Hersteller mit anderen Farben im Einsatz sein. Lern deshalb beim Blutentnahme lernen die Zusätze, nicht nur die Farben.

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Die meisten Fehler sind keine Treffprobleme, sondern Präanalytik-Fehler. Die Probe sieht gut aus, der Wert stimmt aber nicht. Diese fünf sind die Klassiker, jeweils mit der Regel aus dem Basler Leitfaden:
| Fehler | Folge | So machst du es richtig |
|---|---|---|
| Zu lange gestaut, Faust gepumpt | Falsch erhöhte Werte durch Hämokonzentration | Stauzeit inklusive Entnahme höchstens eine Minute, kein Pumpen |
| Röhrchen zu schnell oder schäumend gefüllt | Hämolyse, Proteindenaturierung | Langsam füllen, Schaum vermeiden |
| Citratröhrchen nicht voll | Gerinnung nicht auswertbar | Gerinnungsröhrchen immer vollständig füllen |
| Röhrchen geschüttelt statt geschwenkt | Hämolyse | Mehrfach über Kopf schwenken |
| Blut aus liegendem Zugang ohne Spülen | Verdünnte oder verfälschte Probe | Möglichst nicht aus dem Zugang; sonst spülen und die ersten 4 bis 10 ml verwerfen |
Ein sechster Fehler steht in keinem Leitfaden, passiert aber ständig: Du sagst nichts, wenn es nicht klappt. Zwei Fehlversuche, und dann holst du Hilfe. Das ist kein Versagen, sondern genau das, was erfahrene Pflegefachpersonen und Ärztinnen auch tun.
Plane das Blutentnahme lernen rückwärts vom Abflugtag. Drei Monate reichen locker, wenn du regelmässig dranbleibst.
Wenn du die Basis im Studium vertiefen willst: Die Grundlagen zu Pflichtpraktika im Schweizer Studium erklärt dein-medizinstudium.ch im Beitrag zur Famulatur im Medizinstudium Schweiz. Und wer nach der Venenpunktion als Nächstes die arterielle Punktion (EPA 5i) angeht, findet bei slaymed.de eine Anleitung zum Blutgasanalyse interpretieren, geschrieben für das deutsche Studium, inhaltlich aber auch für dich nützlich.
Die Technik bleibt gleich, das Umfeld nicht. Wer das Blutentnahme lernen in der Schweiz begonnen hat, muss im Ausland vor allem umdenken, nicht neu lernen. Drei Unterschiede solltest du einplanen:
Auf internistischen Stationen wirst du die Blutentnahme besonders oft sehen. Was dich dort sonst erwartet, beschreibt unser Beitrag zum Innere-Medizin-Praktikum im Ausland.
Die WHO bringt es in ihren Guidelines on Drawing Blood (2010) auf den Punkt: Jeder Schritt der Blutentnahme birgt Risiken, für Patientinnen und Patienten wie für das Personal. Patienten bekommen Hämatome, Mitarbeitende Nadelstichverletzungen, und beide können sich mit Hepatitis B, HIV, Syphilis oder Malaria anstecken.
Wie gross das Problem weltweit ist, zeigt eine WHO-Schätzung von 2003 zu Stichverletzungen beim Gesundheitspersonal. Je nach Region kommen auf jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter 0,2 bis 4,7 Stichverletzungen pro Jahr.
Für dich heisst das beim Blutentnahme lernen: Hepatitis-B-Impfung mit dokumentiertem Titer vor der Abreise, kein Recapping, Abwurfbehälter immer in Griffweite. Passiert trotzdem ein Stich, zählt jede Stunde. Was du dann tust, steht Schritt für Schritt in unserem Beitrag zur Nadelstichverletzung im Ausland.
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