
Krank im Auslandspraktikum: dein Plan für den Ernstfall
Krank im Auslandspraktikum: Was die Grundversicherung im Notfall ausserhalb EU und EFTA zahlt, wen du zuerst anrufst und wie du deine Kosten zurückholst.

Nils-Andre Stritt
9. September 2026

Ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland ist ein klinischer Einsatz auf einer internistischen Abteilung ausserhalb der Schweiz, je nach Ausbildungsstand als Famulatur, als Unterassistenzmonat oder als Hospitation. Die kurze Antwort für deine Planung: Nimm dir zwei bis drei Monate, kläre die Anrechnung schriftlich mit deiner eigenen Fakultät, bevor du buchst, und bereite dich fachlich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Infektionen vor. Genau diese drei Blöcke füllen im Gastspital den Alltag.
Geschrieben von MUDr. Amandeep Grewal, Ärztin bzw. Arzt im travel4med-Team, mit Schwerpunkt Reisemedizin und klinische Themen rund um Auslandseinsätze.
Ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland ist dein klinischer Einsatz auf einer konservativen Abteilung eines ausländischen Spitals. Du läufst Visite mit, nimmst Anamnesen auf, untersuchst, dokumentierst und besprichst Fälle mit der betreuenden Ärztin. Formal läuft das als Famulatur, als Unterassistenzmonat im Wahlstudienjahr oder als reine Hospitation.
Der Unterschied zu deiner Rotation in Bern oder Basel liegt nicht im Fach, sondern im Tempo und in den Mitteln. Auf einer internistischen Station in Sri Lanka, Nepal, auf Bali oder auf Sansibar kommen auf eine Ärztin deutlich mehr Betten. Die Labor- und Bildgebung ist begrenzt. Du lernst deshalb etwas, das dir kein Skills-Lab beibringt: aus Anamnese und Status eine Arbeitsdiagnose bauen und danach handeln.
Wenn du noch unschlüssig bist, ob dein Einsatz überhaupt als Unterassistenz oder eher als Famulatur läuft, hilft dir der Vergleich Famulatur oder Wahlstudienjahr im Ausland weiter.


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Weil die Fallzahl pro Ärztin höher ist und die Vorselektion fehlt. Patientinnen und Patienten kommen spät, oft ohne Vordiagnose, häufig mit mehreren Problemen gleichzeitig. Was du in einem Schweizer Ambulatorium in Einzelterminen siehst, läuft dort an einem Vormittag durch denselben Untersuchungsraum. Das erhöht deine Wiederholungszahl enorm.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, den viele unterschätzen. Weil das CT nicht um die Ecke steht, wird die klinische Untersuchung wieder zum wichtigsten Instrument. Du hörst Herzgeräusche, bis du sie erkennst. Du palpierst Lebern, bis du Grössen einschätzen kannst. Und du wirst gefragt, was du denkst, nicht was das Bild zeigt.
Ein drittes Argument ist schlicht der Zugang. Konservative Unterassistenzplätze an Schweizer Universitätsspitälern sind knapp und früh vergeben. Ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland verschafft dir Monate, die zu Hause gerade nicht frei sind, und zwar zu einem Zeitpunkt, den du selbst wählst.
In einem Innere-Medizin-Praktikum erwartet dich eine Mischung aus nichtübertragbaren Krankheiten und Infektionen, wobei die erste Gruppe die grössere ist. Nichtübertragbare Krankheiten töteten 2021 weltweit mindestens 43 Millionen Menschen, das entspricht 75 Prozent aller nicht pandemiebedingten Todesfälle. 73 Prozent dieser Todesfälle traten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf.
Konkret heisst das für deinen Stationsalltag: dekompensierte Herzinsuffizienz, entgleister Diabetes, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Schlaganfall, Niereninsuffizienz. Dazu kommen je nach Standort und Saison Infektionen wie Pneumonie, Tuberkulose oder Dengue. Die Mischung verschiebt sich mit dem Land, aber die internistische Grundstruktur bleibt überall gleich.
| Krankheitsgruppe | Todesfälle 2021 weltweit | Was du auf Station häufig siehst |
|---|---|---|
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | mindestens 19 Millionen | Hypertonie, Herzinsuffizienz, Schlaganfall |
| Krebserkrankungen | 10 Millionen | späte Erstdiagnosen, Palliativsituationen |
| Chronische Atemwegserkrankungen | 4 Millionen | COPD, Asthma, Folgen von Rauch und Kochfeuer |
| Diabetes | über 2 Millionen | Entgleisungen, Fusswunden, Nierenschäden |
Das legt jede Fakultät selbst fest, und die Unterschiede sind real. Die Medizinische Fakultät der Universität Zürich schreibt, dass du im 5. Studienjahr 3 der vorgeschriebenen 10 Monate deiner Unterassistenz im Ausland verbringen kannst, in begründeten Ausnahmefällen auch mehr. Für Bern, Basel und Genf gelten eigene Richtlinien.
Deshalb gilt für dein Innere-Medizin-Praktikum eine einfache Reihenfolge: zuerst die Richtlinien deiner eigenen Fakultät lesen, dann das Studiendekanat schriftlich fragen, dann buchen. Eine mündliche Zusage im Gang reicht nicht. Lass dir die Bestätigung per Mail geben und leg sie zu deinen Unterlagen.
| Frage | Wer entscheidet | Woran du dich hältst |
|---|---|---|
| Zählt der Monat als Unterassistenz? | deine eigene Fakultät | schriftliche Auskunft des Studiendekanats |
| Wie viele Auslandsmonate sind erlaubt? | deine eigene Fakultät | UZH nennt 3 von 10 Monaten, mehr nur im Ausnahmefall |
| Welches Gastspital wird akzeptiert? | deine eigene Fakultät | Vorgabe vor der Bewerbung einholen |
| Was steht am Ende auf dem Papier? | Gastspital und Fakultät gemeinsam | Testat vor der Heimreise abholen |
Mehr zum Ablauf und zu den Stolperstellen findest du im Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

Der Ablauf eines Innere-Medizin-Praktikums ist immer derselbe, egal ob du vier Wochen oder drei Monate bleibst. Wichtig ist nur, dass die Anrechnungsfrage vor der Buchung geklärt ist und nicht danach.
Für Schritt vier musst du nicht bei null anfangen. Die Vorlagen im Beitrag zur Bewerbung fürs Auslandspraktikum decken Lebenslauf und Anschreiben ab.
Du planst deine konservativen Monate gerade? travel4med organisiert Famulaturen, Unterassistenzen, Pflegepraktika, Hospitationen und PA-Praxisphasen an unseren Standorten auf Bali, Sansibar, Sri Lanka und in Nepal. Buch dir ein kostenloses Beratungsgespräch und klär deine Fragen zum Innere-Medizin-Praktikum in Ruhe mit uns.

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Fang für dein Innere-Medizin-Praktikum bei der Hypertonie an. 2024 hatten weltweit schätzungsweise 1.4 Milliarden Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren Bluthochdruck, das sind 33 Prozent dieser Altersgruppe. Zwei Drittel der Betroffenen leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Genau dort wirst du sie täglich sehen, oft spät und oft unbehandelt.
Zweites Thema: Diabetes. Die Zahl der Menschen mit Diabetes stieg laut WHO von 200 Millionen im Jahr 1990 auf 830 Millionen im Jahr 2022. Mehr als die Hälfte nahm 2022 keine Medikamente dagegen ein. Auf Station begegnen dir deshalb vor allem Spätfolgen und Entgleisungen, nicht die gut eingestellte Verlaufskontrolle.
Drittens die Infektionen. Frisch dein Wissen zu Pneumonie, Tuberkulose und den lokal relevanten Fiebererkrankungen auf, und kläre parallel deinen eigenen Schutz. Was du dafür brauchst, steht im Beitrag krank im Auslandspraktikum. Nimm ausserdem ein gutes Stethoskop, ein Blutdruckmessgerät und ein Pulsoxymeter mit. Beides ist vor Ort oft knapp.
Beides passt, aber nicht gleichzeitig und nicht beliebig. Ein Innere-Medizin-Praktikum stärkt Anamnese, Status, Differenzialdiagnose und Therapieführung. Ein chirurgischer Monat stärkt Handwerk, Assistenz und perioperatives Denken. Die meisten Fakultäten verlangen ohnehin beide Seiten, also entscheidet nicht das Fach, sondern deine Lücke.
Praktisch gilt: Wer im Gastspital viel selbst machen möchte, fährt mit einem Innere-Medizin-Praktikum meist besser, weil du dort vom ersten Tag an Patientinnen und Patienten zugeteilt bekommst. Willst du dagegen OP-Zeit, lies den Planungsguide zum Chirurgie-Praktikum. Und wenn dich der ambulante Blick reizt, ist die Hausarztmedizin-Famulatur im Ausland die dritte sinnvolle Variante.
Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Die Partnerspitäler von travel4med sind Regional- und Distriktspitäler, keine Universitätskliniken. Für ein Innere-Medizin-Praktikum ist das eher ein Vorteil, weil du näher an der Grundversorgung arbeitest. Ob dein Dekanat das anrechnet, entscheidet trotzdem allein dein Dekanat.
Mehr, als die meisten erwarten. In der Schweiz waren 2022 rund 2.7 Millionen Menschen ab 15 Jahren von mindestens einer der fünf häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten betroffen, also 37 Prozent der Bevölkerung. Knapp 60'000 Todesfälle pro Jahr werden diesen Krankheiten zugeschrieben, also mehr als 4 von 5 Todesfällen im Land.
Auch ökonomisch ist die Innere Medizin das Zentrum des Systems. Nichtübertragbare Krankheiten verursachten in der Schweiz 2022 direkte medizinische Kosten von CHF 65.7 Milliarden, ein Anteil von 72 Prozent an den gesamten Gesundheitskosten. Die Produktionsverluste lagen zusätzlich bei CHF 42.9 Milliarden.
Anders gesagt: Was du im Gastspital an Hypertonie, Herzinsuffizienz und Diabetes trainierst, ist genau das, was dich in jeder Schweizer Assistenzarztstelle erwartet. Nur hast du es früher und in grösserer Zahl gesehen. Das merkt man dir im Bewerbungsgespräch an, und zwar ohne dass du es betonen musst.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Überprüft wurden die medizinischen Angaben zu Krankheitsspektrum und Vorbereitung. Dieser Beitrag ist eine Orientierungshilfe und ersetzt keine verbindliche Auskunft deiner Fakultät.

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