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Medizinstudium ohne Abitur: Schweizer Weg über Passerelle

MUDr. Andreas Zehetner

MUDr. Andreas Zehetner

Arzt, Co-Founder von travel4med

  • 10. August 2026
  • 9 Minuten
Medizinstudium ohne Abitur: Schweizer Weg über Passerelle

Medizinstudium ohne Abitur: Der Schweizer Weg über Berufsmatura, Passerelle und EMS

Was viele beim Suchbegriff "Medizinstudium ohne Abitur" übersehen: Die Schweiz kennt gar kein Abitur. Das deutsche Pendant heisst hierzulande gymnasiale Matura, und der Zugang zum Medizinstudium läuft strukturell anders als in Deutschland – nicht über eine Abitur-Durchschnittsnote und einen bundesweiten Numerus-clausus-Wert, sondern über die Berufsmaturität mit Ergänzungsprüfung Passerelle und den zentralen Eignungstest für das Medizinstudium (EMS). Wer ohne klassische gymnasiale Matura Medizin studieren will, hat auch hier einen real gangbaren, gut dokumentierten Weg – er sieht nur anders aus, als der deutsche Suchbegriff vermuten lässt. Dieser Guide erklärt, wie dieser Weg in der Schweiz 2026 tatsächlich funktioniert.

Key Takeaways

  • Die Schweiz hat kein Abitur-System – das Äquivalent heisst gymnasiale Matura, ergänzt um die Berufsmaturität (BM) und die Fachmaturität (FM).

  • Wer Berufsmaturität oder Fachmaturität, aber keine gymnasiale Matura hat, kann über die Ergänzungsprüfung Passerelle ein Zeugnis erwerben, das einer gymnasialen Matura gleichwertig ist und Zugang zu Universitäten, ETH und PH öffnet.

  • Die Passerelle prüft 5 Fachbereiche (Erstsprache, Zweitsprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Geistes-/Sozialwissenschaften) nach rund 30 Wochenstunden Vorbereitung über ein Jahr.

  • Anders als in Deutschland gibt es danach keine eigene Quote für beruflich Qualifizierte: Nach bestandener Passerelle konkurrierst du für Medizin ganz normal über den EMS wie alle anderen – dort erreichen jährlich nur die besten 35 % der rund 3'500 Kandidat:innen einen Studienplatz.

  • Nicht alle Medizinfakultäten akzeptieren diesen Weg gleich: Basel, Bern, Freiburg, Zürich, USI und ETH Zürich verlangen den EMS; Genf, Lausanne und Neuenburg verzichten auf den EMS, selektionieren aber hart am Ende des ersten Studienjahres.

Medizinstudium ohne Abitur: Gibt es in der Schweiz überhaupt ein Abitur-Äquivalent?

Nein – und das ist der wichtigste Unterschied zum deutschen System. Die Schweiz kennt kein Abitur, sondern die gymnasiale Matura, die nach einer gymnasialen Mittelschule erworben wird. Daneben existieren die Berufsmaturität (parallel oder nach einer Berufslehre) und die Fachmaturität (nach der Fachmittelschule) – beide sind eigenständige, aber gegenüber der gymnasialen Matura zunächst eingeschränkte Abschlüsse, wenn es um den Zugang zu universitären Hochschulen geht.

Für ein Medizinstudium ohne Abitur im eigentlichen deutschen Sinn – also ohne klassische, gymnasiale Matura – bedeutet das: Es gibt keinen direkten Automatismus wie beim deutschen KMK-Rahmenbeschluss für beruflich Qualifizierte. Wer nach „Medizinstudium ohne Abitur Schweiz" sucht, landet deshalb schnell bei einem missverständlichen Suchbegriff. Stattdessen führt der Weg über eine zusätzliche Prüfung, die Passerelle.

Person macht sich Notizen mit farbigen Stiften als Sinnbild für die Vorbereitung auf die Passerelle-Ergänzungsprüfung für das Medizinstudium ohne gymnasiale Matura

Die Passerelle-Ergänzungsprüfung ersetzt in der Schweiz die fehlende gymnasiale Matura für den Hochschulzugang.

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Wie kommst du über die Passerelle ohne gymnasiale Matura ins Medizinstudium?

Mit einer Berufsmaturität oder Fachmaturität öffnet dir die Ergänzungsprüfung Passerelle den Weg zu allen Bachelorstudiengängen an universitären Hochschulen – einschliesslich Medizin – sowie zu den Pädagogischen Hochschulen. Das Zeugnis über die bestandene Ergänzungsprüfung gilt dabei als gleichwertig mit einer gymnasialen Maturität.

Die Passerelle prüft fünf Fachbereiche: die erste Landessprache (Deutsch, Französisch oder Italienisch), eine zweite Sprache (eine weitere Landessprache oder Englisch), Mathematik, Naturwissenschaften (Biologie, Chemie und Physik) sowie Geistes- und Sozialwissenschaften (Geschichte und Geografie). Die ersten drei Fachbereiche werden mündlich und schriftlich geprüft, die letzten beiden nur schriftlich. Für die Vorbereitung empfehlen Anbieter einen wöchentlichen Aufwand von mindestens 30 Stunden für Unterricht und Selbststudium über rund ein Jahr – du kannst dich sowohl an einer vorbereitenden Schule als auch im Selbststudium vorbereiten.

Wichtig: Nicht alle Medizinfakultäten akzeptieren den Berufsmatura-plus-Passerelle-Weg automatisch gleich. Kläre deshalb vor der Anmeldung direkt bei deiner Wunschuniversität, ob dein konkreter Bildungsweg zugelassen wird.

Gibt es in der Schweiz eine eigene Quote wie in Deutschland?

Nein – und das ist ein zentraler struktureller Unterschied zum deutschen System. In Deutschland konkurrieren beruflich Qualifizierte in einer eigenen zusätzlichen Eignungsquote (zEQ, 10 % der Plätze) neben der Abiturbestenquote und dem Auswahlverfahren der Hochschulen. Die Schweiz kennt keine vergleichbare dritte Quote für beruflich Qualifizierte im Medizinstudium.

Sobald du die Passerelle bestanden hast, giltst du als gleichwertig zu einer Person mit gymnasialer Matura und konkurrierst für einen Medizinstudienplatz genau gleich wie alle anderen – über den zentralen Eignungstest für das Medizinstudium (EMS). Der EMS prüft Denkfähigkeit, Gedächtnis, Konzentration, Textverständnis und räumliches Vorstellungsvermögen statt reinem Fachwissen. Jährlich nehmen rund 3'500 Personen teil, aber nur die besten 35 % erhalten einen der rund 1'200 Studienplätze an den EMS-Universitäten. Dein Bildungsweg vor der Passerelle spielt für das EMS-Ergebnis selbst keine Rolle mehr – die Vorbereitung ist für alle identisch.

Diese Beobachtung deckt sich mit internationaler Bildungsforschung: Die OECD verweist in ihrem Bericht „Pathways to Professions" (2022) auf die wachsende Bedeutung alternativer, nicht-traditioneller Zugangswege zur Tertiärstufe für Absolvent:innen der Berufsbildung (OECD, 2022) – ein Muster, das sich in der Schweizer Passerelle widerspiegelt, auch wenn die konkrete Ausgestaltung national unterschiedlich ist.

Welche Universitäten akzeptieren welchen Zugangsweg?

Hier unterscheidet sich die Schweiz noch einmal deutlich von Deutschland: Nicht jede Schweizer Medizinfakultät verlangt den EMS. An den Universitäten Basel, Bern, Freiburg, Zürich, der Università della Svizzera italiana (USI) und der ETH Zürich ist der EMS als Zulassungskriterium für Medizin obligatorisch. An den Universitäten Genf, Lausanne und Neuenburg entfällt der EMS dagegen – dort ist das erste Studienjahr offener zugänglich, dafür entscheidet eine strenge Selektionsprüfung am Ende des ersten Jahres, ob du ins zweite Studienjahr aufsteigen darfst.

Hochschule

EMS erforderlich?

Selektionsmechanismus

Basel, Bern, Freiburg, Zürich, USI, ETH Zürich

Ja

EMS vor Studienbeginn

Genf, Lausanne, Neuenburg

Nein

Harte Selektionsprüfung am Ende des 1. Studienjahres

Für dich bedeutet das: Wenn du über Berufsmatura und Passerelle einsteigst, aber ein enttäuschendes EMS-Ergebnis befürchtest, kann ein Blick auf die welschen Universitäten ohne EMS-Pflicht eine echte Alternative sein – setzt aber voraus, dass du das erste Studienjahr fachlich und sprachlich (meist Französisch) bewältigst. Mehr zu den Kostenfolgen eines Studienwegs im Ausland, falls auch das eine Option für dich ist, liest du in unserem Beitrag zu Kosten und Finanzierung eines Medizinstudiums im Ausland.

Wie bereitest du dich auf Passerelle und EMS vor?

Beide Prüfungen verlangen einen langen Vorlauf, den du realistisch einplanen solltest. Für die Passerelle brauchst du laut Anbietern rund ein Jahr mit etwa 30 Wochenstunden Aufwand; für den EMS empfiehlt sich eine strukturierte Vorbereitung über mehrere Monate, da der Test Denkleistung statt Faktenwissen prüft.

  1. Zugangsweg klären: Prüfe, ob deine Berufsmaturität oder Fachmaturität für die Passerelle zugelassen ist und ob deine Wunschuniversität diesen Weg akzeptiert.

  2. Passerelle-Vorbereitung planen: Entscheide dich für Selbststudium oder einen vorbereitenden Kurs und plane rund 30 Wochenstunden über ein Jahr ein.

  3. Anmeldung bei swissuniversities: Melde dich fristgerecht über die zentrale Plattform MEDON für das Medizinstudium an.

  4. EMS-Anmeldung nicht vergessen: Die Anmeldung zum EMS selbst läuft separat und ist fristgebunden – informiere dich frühzeitig über die genauen Termine.

  5. Alternative Hochschulen prüfen: Behalte Genf, Lausanne und Neuenburg als Optionen ohne EMS-Pflicht im Blick, falls dein EMS-Ergebnis knapp ausfällt.

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Lohnt sich Auslandserfahrung während der Vorbereitung?

Ein komplettes Medizinstudium im Ausland erfordert später zwingend eine Anerkennung des ausländischen Abschlusses durch die MEBEKO, was den Prozess verlängern kann – mehr dazu in unserem Beitrag zum Wahlstudienjahr im Ausland. Ein einzelnes klinisches Praktikum im Ausland funktioniert davon unabhängig und kann deine Bewerbung sinnvoll ergänzen, auch wenn es keine formale Zulassungsvoraussetzung ersetzt.

Wenn du bereits im Gesundheitswesen arbeitest, etwa während deiner Berufsmaturität in einem medizinischen Beruf, kann ein Pflegepraktikum im Ausland oder eine Hospitation zusätzliche praktische Erfahrung vermitteln, die manche Hochschulen im Auswahlgespräch positiv werten.

Du planst deinen Weg ins Medizinstudium über Berufsmatura und Passerelle und willst parallel praktische Auslandserfahrung sammeln? Wir organisieren Pflegepraktika und Hospitationen an geprüften Kliniken in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar. Vereinbare jetzt deine kostenlose Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Fazit

Medizinstudium ohne Abitur ist als Suchbegriff eigentlich ein deutscher Begriff für ein Problem, das die Schweiz strukturell anders löst – wer wirklich ein Medizinstudium ohne Abitur beziehungsweise ohne gymnasiale Matura sucht, findet in der Schweiz einen eigenen, real gangbaren Weg: Es gibt kein Abitur, sondern die Matura, und keine eigene Quote für beruflich Qualifizierte, sondern die Ergänzungsprüfung Passerelle, die dich auf Augenhöhe mit gymnasialen Absolvent:innen bringt – danach zählt für Medizin für alle gleichermassen der EMS oder, in Genf, Lausanne und Neuenburg, eine harte Selektion im ersten Studienjahr. Wer diesen Unterschied früh versteht, plant seine Vorbereitung realistischer.

Willst du parallel zu deiner Vorbereitung für dein Medizinstudium ohne Abitur praktische Auslandserfahrung sammeln? Vereinbare eine unverbindliche Beratung mit unserem Team und finde heraus, welches Format zu deinem Weg passt.

Diesen Guide zum Medizinstudium ohne Abitur hat MUDr. Andreas Zehetner verfasst, Arzt (medizinischer Doktortitel MUDr.) und Redaktionsmitglied im travel4med-Netzwerk mit Schwerpunkt auf Zulassungswegen und klinischen Auslandspraktika für Medizin- und Pflegestudierende.

Quellen