Famulatur in der Schweiz – was du wissen musst (Begriff, Regeln, Ausland)
Eine Famulatur im deutschen Sinn – ein gesetzlich festgelegtes Pflichtpraktikum mit fester Dauer – gibt es im Schweizer Medizinstudium nicht. Deine klinische Praxiszeit regelt deine Fakultät: über Pflegepraktikum, Praktika in Grundversorgung und Klinik und vor allem das Wahlstudienjahr als Unterassistent:in. Hier erfährst du, was wo gilt und wie eine freiwillige Famulatur im Ausland dazupasst. 🩺
Zuletzt aktualisiert: 07.10.2026 · Autor: MUDr. Andreas Zehetner, Arzt (MUDr., entspricht dem MD) und Co-Founder von travel4med
Das Wichtigste in Kürze 👩⚕️
Definition: „Famulatur“ ist in der Schweiz kein national geregelter Begriff; das Medizinalberufegesetz (MedBG) legt nur Ausbildungsziele fest.
Praxiszeit: Jede Fakultät regelt Pflegepraktikum, klinische Praktika und Wahlstudienjahr selbst.
Wahlstudienjahr: an der Universität Zürich z. B. 9 Monate klinische Tätigkeit als Unterassistent:in.
Vergleich: Deutschland 4 Monate Famulatur, Österreich 12 Wochen (Innsbruck 18).
Ausland: im Wahlstudienjahr an der UZH bis zu 3 Monate; freiwillige Zusatzpraktika jederzeit möglich.
Was ist eine Famulatur – und gibt es sie in der Schweiz?
Eine Famulatur ist ein klinisches Praktikum, in dem Medizinstudierende unter ärztlicher Aufsicht im Spital oder in der Praxis mitarbeiten. In Deutschland ist sie mit vier Monaten gesetzlich vorgeschrieben. In der Schweiz gibt es keine vergleichbare Vorschrift: Das MedBG definiert Ausbildungsziele, die Umsetzung überlässt der Bund den Universitäten.
Der Begriff kommt vom lateinischen famulus, „Gehilfe“. Im Schweizer Sprachgebrauch taucht er trotzdem auf – vor allem, weil viele Studierende aus Deutschland in Schweizer Spitälern famulieren. Manche Spitäler führen ihre Stellen deshalb unter „Unterassistenz / Famulatur / Wahlstudienjahr“. Das Universitätsspital Zürich schreibt dagegen offen: „Famulaturen können praktisch keine angeboten werden“ – seine Plätze sind auf Unterassistenzen im Wahlstudienjahr ausgerichtet (USZ).
Für dich heisst das: Entscheidend ist nicht der Begriff, sondern was dein Studienreglement als Pflicht vorsieht – und was freiwillig bleibt.
Wie lange dauert eine Famulatur in der Schweiz?
Eine feste Dauer gibt es nicht, weil die Schweiz keine national geregelte Famulatur kennt. Vergleichbar ist am ehesten die Praxiszeit deiner Fakultät, allen voran das Wahlstudienjahr. An der Universität Zürich umfasst es 9 Monate klinische Tätigkeit in Blöcken von mindestens einem Monat. Zum Vergleich: Deutschland verlangt 4 Monate Famulatur, Österreich 12 Wochen.
Schweiz
Deutschland
Österreich
Famulatur gesetzlich geregelt?
nein
ja, § 7 ÄApprO
ja, im Curriculum jeder Uni
Dauer
keine feste Famulatur; Wahlstudienjahr z. B. UZH 9 Monate
4 Monate
12 Wochen (Innsbruck 18)
Wer entscheidet über Anrechnung?
deine Fakultät
Landesprüfungsamt
Studienabteilung der Uni
Ausland
je nach Fakultät, UZH-WSJ bis 3 Monate
ambulant und stationär möglich
je nach Uni, teils begrenzt
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Wann sammelst du in der Schweiz klinische Erfahrung?
Die Praxiszeit verteilt sich über das ganze Studium. Je nach Fakultät beginnst du mit einem Pflegepraktikum im Bachelor, sammelst in den klinischen Jahren Erfahrung in Grundversorgung und Spital und arbeitest im Wahlstudienjahr des Masters ganztägig als Unterassistent:in mit.
Pflegepraktikum – an der Universität Basel 4 Wochen, Nachweis bis zum Herbstsemester des 2. Bachelorjahres
Praktika in Grundversorgung und Klinik – während Bachelor und Master, je nach Fakultät
Wahlstudienjahr (WSJ) – im Master, als Unterassistent:in im Spital oder in der Praxis
Eidgenössische Prüfung – Abschluss des Studiums
Die Pflegepraktikum-Regel unterscheidet sich je nach Universität. Prüf deshalb immer das Reglement deiner Fakultät, bevor du planst.
Welche Formen der Praxiszeit gibt es?
Statt einer einzigen „Famulatur“ kennt das Schweizer Medizinstudium mehrere Bausteine: das Pflegepraktikum, Praktika in Hausarztpraxis und Spital während des Studiums sowie das Wahlstudienjahr mit Unterassistenzen. Dazu kommen freiwillige Praktika im In- oder Ausland, die du zusätzlich planen kannst.
Pflegepraktikum
Das Pflegepraktikum ist der Baustein, der dem deutschen Krankenpflegedienst am nächsten kommt. Die Universität Basel verlangt zum Beispiel ein vierwöchiges Pflegepraktikum. Andere Fakultäten regeln das anders – teils gibt es keine Pflicht.
Praktika in Grundversorgung und Spital
Während Bachelor und Master lernst du in Hausarztpraxen und Spitalabteilungen den klinischen Alltag kennen. Umfang und Form legt deine Fakultät fest.
Wahlstudienjahr und Unterassistenz
Das Wahlstudienjahr ist der praxisintensivste Abschnitt. An der UZH umfasst es 9 Monate klinische Tätigkeit: mindestens 3 Monate Innere Medizin, Pädiatrie oder Grundversorgung, mindestens 2 Monate Chirurgie und mindestens 2 Monate in einem Wahlfach. Mehr dazu in unserem Guide zum Wahlstudienjahr im Ausland.
Was macht man als Famulant:in oder Unterassistent:in?
Du arbeitest im ärztlichen Team mit: Du erhebst Anamnesen, untersuchst Patient:innen, nimmst Blut ab, legst Venenzugänge, gehst mit auf Visite und stellst Fälle vor. Alles passiert unter Aufsicht. Als Unterassistent:in im Wahlstudienjahr übernimmst du meist mehr Verantwortung als bei einem kurzen freiwilligen Praktikum.
Mein Tipp aus eigener Erfahrung: Frag am ersten Tag aktiv, welche Aufgaben du übernehmen darfst – so lernst du in wenigen Wochen am meisten.
Wird die Praxiszeit bezahlt?
Das ist unterschiedlich. Ob und wie viel ein Spital für eine Unterassistenz zahlt, entscheidet das Spital – frag direkt bei deiner Wunscheinrichtung nach. Freiwillige Praktika im Ausland sind in der Regel unbezahlt; plan dafür mit Kosten für Reise, Unterkunft, Versicherung und Impfungen.
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In der Schweiz entscheidet deine Fakultät bzw. dein Studiendekanat auf Basis des Studienreglements – es gibt kein Landesprüfungsamt wie in Deutschland. Das gilt für Pflegepraktikum, klinische Praktika und Wahlstudienjahr. Kläre deshalb jede Auslandsplanung vorab schriftlich mit deiner Fakultät.
Für eine Bestätigung brauchst du in der Regel:
Name der Einrichtung und Abteilung
exakten Zeitraum (von – bis)
Fachgebiet und Tätigkeiten
Unterschrift der verantwortlichen Ärzt:in
Stempel der Einrichtung
Für das Wahlstudienjahr an der UZH gilt: Universitäts- und Lehrspitäler werden ohne vorherigen Antrag anerkannt; andere Einrichtungen brauchen eine schriftliche Genehmigung.
Famulatur im Ausland – geht das als Schweizer Student:in?
Ja, auf zwei Wegen: als Teil deines Wahlstudienjahrs oder als freiwilliges Zusatzpraktikum. An der UZH sind im Wahlstudienjahr bis zu 3 Monate im Ausland möglich, mit Genehmigung auch mehr; ein Auslandsblock muss mindestens 4 Arbeitswochen dauern. Freiwillige Praktika kannst du flexibel in die Semesterferien legen.
Famulaturen im Ausland werden anerkannt, wenn die Einrichtungen bestimmte Kriterien erfüllen. Das hängt von deiner Fakultät und der Klinik ab – wir helfen dir, das vorab zu klären.
Rechnerisch heisst das für die UZH: 3 von 9 Monaten – also rund 33 % deiner klinischen Wahlstudienjahr-Zeit – kannst du ohne Zusatzantrag im Ausland verbringen.
Warum ins Ausland? Du siehst Krankheitsbilder, die du zu Hause kaum erlebst, arbeitest in einem anderen Gesundheitssystem und trainierst medizinisches Englisch. Dazu kommt das, was diese Wochen unvergesslich macht: Kultur, Land und Leute. Medizin trifft Abenteuer.
Mit travel4med kannst du an vier Standorten Praxiserfahrung sammeln: Bali (RSU Bangli Hospital), Sansibar (Lumumba Regional Hospital), Sri Lanka (Galle) und Nepal (Pokhara). Praktika beginnen immer montags. Reisemedizinische Empfehlungen für die Schweiz findest du bei healthytravel.ch, internationale Infos bei der WHO. Alles zu Ablauf und Leistungen: Klinisches Praktikum im Ausland und Unterassistenz im Ausland.
Famulatur vs. Wahlstudienjahr vs. Pflegepraktikum
Die deutsche Famulatur, das Schweizer Wahlstudienjahr und das Pflegepraktikum sind drei unterschiedliche Praxisformate. Das Pflegepraktikum steht am Studienanfang, das Wahlstudienjahr bildet den praxisintensiven Kern des Masters. Eine Famulatur nach deutschem Vorbild ist für Schweizer Studierende vor allem als freiwillige Zusatzerfahrung relevant.
Plan rückwärts: erst klären, was dein Reglement verlangt und anerkennt, dann Zeitfenster, Fach und Ort wählen, dann bewerben. Beliebte Plätze sind oft Monate im Voraus vergeben. Diese Checkliste hilft dir.
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