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Innere-Medizin-Praktikum im Ausland: Guide für 2027

Celina Köhsl
Celina KöhslMedizinstudentin, Teammitglied von travel4med
  • 11. September 2026
  • 12 Minuten
Innere-Medizin-Praktikum im Ausland: Guide für 2027

Innere-Medizin-Praktikum im Ausland: so planst du deine konservativen Monate

Ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland ist ein klinischer Einsatz auf einer internistischen Abteilung ausserhalb der Schweiz, je nach Ausbildungsstand als Famulatur, als Unterassistenzmonat oder als Hospitation. Die kurze Antwort für deine Planung: Nimm dir zwei bis drei Monate, kläre die Anrechnung schriftlich mit deiner eigenen Fakultät, bevor du buchst, und bereite dich fachlich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Infektionen vor. Genau diese drei Blöcke füllen im Gastspital den Alltag.

Geschrieben von MUDr. Amandeep Grewal, Ärztin bzw. Arzt im travel4med-Team, mit Schwerpunkt Reisemedizin und klinische Themen rund um Auslandseinsätze.

Key Takeaways

  • Ein Innere-Medizin-Praktikum ist dein schnellster Weg zu eigener Verantwortung: Anamnese, Status und klinische Entscheidung stehen im Distriktspital im Vordergrund, weil die apparative Diagnostik dünner ist als in einem Schweizer Zentrumsspital.
  • Deine Fakultät entscheidet, nicht wir: Die UZH erlaubt, 3 der vorgeschriebenen 10 Monate Unterassistenz im Ausland zu absolvieren, in begründeten Ausnahmefällen auch mehr (med.uzh.ch, abgerufen 11.09.2026). Bern, Basel und Genf regeln das je eigenständig.
  • Das Krankheitsspektrum ist längst nicht mehr «tropisch»: Nichtübertragbare Krankheiten verursachten 2021 weltweit mindestens 43 Millionen Todesfälle, und 73 Prozent davon entfielen auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen (WHO, 25.09.2025).
  • Bluthochdruck ist das Leitthema: 2024 hatten rund 1.4 Milliarden Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren Hypertonie, und etwa 600 Millionen von ihnen wussten nichts davon (WHO, 25.09.2025).
  • Der Nutzen bleibt auch daheim: In der Schweiz waren 2022 rund 2.7 Millionen Menschen ab 15 Jahren von mindestens einer der fünf häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten betroffen, also 37 Prozent der Bevölkerung (BAG, Stand 2022).

Was ist ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland genau?

Ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland ist dein klinischer Einsatz auf einer konservativen Abteilung eines ausländischen Spitals. Du läufst Visite mit, nimmst Anamnesen auf, untersuchst, dokumentierst und besprichst Fälle mit der betreuenden Ärztin. Formal läuft das als Famulatur, als Unterassistenzmonat im Wahlstudienjahr oder als reine Hospitation.

Der Unterschied zu deiner Rotation in Bern oder Basel liegt nicht im Fach, sondern im Tempo und in den Mitteln. Auf einer internistischen Station in Sri Lanka, Nepal, auf Bali oder auf Sansibar kommen auf eine Ärztin deutlich mehr Betten. Die Labor- und Bildgebung ist begrenzt. Du lernst deshalb etwas, das dir kein Skills-Lab beibringt: aus Anamnese und Status eine Arbeitsdiagnose bauen und danach handeln.

Wenn du noch unschlüssig bist, ob dein Einsatz überhaupt als Unterassistenz oder eher als Famulatur läuft, hilft dir der Vergleich Famulatur oder Wahlstudienjahr im Ausland weiter.

Einfaches Patientenzimmer mit Bett und Stuhl, wie es auf internistischen Stationen in Regional- und Distriktspitälern üblich ist

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Warum siehst du auf einer internistischen Station im Distriktspital mehr?

Weil die Fallzahl pro Ärztin höher ist und die Vorselektion fehlt. Patientinnen und Patienten kommen spät, oft ohne Vordiagnose, häufig mit mehreren Problemen gleichzeitig. Was du in einem Schweizer Ambulatorium in Einzelterminen siehst, läuft dort an einem Vormittag durch denselben Untersuchungsraum. Das erhöht deine Wiederholungszahl enorm.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den viele unterschätzen. Weil das CT nicht um die Ecke steht, wird die klinische Untersuchung wieder zum wichtigsten Instrument. Du hörst Herzgeräusche, bis du sie erkennst. Du palpierst Lebern, bis du Grössen einschätzen kannst. Und du wirst gefragt, was du denkst, nicht was das Bild zeigt.

Ein drittes Argument ist schlicht der Zugang. Konservative Unterassistenzplätze an Schweizer Universitätsspitälern sind knapp und früh vergeben. Ein Innere-Medizin-Praktikum im Ausland verschafft dir Monate, die zu Hause gerade nicht frei sind, und zwar zu einem Zeitpunkt, den du selbst wählst.

Welche Krankheitsbilder erwarten dich konkret?

In einem Innere-Medizin-Praktikum erwartet dich eine Mischung aus nichtübertragbaren Krankheiten und Infektionen, wobei die erste Gruppe die grössere ist. Nichtübertragbare Krankheiten töteten 2021 weltweit mindestens 43 Millionen Menschen, das entspricht 75 Prozent aller nicht pandemiebedingten Todesfälle. 73 Prozent dieser Todesfälle traten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf.

Todesfaelle durch nichtuebertragbare Krankheiten weltweit, 2021 Vier Balken zeigen die Zahl der Todesfaelle nach Krankheitsgruppe im Jahr 2021: Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindestens 19 Millionen, Krebserkrankungen 10 Millionen, chronische Atemwegserkrankungen 4 Millionen, Diabetes ueber 2 Millionen. Datenbasis ist das WHO Fact Sheet zu nichtuebertragbaren Krankheiten vom 25. September 2025. Todesfaelle durch nichtuebertragbare Krankheiten (2021, in Millionen) 19 Mio. Herz und Kreislauf 10 Mio. Krebs 4 Mio. chronische Atemwege 2 Mio. Diabetes Quelle: WHO, Fact Sheet Noncommunicable diseases, 25.09.2025
Todesfälle nach Krankheitsgruppe im Jahr 2021 laut dem WHO-Faktenblatt zu nichtübertragbaren Krankheiten vom 25.09.2025. Die WHO nennt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen «mindestens 19 Millionen» und für Diabetes «über 2 Millionen».

Konkret heisst das für deinen Stationsalltag: dekompensierte Herzinsuffizienz, entgleister Diabetes, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Schlaganfall, Niereninsuffizienz. Dazu kommen je nach Standort und Saison Infektionen wie Pneumonie, Tuberkulose oder Dengue. Die Mischung verschiebt sich mit dem Land, aber die internistische Grundstruktur bleibt überall gleich.

KrankheitsgruppeTodesfälle 2021 weltweitWas du auf Station häufig siehst
Herz-Kreislauf-Erkrankungenmindestens 19 MillionenHypertonie, Herzinsuffizienz, Schlaganfall
Krebserkrankungen10 Millionenspäte Erstdiagnosen, Palliativsituationen
Chronische Atemwegserkrankungen4 MillionenCOPD, Asthma, Folgen von Rauch und Kochfeuer
Diabetesüber 2 MillionenEntgleisungen, Fusswunden, Nierenschäden

Wie viele Auslandsmonate rechnet deine Fakultät an?

Das legt jede Fakultät selbst fest, und die Unterschiede sind real. Die Medizinische Fakultät der Universität Zürich schreibt, dass du im 5. Studienjahr 3 der vorgeschriebenen 10 Monate deiner Unterassistenz im Ausland verbringen kannst, in begründeten Ausnahmefällen auch mehr. Für Bern, Basel und Genf gelten eigene Richtlinien.

Deshalb gilt für dein Innere-Medizin-Praktikum eine einfache Reihenfolge: zuerst die Richtlinien deiner eigenen Fakultät lesen, dann das Studiendekanat schriftlich fragen, dann buchen. Eine mündliche Zusage im Gang reicht nicht. Lass dir die Bestätigung per Mail geben und leg sie zu deinen Unterlagen.

FrageWer entscheidetWoran du dich hältst
Zählt der Monat als Unterassistenz?deine eigene Fakultätschriftliche Auskunft des Studiendekanats
Wie viele Auslandsmonate sind erlaubt?deine eigene FakultätUZH nennt 3 von 10 Monaten, mehr nur im Ausnahmefall
Welches Gastspital wird akzeptiert?deine eigene FakultätVorgabe vor der Bewerbung einholen
Was steht am Ende auf dem Papier?Gastspital und Fakultät gemeinsamTestat vor der Heimreise abholen

Mehr zum Ablauf und zu den Stolperstellen findest du im Leitfaden zum klinischen Wahlstudienjahr im Ausland.

Wartebereich mit leeren Stuhlreihen vor einer Ambulanz, wie du ihn vor internistischen Sprechstunden im Gastspital antriffst

In sieben Schritten zum Innere-Medizin-Praktikum im Gastspital

Der Ablauf eines Innere-Medizin-Praktikums ist immer derselbe, egal ob du vier Wochen oder drei Monate bleibst. Wichtig ist nur, dass die Anrechnungsfrage vor der Buchung geklärt ist und nicht danach.

  1. Richtlinien lesen: Hol dir die aktuellen Wahlstudienjahr-Richtlinien deiner Fakultät und markiere alles, was Auslandsmonate betrifft.
  2. Studiendekanat schriftlich fragen: Nenne Land, Spital, Abteilung und Zeitraum. Bitte um eine Antwort per Mail, nicht am Telefon.
  3. Zeitfenster festlegen: Plane rückwärts von der eidgenössischen Prüfung und lass Puffer für Visum und Impfungen.
  4. Bewerbung aufsetzen: Lebenslauf, Motivationsschreiben und Immatrikulationsbestätigung auf Englisch, als ein einziges PDF.
  5. Lernziele definieren: Schreib drei konkrete Ziele auf, etwa Auskultationsbefunde, Diabeteseinstellung, Führen einer eigenen kleinen Patientengruppe.
  6. Vor Ort Zuständigkeiten klären: Kläre in der ersten Woche, wer dein Testat unterschreibt und wer fachlich für dich zuständig ist.
  7. Am letzten Tag abholen: Testat und Bestätigung mit Stempel, Datum und Unterschrift einsammeln, bevor du abreist.

Für Schritt vier musst du nicht bei null anfangen. Die Vorlagen im Beitrag zur Bewerbung fürs Auslandspraktikum decken Lebenslauf und Anschreiben ab.

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Was frischst du vor der Abreise fachlich auf?

Fang für dein Innere-Medizin-Praktikum bei der Hypertonie an. 2024 hatten weltweit schätzungsweise 1.4 Milliarden Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren Bluthochdruck, das sind 33 Prozent dieser Altersgruppe. Zwei Drittel der Betroffenen leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Genau dort wirst du sie täglich sehen, oft spät und oft unbehandelt.

Hypertonie weltweit: von der Betroffenheit bis zur Kontrolle Vier Balken zeigen Anteile zur Hypertonie im Jahr 2024: 33 Prozent der Erwachsenen zwischen 30 und 79 Jahren sind betroffen, 44 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung, 44 Prozent sind diagnostiziert und behandelt, 23 Prozent haben den Blutdruck unter Kontrolle. Datenbasis ist das WHO Fact Sheet Hypertension vom 25. September 2025. Hypertonie weltweit, 2024 (Anteile in Prozent) 33 % betroffen (30 bis 79 Jahre) 44 % wissen nichts davon 44 % diagnostiziert und behandelt 23 % unter Kontrolle Quelle: WHO, Fact Sheet Hypertension, 25.09.2025
Anteile zur Hypertonie laut dem WHO-Faktenblatt Hypertension vom 25.09.2025. Der erste Balken bezieht sich auf alle Erwachsenen zwischen 30 und 79 Jahren, die drei folgenden auf die Gruppe der Betroffenen.

Zweites Thema: Diabetes. Die Zahl der Menschen mit Diabetes stieg laut WHO von 200 Millionen im Jahr 1990 auf 830 Millionen im Jahr 2022. Mehr als die Hälfte nahm 2022 keine Medikamente dagegen ein. Auf Station begegnen dir deshalb vor allem Spätfolgen und Entgleisungen, nicht die gut eingestellte Verlaufskontrolle.

Drittens die Infektionen. Frisch dein Wissen zu Pneumonie, Tuberkulose und den lokal relevanten Fiebererkrankungen auf, und kläre parallel deinen eigenen Schutz. Was du dafür brauchst, steht im Beitrag krank im Auslandspraktikum. Nimm ausserdem ein gutes Stethoskop, ein Blutdruckmessgerät und ein Pulsoxymeter mit. Beides ist vor Ort oft knapp.

Innere Medizin oder Chirurgie: was passt besser ins Wahlstudienjahr?

Beides passt, aber nicht gleichzeitig und nicht beliebig. Ein Innere-Medizin-Praktikum stärkt Anamnese, Status, Differenzialdiagnose und Therapieführung. Ein chirurgischer Monat stärkt Handwerk, Assistenz und perioperatives Denken. Die meisten Fakultäten verlangen ohnehin beide Seiten, also entscheidet nicht das Fach, sondern deine Lücke.

Praktisch gilt: Wer im Gastspital viel selbst machen möchte, fährt mit einem Innere-Medizin-Praktikum meist besser, weil du dort vom ersten Tag an Patientinnen und Patienten zugeteilt bekommst. Willst du dagegen OP-Zeit, lies den Planungsguide zum Chirurgie-Praktikum. Und wenn dich der ambulante Blick reizt, ist die Hausarztmedizin-Famulatur im Ausland die dritte sinnvolle Variante.

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Die Partnerspitäler von travel4med sind Regional- und Distriktspitäler, keine Universitätskliniken. Für ein Innere-Medizin-Praktikum ist das eher ein Vorteil, weil du näher an der Grundversorgung arbeitest. Ob dein Dekanat das anrechnet, entscheidet trotzdem allein dein Dekanat.

Was bringt dir ein Innere-Medizin-Praktikum zurück in der Schweiz?

Mehr, als die meisten erwarten. In der Schweiz waren 2022 rund 2.7 Millionen Menschen ab 15 Jahren von mindestens einer der fünf häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten betroffen, also 37 Prozent der Bevölkerung. Knapp 60'000 Todesfälle pro Jahr werden diesen Krankheiten zugeschrieben, also mehr als 4 von 5 Todesfällen im Land.

Auch ökonomisch ist die Innere Medizin das Zentrum des Systems. Nichtübertragbare Krankheiten verursachten in der Schweiz 2022 direkte medizinische Kosten von CHF 65.7 Milliarden, ein Anteil von 72 Prozent an den gesamten Gesundheitskosten. Die Produktionsverluste lagen zusätzlich bei CHF 42.9 Milliarden.

Anders gesagt: Was du im Gastspital an Hypertonie, Herzinsuffizienz und Diabetes trainierst, ist genau das, was dich in jeder Schweizer Assistenzarztstelle erwartet. Nur hast du es früher und in grösserer Zahl gesehen. Das merkt man dir im Bewerbungsgespräch an, und zwar ohne dass du es betonen musst.

Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Überprüft wurden die medizinischen Angaben zu Krankheitsspektrum und Vorbereitung. Dieser Beitrag ist eine Orientierungshilfe und ersetzt keine verbindliche Auskunft deiner Fakultät.

Häufig gestellte Fragen

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Quellen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO), Fact Sheet Noncommunicable diseases, mindestens 43 Millionen Todesfälle 2021, 75 Prozent aller nicht pandemiebedingten Todesfälle, 73 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, Herz-Kreislauf mindestens 19 Millionen, Krebs 10 Millionen, chronische Atemwegserkrankungen 4 Millionen, Diabetes über 2 Millionen (25.09.2025): who.int
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO), Fact Sheet Hypertension, 1.4 Milliarden Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren im Jahr 2024, 33 Prozent dieser Altersgruppe, zwei Drittel in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, 600 Millionen ohne Kenntnis der Diagnose, 630 Millionen diagnostiziert und behandelt, 320 Millionen kontrolliert (25.09.2025): who.int
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO), Fact Sheet Diabetes, Anstieg von 200 Millionen im Jahr 1990 auf 830 Millionen im Jahr 2022, mehr als die Hälfte ohne medikamentöse Therapie im Jahr 2022 (14.11.2024): who.int
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG), Zahlen und Fakten zu nichtübertragbaren Krankheiten, 2.7 Millionen Betroffene ab 15 Jahren im Jahr 2022, 37 Prozent der Bevölkerung, knapp 60'000 Todesfälle pro Jahr, direkte medizinische Kosten von CHF 65.7 Milliarden und 72 Prozent Anteil an den Gesundheitskosten, indirekte Kosten von CHF 42.9 Milliarden (Stand 2022, abgerufen 11.09.2026): bag.admin.ch
  • Medizinische Fakultät der Universität Zürich, Mobilität und internationaler Austausch, 3 der vorgeschriebenen 10 Monate Unterassistenz im Ausland, in begründeten Ausnahmefällen auch mehr (abgerufen 11.09.2026): med.uzh.ch